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Neue Technologie für Energiespeicher : Träume von der Riesenbatterie

Erste genauere Antworten könnte die geplante Testanlage in Bayern geben. Sie soll etwa 10 Millionen Euro kosten. Noch hat Gravity Power – eine Tochtergesellschaft der amerikanischen Gravity Power LLC – die Summe nicht zusammen. Ein „strategischer Investor“ und eine Reihe privater Investoren seien bereit, gemeinsam etwa die Hälfte der Summe beizusteuern, sagt Geschäftsführer von John. Um konkrete Namen zu nennen sei es noch zu früh. Bis zu einem Viertel der Investitionskosten könnte das Bayerische Wirtschaftsministerium beisteuern, hofft der Unternehmer.

Ein ausführliches Sondierungsgespräch mit Vertretern des von Ilse Aigner (CSU) geführten Ministeriums habe stattgefunden. Im Ministerium heißt es auf Anfrage: „Die Technologie Gravity-Power steht noch völlig am Anfang. Ob sie eine Alternative zu konventionellen Pumpspeicherkraftwerken werden kann, ist daher offen.“ Ob und, wenn ja, in welcher Höhe eine Unterstützung durch den Freistaat möglich ist, könne zum jetzigen Zeitpunkt nicht bestätigt werden, da noch eine Reihe von technischen und betriebswirtschaftlichen Aspekten zu klären seien.

Die Energieversorger bleiben skeptisch

Große Energieversorger wie RWE und Eon haben sich über das Projekt informiert, finanziell engagieren wollen sie sich bislang nicht. „Die Technologie ist spannend und kann theoretisch funktionieren. Sie muss sich aber in der Praxis und auch wirtschaftlich gegenüber Alternativen bewähren“, sagt Erik Hauptmeier, der sich in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung des Essener Konzerns RWE mit Speichertechnologien beschäftigt.

An Standorten, an denen beispielsweise viel Strom aus Photovoltaikanlagen in die Verteilnetze fließt, könnte die Technologie dann dazu dienen, Schwankungen innerhalb eines Tages auszugleichen. „Die Technologie braucht die richtige Geologie. Nur wenn das Verhältnis von Kosten für den Schachtbau und Speichernutzen stimmt, könnte sie relevant für uns werden. Momentan sehe ich das noch nicht“, sagt Hauptmeier. Ähnlich äußert sich Konkurrent Eon. „Insbesondere auf größere Volumina bezogen, sehen wir aber eine Reihe technischer Herausforderungen, die zu lösen sind“, sagt ein Sprecher. Für den Konzern seien andere Energiespeichertechnologien derzeit vielversprechender, wie zum Beispiel Batterien oder Stromspeicherung in Form von Gas („Power-to-Gas“).

Horatio von John und Clemens Martin wollen sich nicht beirren lassen: „Wir gehen davon aus, dass wir heute zum richtigen Zeitpunkt am Markt sind und wir mit dem Bau der Testanlage schon bald beginnen können“, sagt Clemens Martin. Ihm macht Mut, dass auch der Regionalverband Neckar-Alb die unkonventionellen Speicher als eine Alternative in den Regionalplan aufnehmen möchte und auch das Fraunhofer Institut für Bauphysik in Holzkirchen sich als Projektpartner engagiert. In Kochel am See sind schon einmal große Pläne Wirklichkeit geworden.

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