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Neuer Bundestag : Viele Juristen, weniger Unternehmer

Heute ist der neue Bundestag zu seiner ersten Sitzung zusammengekommen. Bild: dpa

Die Zusammensetzung des Bundestags hat sich verändert: Viele Berufsgruppen sind kaum vertreten.

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          Juristischer Sachverstand ist für die Gesetzgebung von Nutzen. Das immerhin können die mehr als Hundert Rechtsanwälte für sich in Anspruch nehmen, die künftig den Bundestag bevölkern, selbst wenn sie schon seit sieben Jahren keine Akten mehr gewälzt haben. So witzelte ein Standesvertreter von den Grünen am Dienstag auf den Fluren des Reichstages. Aber Rechtsanwälte sind seit jeher gut im Parlament vertreten, auch im neuen Bundestag, der seine konstituierende Sitzung – trotz Wahlrechtsreform – mit der Rekordzahl von 735 Abgeordnete beging.

          Corinna Budras
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Jedem noch so unbedarften Beobachter würden wahrscheinlich sogleich einige namhafte Vertreter einfallen: Allen voran SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz, FDP-Politiker Wolfgang Kubicki, Renate Künast von den Grünen oder CDU-Mitglied Friedrich Merz, um nur einige zugelassene Rechtsanwälte zu nennen. Diese Dominanz in Wirkung und Zahl bietet immer wieder Anlass für Kritik. Würde dieses Verfassungsorgan das Volk nicht nur in der Vielfalt seiner politischen Haltungen sondern auch in seiner konkreten Berufswahl repräsentieren, hätte die Bundesrechtsanwaltskammer mehr als 11 Millionen Anwälte unter ihren Fittichen und die deutschen Gerichte wahrscheinlich jede Menge zu tun.

          Unternehmerschwund in der Union

          Eine Kanzlei, so scheint es, kann für die Dauer einer Legislaturperiode einfacher unbeaufsichtigt bleiben als ein mittelständisches Unternehmen. Firmenlenker ebenso wie Landwirte nehmen immer seltener auf den blauen Stühlen unter der Reichstagskuppel Platz. Jedenfalls hat die Stiftung Familienunternehmer für diese Wahlperiode die Zahl von 51 Unternehmern ermittelt, die sich Zeit für die Politik nehmen. Im alten Bundestag waren immerhin 76 von ihnen vertreten, bei einer Gesamtzahl von 709 Abgeordneten.

          Die meisten davon sind diesmal bei der FDP, dicht gefolgt von der AfD. Die Union hatte dagegen einen regelrechten Schwund an Unternehmern zu beklagen: Statt wie in der vergangenen Legislaturperiode 30, schickt sie nur noch 10 von ihnen in die parlamentarische Arbeit.

          Das schwindende Engagement der Unternehmer sieht die Stiftung Familienunternehmen naturgemäß mit Sorge, hält sie doch das gegenseitige Verständnis von Wirtschaft und Politik für essenziell für die soziale Marktwirtschaft. Noch besorgter dürften dagegen Erzieher, Theologen oder Naturwissenschaftler sein, die jeweils nur mit einer Handvoll Menschen im Plenum vertreten sind. Ganz zu schweigen von Künstlern, die nicht einmal in der Statistik auftauchen, jedenfalls wenn man Kinderbuchautoren nicht in diese Kategorie fasst und damit den Grünen-Chef Robert Habeck notgedrungen ignoriert.

          Das verrät auch, wie wenig repräsentativ die Volksvertreter mit Blick auf das Bildungsniveau sind. Ohne Universitätsstudium schafft es kaum einer den Bundestag, mehr als 88 Prozent der Abgeordneten sind Akademiker. Allerdings ist der neue Bundestag auch wesentlich weiblicher als der alte, der Frauenanteil ist um 4 Prozentpunkte auf 35 Prozent gestiegen.

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