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Pläne der Regierung : Chinas Elektro-Quote fordert VW heraus

Benziner, Diesel oder doch zwei Elektroautos? Bild: dapd

In China könnte es bald eine gesetzliche Mindestquote für Elektroautos geben. Die dürfte Volkswagen kurzfristig kaum erfüllen können.

          Müssen Autohersteller in China, dem größten Absatzmarkt der Welt, vom nächsten Jahr an eine Quote für eine Mindestmenge an verkauften Fahrzeugen mit Elektromotor erfüllen? Und wie hoch wird der Anteil sein, den die chinesische Regierung vorschreibt? Über diese Fragen stehe man mit den verschiedenen Ministerien immer noch in Verhandlung, sagte der für China zuständige Vorstand des Volkswagenkonzerns, Jochem Heizmann, am Donnerstag in Peking vor Journalisten: „Auf jeden Fall ist die Elektroquote eine Herausforderung.“

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Im vergangenen Jahr ist Unruhe unter den deutschen Autoherstellern entstanden, nachdem vorläufige Pläne des Pekinger Industrieministeriums bekannt geworden waren, schon ab 2018 für verkaufte Fahrzeuge mit Elektromotor eine gesetzliche Quote von 8 Prozent zu fordern. Da unter den knapp 4 Millionen Fahrzeugen, die der Volkswagen-Konzern im vergangenen Jahr in China an die Kunden ausgeliefert hat, kaum Fahrzeuge mit Elektromotor waren, wäre eine solche Quote für die Wolfsburger in so kurzer Zeit kaum zu erfüllen.

          Die Autohersteller sollen nach den bisherigen Plänen in China je verkauftem Fahrzeug mit reinem Elektromotor oder mit Hybridantrieb „Kreditpunkte“ in unterschiedlicher Höhe sammeln. Erfüllen sie ihre Vorgabe nicht, müssen sie demnach ihre Produktion drosseln oder Kreditpunkte von ihren Wettbewerbern kaufen.

          5 Millionen Elektrofahrzeuge bis 2020?

          Dadurch will die chinesische Regierung offensichtlich erreichen, dass westliche Autobauer neu gegründete chinesische Hersteller von Elektrofahrzeugen quersubventionieren. So soll die staatliche Förderung der chinesischen Elektroautoindustrie sinken, die den Haushalt derzeit mit bis zu umgerechnet 16.000 Euro je Fahrzeug belastet.

          In den Verhandlungen mit Chinas Regierung will Volkswagen erreichen, dass die Autohersteller auch „negative“ Kreditpunkte sammeln dürfen, sollten sie die Quote zu Beginn nicht erfüllen. Geht es nach den Deutschen, dürften die Hersteller dann in späteren Jahren im Fall einer „Übererfüllung“ der Quote diese dann ausgleichen, ohne Strafen hinnehmen zu müssen. Wie realistisch es ist, dass sich Peking auf eine solche Regelung einlässt, dazu wollte VW-Vorstand Heizmann am Donnerstag nicht antworten.

          Von den 23 Millionen Fahrzeugen, die im vergangenen Jahr in China verkauft wurden, hatten gerade einmal rund 1 Prozent einen Elektromotor. Angesichts der extremen Luftverschmutzung und dem Vorhaben, heimischen Herstellern einen größeren Marktanteil zu verschaffen, macht Peking Tempo bei der Abkehr vom Verbrennungsmotor.

          In der Entwicklung will Volkswagen nicht zu sehr zurückfallen. Im Jahr 2020 hat sich der Konzern zum Ziel gesetzt, in China 400.000 Fahrzeuge mit reinem Batteriemotor oder mit Hybridantrieb zu verkaufen. Fünf Jahre später soll die jährliche Absatzzahl bei 1,5 Millionen liegen. Dass in China bis 2020 insgesamt 5 Millionen Elektrofahrzeuge auf den Straßen fahren, wie zuweilen als Regierungsziel genannt wird, hält Heizmann für „schwer zu erreichen“. Das realistische Ziel liege wohl eher bei der Hälfte dieser Summe.

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