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Neue Vorschriften geplant : Krankenkassen sollen mehr für Krebsvorsorge tun

  • -Aktualisiert am

Tumorzellen im Labor: Damit es nicht so weit kommt, sollen Versicherte früher und häufiger zur Vorsorge gehen Bild: Röth, Frank

Nach Informationen der F.A.Z. plant die Bundesregierung neue Vorschriften für eine aktivere Rolle der Krankenversicherung in der Krebsvorsorge. Gefordert werden auch einheitliche Krebsregister.

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          Die Regierung will die Früherkennung und Therapie von Krebserkrankungen verbessern und Krankenkassen dabei in eine aktivere Rolle drängen. Sie sollen Versicherte künftig auch zur Darmkrebs- und Gebärmutterhalskrebsvorsorge gezielt einladen, ähnlich dem heutigen Verfahren in der Brustkrebsvorsorge für Frauen. Das steht nach Informationen der F.A.Z. in einem Referentenentwurf von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) für ein „Krebsplan-Umsetzungsgesetz“. Damit folgt Bahr dem Rat medizinischer Fachorganisationen und europäischer Institutionen. Die Bundesländer sollen verpflichtet werden, einheitliche Krebsregister einzuführen. Gesetzliche Kassen werden zur Teilnahme gezwungen, privaten bleibt sie freigestellt. Die Zusatzkosten könnten 100 Millionen Euro im Jahr erreichen.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Wien.

          Krebs ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Trotz des medizinischen Fortschritts nimmt die Zahl der Erkrankungen zu. Nach Daten des Robert-Koch-Instituts stieg die Zahl der Neuerkrankungen 2008 gegenüber 2006 um 43000 auf 470.000 Fälle. Mehr als 218.000 Menschen sterben jedes Jahr in Deutschland an Krebs, etwa jeder vierte Todesfall ist auf diese Erkrankung zurückzuführen.

          Früher und öfter zur Vorsorge

          Die Krebsvorsorge soll nun organisatorisch verbessert, ausgebaut und mehr an den medizinischen Fortschritt angepasst werden. So sollen die Kassen Versicherte gezielt einladen. Anstelle der heute geltenden starren Altersgrenzen, bei deren Erreichen die Kassen die Kosten übernehmen, sollen medizinische Kriterien gelten.

          Folgt dem Rat medizinischer Fachorganisationen und europäischer Institutionen: Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP)
          Folgt dem Rat medizinischer Fachorganisationen und europäischer Institutionen: Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) : Bild: dapd

          So könnten Personengruppen, die als gefährdet gelten, früher oder öfter zur Vorsorge geladen werden. Kriterien dafür soll der Gemeinsame Bundesausschuss der Kassen und Ärzte binnen zwei Jahren nach Inkrafttreten des Gesetzes festlegen. Das neue Programm könnte vermutlich 2015 an den Start gehen. Heute werden Frauen von 50 bis 69 Jahren zur Brustkrebsvorsorge eingeladen, eine Darmspiegelung zur Krebsvorsorge zahlt die Kasse ab einem Alter von 55 Jahren.

          Um die Qualität der Krebstherapie besser zu überwachen, sollen die Länder verpflichtet werden, nach einheitlichem Standard Krebsregister einzuführen. Sie sollen alle Daten der ambulanten und stationären Behandlung von der ersten Diagnose an sammeln. Bestehende Krebsregister sollen an die neuen Maßstäbe angeglichen werden. Ohne vorherige Zustimmung der Patienten sollen die Daten aber nicht weitergegeben werden dürfen. Diese individuellen klinischen Daten dürfen mit epidemiologischen Daten zusammengeführt werden. Daraus könnten Forscher Erkenntnisse für eine bessere Prävention gewinnen.

          „Informierte, individuelle Entscheidung“

          Krebspatienten sollen auch dann bevorzugt von Zuzahlungen beim Arzt und in der Apotheke befreit werden, wenn sie nicht an empfohlenen Vorsorgeprogrammen teilgenommen haben. Die gegenteilige Norm im Sozialgesetz soll gestrichen werden. Auch diese Patienten wären dann von Zuzahlungen befreit, wenn diese 1 statt 2 Prozent ihres Bruttoeinkommens erreichen. Eine „informierte, individuelle Entscheidung“ sei wichtiger als eine möglichst hohe Teilnehmerzahl, heißt es in Bahrs Entwurf, der derzeit im Kabinett sowie mit Ländern und Verbänden abgestimmt wird.

          Auf die Krankenkassen kommen neue Kosten zu. Sie sollen die Krebsregister mit 94 Euro je Fall pauschal bezuschussen. Hinzu kommen die Kosten für Einladungen und Informationen der Versicherter, je nach Vorgabe des Bundesausschusses. Die Kosten werden in einer Spanne von 80 bis 120 Millionen Euro im Jahr kalkuliert. Den Mehrkosten stehen vermiedene Behandlungskosten in unbekannter Höhe gegenüber.

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