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Neue Studie : Hartz-IV-Sanktionen treffen häufiger die Männer

Mütter von Kleinkindern müssen für die Vermittlung nicht zur Verfügung stehen. Doch auch kinderlose Frauen werden seltener sanktioniert. Bild: dpa

Wenn Hartz-IV-Empfänger gegen Bestimmungen verstoßen, kürzen die Jobcenter ihnen das Geld. Eine Studie zeigt nun, dass davon viel häufiger Männer betroffen sind als Frauen. Entweder verstoßen die Männer häufiger gegen die Regeln - oder die Frauen werden für Regelverstöße seltener bestraft.

          Die Jobcenter kürzen Frauen deutlich seltener die Hartz-IV-Leistungen nach Regelverstößen als Männern. Dies geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor. Danach spielt zwar für die Statistik eine Rolle, dass Mütter von Kleinkindern nicht für die Vermittlung zur Verfügung stehen müssen. Aber auch bei alleinstehenden und kinderlosen Arbeitslosengeld-II-Empfängern wiesen Männer im Vergleich zu Frauen rund doppelt so hohe Sanktionsquoten auf, berichtet das IAB.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Es sei jedoch noch zu klären, ob dies daran liege, dass Männer grundsätzlich schlechter mit den Jobcentern kooperierten oder ob sie von den Jobcentern einfach mehr gefordert („aktiviert“) würden als die Frauen. „Zur Klärung dieser Fragen besteht ein großer Forschungsbedarf“, schreiben die Forscher.

          Die Sanktionen zeigen Wirkung

          Eine Analyse nach Altersgruppen zeige außerdem, dass Hilfeempfänger im Alter von mehr als 50 Jahren kaum sanktioniert würden, Jüngere unter 25 Jahren dagegen vergleichsweise häufig. Eine Begründung für dieses Phänomen liefert das IAB: „Dies ist auf die besondere Konzentration von Aktivierungsbemühungen auf diese junge Altersgruppe zurückzuführen.“

          Die Sanktionen zeigen hier durchaus Wirkung, konstatiert das IAB: Ein „guter Teil“ der jungen Arbeitslosen, denen Hartz IV um 30 Prozent gekürzt worden sei, habe innerhalb eines Jahres nach der DSantkion zumindest zeitweise eine versicherungspflichtige Beschäftigung gefunden. Ein Kausalzusammenhang mit der Sanktion sei allerdings nur schwer nachzuweisen.

          Zudem stellten die Arbeitsmarktforscher fest, dass es bei Arbeitslosen mit hohem Schulabschluss wie Fachhochschul- oder Hochschulreife sehr selten zu Sanktionen komme, viel seltener als bei Arbeitslosengeld-II-Empfängern mit einem niedrigeren oder ohne Schulabschluss. In Westdeutschland seien ferner Sanktionen häufiger als in Ostdeutschland.

          Der Grund hierfür sei die bessere Arbeitsmarktlage im Westen, wird erläutert. Mehr Stellenangebote und Gelegenheiten zu Bewerbungen bedeuteten auch, dass häufiger Pflichtverstöße und damit auch Sanktionen vorkommen könnten. Markante Unterschiede im Verhalten zwischen deutschen und ausländischen Hartz-IV-Empfängern konnte das IAB nicht erkennen

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