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Mensch oder Maschine : Zur Ethik des autonomen Fahrens

  • -Aktualisiert am

Gehört dieses Bild bald zum Alltag? Und was bedeutet das autonome Fahren für den Verkehr? Bild: dpa

Wie entscheidet ein Mensch, kurz bevor einen Unfall baut? Und wie soll ein autonomes Auto entscheiden? Allgemeingültige Regelungen sind nur schwer zu finden. Ein Standpunkt.

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          Das Thema autonomes Fahren besitzt für Deutschland höchste Bedeutung. Denn deutsche Unternehmen, nicht Google oder Tesla, sind hier führend. Von den 2828 Patenten zu autonomem Fahren, die seit 2010 weltweit registriert wurden, stammen 1646 (58 Prozent) aus Deutschland. Insofern passt es, dass wir als eines der ersten Länder eine Kommission haben, die sich unter der Leitung des ehemaligen Richters am Bundesverfassungsgericht, Udo Di Fabio, mit der Ethik des autonomen Fahrens beschäftigt. In dieser Kommission arbeiten hochkompetente Fachleute mit, wie der ehemalige SAP-Vorstandsvorsitzende und heutige Präsident der Akademie der Technikwissenschaften Henning Kagermann.

          Ich bin weder Autofachmann noch IT-Experte und auch kein Jurist, aber das Thema beschäftigt mich wie viele andere auch. Bemerkenswert fand ich eine Empfehlung des Schweizer Informatikers und Philosophen Oliver Bendel, „das Auto relativ dumm zu lassen und autonomes Fahren nur in abgetrennten Bereichen wie der Autobahn zu erlauben“. Vielleicht handelt es sich hier um ein „echtes“ Problem im Sinne von Murphy. Echte Murphy-Probleme sind solche, für die es keine Lösung gibt. Meine Erfahrung aus Dutzenden Projekten ist, dass Techniker nicht immer erkennen, wo der Hase wirklich im Pfeffer liegt.

          Die Suche nach allgemeingültigen Prinzipien ist schwer

          In der Ethikkommission, so Kagermann, sei „relativ unumstritten“, dass Sachschäden immer Personenschäden vorgezogen werden müssten. Dieses Prinzip dürfte in der Gesellschaft kaum auf Widerspruch treffen. Doch bei der Umsetzung können gravierende Probleme auftreten. Die weit überwiegende Mehrzahl der Unfallsituationen dürfte eine klare Trennung von Sach- und Personenschaden nicht zulassen. Allein schon diese vergleichsweise harmlose Grauzone deutet auf ein Grundproblem hin, nämlich dass es äußerst schwer werden dürfte, allgemeingültige Prinzipien aufzustellen.

          Das zeigt sich drastisch beim zweiten Prinzip, das in der Kommission diskutiert wird. Kagermann beschreibt es wie folgt: „Das Auto muss im Zweifel den Fußgänger schützen und nicht den Insassen des Fahrzeugs.“ Für meine folgende Argumentation unterstelle ich den optimistischen Fall, dass das Auto tatsächlich alle Informationen besitzt, also genau erkennen kann, wer gefährdet ist und welches die Konsequenzen einer bestimmten Aktion sind. Vermutlich ist das eine auf lange Sicht zu positive Annahme, wie der Tesla-Unfall zeigt, bei dem ein heller Lastwagen nicht vom hellen Himmel unterschieden wurde. Aber sei es drum, die Technik wird perfekter. Ich glaube nicht, dass autonomes Fahren an der Technik scheitern wird.

          Was ist das „normale“ menschliche Verhalten?

          Zurück zum zweiten Prinzip: Nehmen wir als Gedankenmodell an, dass der Fußgänger ein Neunzigjähriger mit schlechter Gesundheit ist (das Auto wisse das!) und die Insassen des Autos drei Kinder im Alter von zehn Jahren sind. Das Auto fahre mit hoher Geschwindigkeit, und es gäbe nur die Alternative, den neunzigjährigen Fußgänger zu überfahren oder die drei Kinder durch den Aufprall gegen den Baum zu Tode zu bringen. Dem Prinzip zufolge müsste das Programm das Auto gegen den Baum steuern. Dieses Gedankenbeispiel zeigt, dass das zweite Prinzip zu absurden Konsequenzen führt.

          Eine tiefergehende Frage ist folgende: Wie entscheidet ein menschlicher Fahrer in einer solchen Situation? Die Antwort: niemand weiß das, selbst der Fahrer weiß es nicht. Er hat nämlich keine Zeit, langwierige, bewusste Abwägungen zu treffen, er wird instinktiv entscheiden. Zu vermuten ist, dass er typischerweise sein eigenes Leben und das seiner mitfahrenden Angehörigen schützen wird. Im Nachhinein muss dann ein Gericht über Schuld oder Unschuld urteilen. Widerspricht das obige zweite Prinzip somit nicht dem „normalen“ menschlichen Verhalten, und was bedeutet das?

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