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Neue Umfrage : Im Westen herrscht Umbruchstimmung

Demonstranten auf der Place de la Concorde in Paris Bild: AFP

Viele Bürger in den vier großen westlichen Industrienationen sind unzufrieden mit dem Wirtschaftssystem. Mehr Umverteilung und eine Reichensteuer stehen aber nicht an erster Stelle.

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          In den vier größten westlichen Industrienationen herrscht Umbruchstimmung: Die Hälfte der Bürger in Deutschland, Großbritannien und den Vereinigten Staaten hält mindestens große Änderungen im Wirtschaftssystem für nötig. In Frankreich sind es sogar 70 Prozent, einschließlich der 12 Prozent, die einen kompletten Umbau des Systems für angemessen halten.

          Winand von Petersdorff-Campen
          (wvp.), Wirtschaft

          Das geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Pew in den vier Ländern hervor, die im Spätherbst des vorigen Jahres 4000 Bürger in den vier Ländern einbezog. Die stärkste Polarisierung zeigt sich in den Vereinigten Staaten, wo 12 Prozent noch nicht einmal kleine Reformen am System für nötig halten, während 10 Prozent für einen Umsturz der Verhältnisse plädieren.

          Trotz dieser eher skeptischen Grundhaltung zum herrschenden Wirtschafssystem und der durch die Pandemiekrise getrübten Verhältnisse sieht eine Mehrheit der Befragten gute Chancen, ihren individuellen Lebensstandard zu steigern. In Deutschland sind das 72 Prozent und in Amerika 78 Prozent. In Frankreich teilen 51 Prozent diese Zuversicht. 

          Hohe Zustimmung zu Weiterbildungsprogrammen

          Ihre aktuelle wirtschaftliche Situation beurteilten 13 Prozent der Deutschen als sehr gut und 60 Prozent als gut. Das entspricht immerhin drei Viertel der Befragten in Deutschland und ist mit Abstand der beste Wert im Vierländervergleich: Im Frankreich sagte nur ein Viertel, es gehe ihm sehr gut oder gut, in England ein Drittel und in Amerika knapp die Hälfte.   

          Die Meinungsforscher haben verschiedene wirtschaftspolitische Interventionen zur Auswahl gestellt und gefragt, wie wichtig und wünschenswert diese seien. Am besten schnitten staatliche Weiterbildungsprogramme ab, die die Fähigkeiten der Arbeiter stärken. Rund 75 Prozent der Engländer und 61 Prozent der befragten Deutschen halten sie für sehr wichtig. Öffentlicher Wohnungsbau wird ebenfalls von einer Mehrheit für wichtig genommen.

          Weniger bedeutsam für die Befragten waren eine Anhebung der Sozialhilfe für Arme, die in England zwar von 53 Prozent und in Deutschland von 48 Prozent der Bürger, aber im revolutionärer gesonnenen Frankreich nur von 39 Prozent als sehr wichtig genommen wird. Für die Franzosen stehen überraschenderweise auch höhere Steuern für die Reichen nicht weit oben auf der Prioritäten Liste.

          In anderen Ländern ist die Zustimmung für Umverteilung höher, selbst in der Vereinigten Staaten, wo 45 Prozent ein Reichensteuer als sehr wichtig erachten und 47 Prozent einer Aufstockung der Sozialhilfe hohe Priorität zubilligen. Die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens wird in England von 50 Prozent für sehr wichtig gehalten, in den anderen Ländern hält rund ein Drittel die Einführung für sehr wichtig.

          Zwei Drittel der Engländer halten einen Staat, der die Wirtschaft reguliert, für gut. In Deutschland sind es immer noch 53 Prozent und in den Vereinigten Staaten 46 Prozent.                   

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