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Neue Mobilität : Volkswagen plant die Zukunft

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Der Mann für die Zukunft: Johann Jungwirth, Leiter des Bereichs Digitalisierungsstrategie VW Bild: dpa

Erst der Abgasskandal, dann der Ärger mit einem Zulieferer. Für Volkswagen läuft es alles andere als rund. Ambitionierte Zukunftspläne hat der Konzern trotzdem - gerade in Sachen autonomes Fahren.

          Volkswagen plant für eine Zukunft, in der batteriegetriebene Robotertaxis die Kunden automatisch von zuhause abholen und an ihre gewünschten Ziele bringen. "Es wird Hunderttausende, wenn nicht sogar Millionen von Fahrzeugen geben, die in den Innenstädten dieser Welt Personen und Waren von A nach B transportieren werden", glaubt VWs Digital-Chef Johann Jungwirth.

          Darauf stelle sich Europas größter Autobauer ein. In der nahen Zukunft soll zunächst das Geschäft mit modernen Mobilitätsdiensten wie Chauffeur- und Taxidiensten auf Abruf sowie Carsharing ausgebaut werden. Volkswagen will im nächsten Jahrzehnt einen substanziellen Teil seines Umsatzes auf diesem Feld erzielen. Nach der Beteiligung an dem Uber-Konkurrenten Gett vor wenigen Monaten stellt VW weitere Zukäufe in Aussicht. Namen von Firmen werden jedoch noch nicht genannt.

          Die Aktivitäten stecken in den Kinderschuhen

          Noch stecken die Aktivitäten von VW in den Kinderschuhen. Zentraler Bestandteil der neuen Gesellschaft mit Sitz in Berlin soll Gett sein, an der sich die Niedersachsen jüngst mit 300 Millionen Dollar beteiligt haben.

          Auch an weiteren Kooperationen mit Technologiefirmen sei VW interessiert, sagt Jungwirth. Außerdem soll die Präsenz von VW im Silicon Valley, wo die großen IT-Firmen sitzen ausgeweitet werden. Dort soll ein Zentrum für autonomes Fahren entstehen.

          Bei der Kurzzeitmiete von Autos haben hierzulande Konkurrenten Daimler und BMW die Nase vorn. Weltweit konkurrieren auch die Rivalen Toyota und GM mit VW um die besten Plätze auf dem Feld der Mobilitätsdienste.

          Der von der Abgaskrise erschütterte Autobauer Volkswagen will sich nun an die Spitze der Bewegung setzen. Dazu habe der Konzern mit seinen zwölf Marken die besten Voraussetzungen, meint Jungwirth. "Mit zehn Millionen Fahrzeugen pro Jahr hat man eine Marktmacht."

          Volkswagen will auch vorne dabei sein, wenn spätestens Anfang des nächsten Jahrzehnts die ersten vollautomatisierten Autos auf den Markt kommen. "Ich erwarte in den nächsten drei bis fünf Jahren am Markt die ersten Fahrzeuge", sagt Jungwirth. Jüngst hatte auch der amerikanische Konkurrent Ford für 2021 ein selbstfahrendes Auto angekündigt.

          20 bis 30 Mal leistungsfähiger

          Der Digitalchef geht nicht davon aus, dass Volkswagen wegen diesen Entwicklungen weniger Fahrzeuge verkaufen wird. Dadurch, dass selbstfahrende Wagen ständig im Einsatz seien, müssten diese in kürzerer Folge ausgetauscht werden. Darin stecke ein großes Potential.

          Die Unfälle mit einigen Elektrofahrzeugen von Tesla mit eingeschalteten Autopiloten sieht Volkswagen nicht als Anlass, die eigenen Pläne zu überdenken. "Wir erwarten keine negativen Auswirkungen. Die Menschen verstehen, dass die Fahrzeuge, die heute auf dem Markt sind, nur teilautomatisierte Assistenzsysteme haben.“

          „Das Self-Driving-System, an dem wir arbeiten, ist 20 bis 30 Mal leistungsfähiger." Das System werde über eine künstliche Intelligenz verfügen und durch die Vernetzung mit anderen Fahrzeugen von deren Erfahrungen im Verkehr lernen können.

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