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Neue Umfrage : Viele Mittelständler geben Flüchtlingen Arbeit

  • Aktualisiert am

Arbeitsplätze oder Spenden für Flüchtlinge? Das ist regional verschieden in Deutschland. Bild: dpa

Wie engagieren sich mittelständische Unternehmen für Flüchtlinge? Eine neue Umfrage zeigt: Rund die Hälfte hat Arbeitsplätze geschaffen. Und künftig wird es sogar noch einfacher, Flüchtlinge zu beschäftigen.

          Die Dax 30 Unternehmen haben bislang nur wenige Flüchtlinge eingestellt, wie bei einer F.A.Z.-Umfrage kürzlich herauskam. Doch wie steht es mit dem unternehmerischen Mittelstand? Ganz eindeutig zu beantworten ist die Frage nicht, doch diese neue Umfrage gibt zumindest ein Gefühl für das Engagement der deutschen Mittelständler: Drei Viertel von ihnen engagieren sich nach eigener Auskunft mit Spenden, Ausbildungs- und Arbeitsplatzangeboten für Flüchtlinge.

          Dies geht aus einer Befragung von 600 mittelständischen Unternehmen ab 250 Mitarbeitern hervor, die das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung zu Jahresbeginn durchgeführt hat. Darüber berichtet an diesem Freitag die Zeitung „Rheinische Post“ aus Düsseldorf.

          Geringe regionale Unterschiede

          „Rund die Hälfte der befragten Unternehmen gaben an, Flüchtlinge bei der Arbeitsmarktintegration in geringem bis sehr hohem Maße zu unterstützen", heißt es im dazugehörenden IW-Bericht. 62 Prozent der Unternehmen bieten Asylbewerbern demnach Praktikumsplätze an. Ausbildungsplätze für junge Flüchtlinge stellen nach ihren eigenen Angaben 48 Prozent der Unternehmen bereit.

          Reguläre Arbeitsplätze für Migranten haben nach der Selbstauskunft schon 47 Prozent aller befragten Mittelständler eingerichtet. Aus der Umfrage lassen sich geringe regionale Unterschiede ablesen:

          Während die Unternehmen im Süden (Bayern und Baden-Württemberg) Flüchtlingen etwas häufiger Arbeitsangebote machen als Betriebe in anderen Regionen, setzen Unternehmen im Westen (Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland) häufiger auf Sach- und Geldspenden.

          Bei der F.A.Z.-Umfrage aus dem Juli, die sich auf die Dax-Konzerne bezogen hatte, war herausgekommen, dass diese zusammen genommen, bis Anfang Juni gerade einmal 54 Flüchtlinge fest angestellt hatten. Davon entfielen allein 50 auf die Deutsche Post, zwei jeweils auf den Softwarekonzern SAP und den Darmstädter Pharmahersteller Merck.

          Vorrangprüfung ab Samstag ausgesetzt

          Künftig wird es für Flüchtlinge leichter, eine Arbeit aufzunehmen. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) veröffentlichte am Freitag in Berlin eine Verordnung, wonach in 133 von insgesamt 156 Agenturbezirken der Bundesagentur für Arbeit die so genannte Vorrangprüfung bei der Beschäftigung von Asylbewerbern und Geduldeten für drei Jahre ausgesetzt wird. Die Verordnung tritt bereits an diesem Samstag in Kraft.

          Flüchtlinge, über deren Antrag auf humanitären Schutz noch nicht entschieden wurde, erhalten somit nach drei Monaten Aufenthalt grundsätzlich Zugang zum Arbeitsmarkt. Bislang musste die Bundesagentur zunächst prüfen, ob inländische Arbeitnehmer für die Beschäftigung zur Verfügung stehen. Nahles sprach von einem „weiteren Baustein für eine erfolgreiche Integration der Menschen, die zu uns kommen und Fuß fassen wollen“.

          Das Ministerium hat die Verordnung nach eigenen Angaben eng mit den Bundesländern abgestimmt, um die regionale Arbeitsmarktlage zu berücksichtigen. Bei den verbleibenden 23 Agenturbezirken gilt demnach weiterhin die Vorrangprüfung innerhalb der ersten fünfzehn Monate des Aufenthalts von Asylbewerbern und Geduldeten. Sie befinden sich in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern.

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