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Produktion der E-Autos : Die Elektromobilität kommt bei den Beschäftigten an

Wie verändert ihre Produktion die Autobranche? Eine e-Smart-Flotte in Berlin Bild: dpa

Mehr Elektro-Autos verändern nicht nur das Straßenbild, sondern auch die Produktion in der Branche. Über das Wie sind sich die Unternehmen uneins.

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          Das Ausmaß des Wandels weg vom Verbrennungsmotor und hin zum Elektroantrieb lässt sich mit einem Blick unter die Haube erkennen. Ein Verbrennungsmotor besteht heutzutage aus rund fünf Mal mehr Teilen als ein Elektromotor. Je größer der Anteil der Elektroautos am Absatz eines Herstellers, desto weniger Teile muss er selbst entwickeln oder sich zuliefern lassen. Und dieser Anteil wird künftig steigen, sagen Fachleute. Laut der Unternehmensberatung PWC soll im Jahr 2030 jedes dritte neue Fahrzeug in der Europäischen Union elektrisch angetrieben sein.

          Martin Gropp
          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Diese Entwicklung wird sich auf die Beschäftigung in der Autobranche auswirken. Davon geht zum Beispiel der VW-Gesamtbetriebsratchef Bernd Osterloh aus. Er rechnet damit, dass innerhalb der nächsten zehn Jahre zwischen 15.000 und 25.000 mit Verbrennungsmotoren verbundene Arbeitsplätze wegfallen könnten. Gleichzeitig würden neue Arbeitsplätze geschaffen, zum Beispiel in der Software-Entwicklung, sagte Osterloh dem „Handelsblatt“. Was unter dem Strich steht, ließ er offen.

          Beim Münchener Autohersteller BMW entwickelt sich die Zahl der Arbeitsplätze trotz der zunehmenden Produktion von Elektroautos im Saldo positiv. Der Grund: Neben Verbrennungsmotoren baut BMW immer mehr an der Steckdose ladbare Plug-In-Hybrid-Fahrzeuge, die gleichzeitig über einen Verbrennungsmotor verfügen.

          Elektromobilität ist Herausforderung und Chance zugleich

          „Wir bauen Kapazitäten in der E-Mobilität auf, ohne bei herkömmlichen Antrieben abzubauen“, sagt ein BMW-Sprecher. Der Autohersteller, der seit einigen Jahren sogar ein eigenes Werk in Leipzig für seine beiden Elektroautos i3 und i8 betreibt, hat allein in diesem Jahr 2200 Mitarbeiter zusätzlich eingestellt.

          Nach neusten Zahlen des Verbands der Automobilindustrie (VDA) beschäftigten die deutschen Autohersteller und Zulieferer im Juli 812.892 Arbeitnehmer – rund 3 Prozent mehr als im Vorjahresmonat und so viele wie seit 1991 nicht mehr. Was die künftige Entwicklung betrifft, gibt sich der Verband optimistisch.

          „Die Elektromobilität ist, wie die Digitalisierung, Herausforderung und Chance zugleich“, sagt VDA-Präsident Matthias Wissmann. Hersteller wie Zulieferer investieren laut Wissmann in großem Umfang in diese neuen Techniken und bauen Wissen in den Sparten Informationstechnik, Sensoren und Batteriesystemtechnik auf.

          Eigene Batteriefertigung bei VW?

          Wie das aussehen kann, zeigt sich in der Volkswagen-Tochtergesellschaft Audi. Dort schwört Gesamtbetriebsrat Peter Mosch die Mitarbeiter auf eine Weiterbildungsoffensive ein. So belegen schon heute Aggregate-Entwickler Fortbildungskurse für Elektromobilität an der Technischen Hochschule Ingolstadt. Genauso wichtig wird es aus Sicht des Betriebsrats sein, die Belegschaft am Band umzuschulen. Im ungarischen Werk in Györ sind von den 12.000 Mitarbeitern rund die Hälfte im Motorenbau beschäftigt.

          Bisher ist lediglich das Werk in Brüssel für die Produktion des neuen Elektrofahrzeugs „E-Tron“ auserkoren, das 2018 auf den Markt kommen soll. Wenn die Serienfertigung beginnt, sollen dort auch die Batterien produziert werden.

          Die dafür notwendigen Batteriezellen kommen von den koreanischen Lieferanten. Für die Frage der Beschäftigungsentwicklung hängt deshalb auch viel davon ab, ob es künftig eine eigene Batteriefertigung im Volkswagen-Konzern geben wird.

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