https://www.faz.net/-gqe-9rbh1

Geldinstitut : Neue Spannungen zwischen Deutscher Bank und Aufsicht

Die Doppeltürme der Deutschen Bank in Frankfurt Bild: Michael Braunschädel

Dem Institut droht ein Verfahren wegen des Handel mit einer eigenen Anleihe. Und der neue IT-Vorstand kämpft offenbar mit allzu menschlichen Kuriositäten.

          2 Min.

          Die Deutsche Bank schafft es nicht, ihr durch viele Skandale gestörtes Verhältnis zur Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) zu entspannen. Ganz im Gegenteil hat Deutschlands größtes Kreditinstitut jetzt sogar neuen Ärger mit seinen Aufsehern. Denn die EZB prüft, ein Verfahren gegen die Deutsche Bank zu eröffnen, weil sie ohne nötige Genehmigung eigene Nachranganleihen gekauft hat.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Selbst wenn es sich dabei im Wesentlichen um die übliche „Marktpflege“ zur Aufrechterhaltung eines liquiden Handels in der Anleihe gehandelt haben sollte: Seit 1. Januar 2014 musste die Deutsche Bank dafür vorher eine Genehmigung der EZB-Bankenaufsicht einholen. Denn Nachranganleihen werden in einer Krise der Bank zu Eigenkapital und sollen dann Verluste abfedern. Sie gelten daher aufsichtsrechtlich als Eigenmittel, deren Kursstützung als besonders sensibel gilt. Eine Genehmigung muss daher von der Aufsicht vorliegen, bevor mit dem Handel in der eigenen Nachranganleihe begonnen wird. Deutsche Bank und EZB-Bankenaufsicht gaben dazu keinen Kommentar ab.

          Unstrittig scheint zu sein, dass die Deutsche Bank von Frühjahr 2014 an ohne Genehmigung ihre Nachranganleihe handelte, die Aufsicht aber später die Genehmigung dafür erteilte, allerdings ist das eben rückwirkend nicht möglich. Ermittelt wird nun, wie lange die Deutsche Bank ohne aufsichtliche Genehmigung die eigene Anleihe handelte. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, soll die Deutsche Bank erst am Jahresende 2014 überhaupt bei der Aufsicht eine Genehmigung beantragt haben. Daraufhin soll die Aufsicht die Investmentbanking-Sparte der Deutschen Bank aufgefordert haben, mit dem Handel aufzuhören. Die Deutsche Bank hingegen soll den Anleihehandel fortgesetzt und das Gespräch mit der Aufsicht darüber gesucht haben. Im August 2017 genehmigte die Aufsicht den Anleihehandel dann.

          All das mutet nach einer Mischung aus Überheblichkeit und Schludrigkeit gegenüber der Aufsicht an. Inwiefern es reicht, um ein Verfahren gegen die Deutsche Bank zu eröffnen, ist unklar. Aber es stört die Bemühungen des seit April 2018 amtierenden Vorstandschefs Christian Sewing, die Kultur der Deutschen Bank als sauber und integer darzustellen und neues Vertrauen aufzubauen. Zumal die Deutsche Bank vor kurzem schon in anderer Sache in neue Schwierigkeiten mit der Aufsicht geriet – als sie am 15. August Jürg Zeltner als neues Aufsichtsratsmitglied nominierte.

          Wie berichtet stört sich die EZB-Bankenaufsicht an dem Interessenkonflikt, den Zeltner als Aufsichtsrat der Deutschen Bank hat, schließlich ist er im Hauptberuf Vorstandschef eines Konkurrenten, nämlich der Luxemburger Privatkundenbankengruppe KBL. Zeltner ist auch an KBL, zu der die Münchener Privatbank Merck Finck gehört, beteiligt. KBL ist mehrheitlich im Besitz des Emirats Qatar, das an der Deutschen Bank zwischen 6 und 10 Prozent hält. Die Bankenaufsicht prüft Aufsichtsräte im Wesentlichen auf ihre Zuverlässigkeit und fachliche Eignung. Im Leitfaden zur Eignung von Vorständen und Aufsichtsräten fallen leitende Posten und finanzielle Interessen bei Konkurrenzunternehmen unter „potentielle wesentliche Interessenkonflikte“. Die Deutsche Bank hat geäußert, ihr Nominierungsausschuss habe potentielle Interessenkonflikte Zeltners „geprüft und als gering eingeschätzt“. Es ist nicht der einzige Dissens, den die Deutsche Bank und ihre Aufseher pflegen.

          Bernd Leukert

          Eine Kuriosität anderer Art ereignete sich in dieser Woche um den früheren SAP-Vorstand Bernd Leukert, der zum Stolz der Deutschen Bank am 1. September in ihren Vorstand gewechselt ist. Der neue IT-Vorstand sollte sich eigentlich am Mittwoch erstmals am Finanzplatz Frankfurt präsentieren – auf dem Podium einer IT-Konferenz, die von der Deutschen Bank gesponsort ist. Leukert aber erschien nicht – er soll dem Veranstalter seine Teilnahme nur wenige Minuten vor Beginn der Gesprächsrunde abgesagt haben. Die Deutsche Bank schickte auch keinen Vertreter, um über neue Technik und Plattform-Ökonomie zu diskutieren. Am Montag musste die Bank schon ein für Dienstagmorgen angesetztes Pressegespräch mit Leukert absagen. Konkrete Gründe wurden nicht genannt. Bankintern werden Terminkollisionen vermutet. Am Montagabend wurde Leukert auf einem Sponsorentermin auf der IT-Konferenz gesehen.

          Weitere Themen

          Reich werden im Casino Video-Seite öffnen

          Macau : Reich werden im Casino

          Macau, einst eine vergessene portugiesische Kolonie, ist jetzt der zweitreichste Ort der Erde und das größte Zockerparadies der Welt. Aber dieser Wohlstand kostet.

          Topmeldungen

          Ukraine-Affäre : Stehen die Republikaner weiter hinter Trump?

          Der amerikanische Botschafter in der Ukraine, William Taylor, hat Donald Trump vor dem Kongress schwer belastet. Die Republikaner reagierten mit Solidaritätsbekundungen, aber einige in der Partei setzen sich auch von ihrem Präsidenten ab.

          AKK-Vorstoß : Gezielte Überrumpelung

          Annegret Kramp-Karrenbauer hat den Koalitionspartner mit ihrem Syrien-Vorstoß schwer düpiert. Jetzt muss sie ihre Idee so seriös weiterentwickeln, dass sie dem Vorwurf entgeht, es sei ihr nur um die eigene Profilierung gegangen.

          Sorgen beim FC Bayern : „Es muss alles besser werden“

          Drittes Spiel, dritter Sieg: Doch die Münchner zeigen in der Champions League in Piräus viele Mängel. Sportdirektor Salihamidzic übt deutliche Kritik. Dazu kommt Verletzungspech. Der nächste Spieler fehlt lange.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.