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Neue Technologie für Energiespeicher : Träume von der Riesenbatterie

„Kaum sichtbar, geräuschlos, emissionsfrei“

Die unterirdischen Pumpspeicherkraftwerke, wie sie das Unternehmen aus der Nähe von Frankfurt plant, könnten ein Mosaiksteinchen für die Lösung des Speicherproblems werden. Auch der Bau dieser Speicher ist zwar mit Eingriffen in die Natur verbunden. „Nach der zweijährigen Bauzeit sind die Anlagen aber kaum noch sichtbar, geräuschlos und emissionsfrei“, verspricht der frühere Banker und heutige Unternehmer von John. Die in Bayern geplante Demonstrationsanlage soll aus einem 140 Meter tiefen Schacht mit 8 Metern Durchmesser bestehen und ähnlich funktionieren wie ein überirdischer Speicher. Das Innere des mit Stahlbeton verkleideten Schachts ist mit Wasser gefüllt, Herzstück ist ein schwerer beweglicher Kolben. Überschüssiger Strom soll eine Turbine antreiben und den riesigen Kolben nach oben ziehen.

Wird hingegen Strom benötigt, soll der Kolben durch die Schwerkraft („Gravity“) hinabsinken und wiederum die Turbine antreiben und Strom erzeugen (siehe Grafik). Mit 1 Megawatt wäre die Leistung der Demonstrationsanlage allerdings winzig. „Sie soll nur der Anfang sein“, sagt Clemens Martin, Mitbegründer der Gravity Power GmbH und Geschäftsleiter in Bayern. Funktioniert die Technik aber wie erwartet im kleinen Maßstab, könne etwa im Jahr 2019 eine erste Großanlage – zum Beispiel mit einer Leistung von 300 Megawatt – in Betrieb gehen. Die Ausmaße für eine solche Anlage wären mit einem Schachtdurchmesser von bis zu 80 Metern und einer Tiefe von 500 Metern immens. Sie würde laut Gravity Power etwa 325 Millionen Euro kosten. Trotzdem sind die Unternehmer überzeugt, dass sich eine solche Anlage eines Tages rechnen wird.

Aber ist ein solches Mammutprojekt technisch überhaupt realisierbar? Um das zu beweisen, hat die Gravity Power GmbH Fachleute für Tunnelbau mit einem Gutachten beauftragt. Ingenieure des Planungsbüros Babendererde Engineers kamen zu dem Schluss, „dass es nach heutigem Stand der Technik möglich ist, eine solche Großanlage zu bauen“, sagt Geschäftsführer Lars Babendererde. Die notwendige Technik sei aus dem Schachtbau bekannt und müsse lediglich modifiziert werden. Allerdings befassten sich die Projektplaner lediglich mit einem Schacht mit 30 Metern Durchmesser, Gravity Power kalkuliert mittelfristig mit mehr als doppelt so großen Anlagen.

Die positive Beurteilung ist nicht unbestritten. Friedrich Häfner, emeritierter Professor der TU Bergakademie Freiberg und Betreiber des Ingenieurbüros Geores Consult, bezeichnet das Vorhaben als „realitätsfern“. Dass ein Unternehmen, dass vom Bau der Anlage profitieren könnte, das Vorhaben positiv beurteilt, sei nicht verwunderlich. Häfner wendet ein, dass es heute keine Maschinen gebe, die in großer Tiefe einen Schacht mit 80 Meter Durchmesser bauen könnten. Zudem müsse erst einmal viel Geld in die Erforschung der kreisförmigen Dichtung gesteckt werden, die den Kolben einmal umgeben soll.

Eine Testanlage in Bayern ist in Planung

Häfner hält es für „undenkbar, bis zum Jahr 2030 eine Anlage zu realisieren, die sich energiewirtschaftlich lohnt“. Sinnvoller sei es, die Erforschung anderer Techniken voranzutreiben, die es ermöglichen, Strom über mehrere Monate zu speichern. Die Initiatoren aus Hessen sind, nachdem sie zahlreiche Fachleute konsultiert haben, dagegen überzeugt, auf alle technischen und wirtschaftlichen Fragen eine Antwort zu besitzen oder zumindest in kurzer Zeit eine Lösung parat zu haben.

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