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Zukunftsforscher : „Bald gibt es fliegende Autos“

Pinke Sonnenbrille, rotes Star-Wars-Shirt und breites Grinsen: Aric Dromi, 42, ist Zukunftsexperte für Autokonzerne wie Volvo und sieht auch wie ein Zukunftsexperte aus. Bild: privat

Das Leben in der Stadt wird sich radikal verändern. Autos werden fliegen können, statt autonom zu fahren, sagt Aric Dromi, der Autokonzerne wie Volvo berät. Ein Gespräch über eine Zukunft, die nach Science-Fiction-Film klingt.

          Herr Dromi, Sie beraten verschiedene Firmen aus der Autobranche in Zukunftsfragen. Fahren bald alle Autos autonom?

          Nein. Ich glaube persönlich sogar, dass es fliegende Autos früher geben wird als die Umstellung des Verkehrs auf autonome Autos, jedenfalls in den Städten.

          Wie bitte? Die Autokonzerne tönen doch, wir würden schon bald nicht mehr am Steuer benötigt werden.

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Firmen sitzen einem groben Missverständnis auf. Sie entwickeln ihre Fahrsysteme, als ob es dabei einfach um ein weiteres Extrazubehör wie den Fensterheber oder das Navigationsgerät ginge. In Wahrheit handelt es sich jedoch um ein gigantisches Infrastrukturprojekt, bis zu dessen Verwirklichung noch sehr viel Zeit vergehen wird.

          Warum das?

          Weil diese Autos nicht dieselbe Fahrbahn wie andere Verkehrsteilnehmer benutzen sollten. Sie brauchen ein eigenes Straßensystem, wo es weder Fußgänger noch herkömmlich gesteuerte Autos gibt. Ich glaube, wir werden uns in einigen Jahren darüber wundern, dass es je anders gewesen ist.

          Was soll schlecht daran sein, dass Fußgänger und Autos auf derselben Straße unterwegs sind? Das beruhigt den Verkehr, belebt die Innenstadt.

          Aber es wird in Städten mit selbstfahrenden Autos nicht mehr funktionieren, und zwar aus einem einfachen Grund: In Schweden, wo ich wohne, sind die Fußgänger die übelsten Verkehrsrüpel. Schon jetzt hält sich kaum jemand an Zebrastreifen oder wartet an der Ampel auf Grün, um die Straße zu überqueren. Stellen Sie sich vor, was passiert, wenn alle Fußgänger wissen, dass die Autos auf jeden Fall von selbst bremsen werden, sobald jemand auch nur einen Fuß auf die Straße setzt. Jeder macht, was er will, keiner hält sich mehr an Regeln.

          Das ist das zweite große Problem an der Sache. Damit sich selbstfahrende Autos wirklich lohnen, darf es keine Alternative dazu mehr geben. Mischformen funktionieren vielleicht auf der Landstraße und auf der Autobahn, aber nicht in der Stadt – also ausgerechnet da, wo die Selbstfahrsysteme den größten Nutzen bringen. Auch das liegt am defensiven Algorithmus, mit dem die Systeme ihre Informationen verarbeiten. Treffen sie auf die Fahrfehler, Unaufmerksamkeiten und Regelbrüche menschlicher Fahrer, bremsen sie konsequent ab, damit es bloß keinen Unfall gibt. Das setzt sich dann unendlich fort, bis die Stadt komplett lahmliegt. Ein selbstfahrendes Auto inmitten von tausend von Hand gesteuerten Autos, das geht gut. Aber tausend selbstfahrende Autos und mittendrin ein einziges herkömmliches Auto, das endet im Verkehrsinfarkt.

          Also gut, vergessen wir die selbstfahrenden Autos.

          Nein, bitte noch nicht, dazu sind die möglichen Vorteile viel zu bedeutend. Unsere Städte platzen aus allen Nähten. Aber sie bestehen gewöhnlich zu drei Vierteln aus Straßen und Parkplätzen. Mit selbstfahrenden Autos brauchen wir nur noch die Hälfte dieser Flächen, dafür können mehr Wohnungen gebaut werden. Die meisten Straßen kommen dann mit einer Spur aus, und es sind weniger Parkplätze nötig, weil die Autos viel besser genutzt werden können.

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