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Elektroauto-Hersteller : Tesla macht weiter hohe Verluste

Mit dem Model 3 will Tesla den Massenmarkt erobern Bild: Reuters

Der Hersteller von Elektroautos bleibt unprofitabel. Mit seinem neuen „Model 3“ sieht er sich aber weiter im Plan – und blickt schon auf das nächste Produkt.

          Der amerikanische Elektroautohersteller Tesla hat mit seinen am Mittwoch nach Börsenschluss vorgelegten Quartalszahlen die Erwartungen von Analysten übertroffen, allerdings abermals einen hohen Verlust ausgewiesen. Die Wall Street zeigte sich davon aber nicht alarmiert, der Aktienkurs legte im nachbörslichen Handel zeitweise sogar um 6 Prozent zu. Die Tesla-Aktie hat seit Jahresbeginn mehr als 50 Prozent an Wert gewonnen. Das Unternehmen hat seine etablierten amerikanischen Wettbewerber General Motors und Ford bei der Marktkapitalisierung überholt, obwohl es nur auf einen Bruchteil von deren Produktionsmengen kommt.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Im abgelaufenen Quartal hat Tesla rund 22.000 Autos ausgeliefert, 53 Prozent mehr als im Vorjahr. Bislang verkauft das Unternehmen nur zwei Produkte, die Limousine „Model S“ und den Geländewagen „Model X“. Das ändert sich jetzt aber, denn in der vergangenen Woche hat Tesla bei einer Veranstaltung die ersten 30 Exemplare seines „Model 3“ ausgeliefert, das weniger als halb so viel kostet wie die bisherigen Autos. Damit hofft Tesla, eine breitere Käuferschicht zu erschließen. Die große Herausforderung für das Unternehmen liegt nun darin, die Produktion für das Model 3 hochzufahren.

          Kaum Schalter und Hebel: Das Cockpit des Model 3

          Dies bereitete Tesla bei bisherigen Fahrzeugen wie dem Model X große Schwierigkeiten. Vorstandsvorsitzender Elon Musk gab in der vergangenen Woche zu, Tesla werde mit dem Model 3 nun „sechs Monate durch die Produktionshölle gehen“. In einem Brief an die Aktionäre schrieb er jetzt aber auch, dass er sich weiter im Zeitplan sieht. Im dritten Quartal wolle Tesla insgesamt 1500 Exemplare des neuen Autos produzieren, bis Ende des Jahres sollen es 5000 je Woche sein.

          1800 Reservierungen pro Tag

          Tesla hat nach eigenen Angaben mehr als 500.000 Vorbestellungen für das Model 3. Seit der Veranstaltung in der vergangenen Woche habe es im Schnitt 1800 weitere Reservierungen am Tag gegeben, teilte das Unternehmen jetzt mit. Wer jetzt bestellt, kann erst Ende 2018 mit dem Auto rechnen. Auch deutsche Kunden müssen sich noch bis mindestens Ende 2018 gedulden, wenn Tesla mit Auslieferungen außerhalb Amerikas beginnen will. Tesla teilte weiter mit, seit der Veranstaltung, hätten auch Bestellungen für das Model S zugenommen. Deshalb sei das Unternehmen zuversichtlich, mit den kombinierten Auslieferungen für das Model S und das Model X im zweiten Halbjahr über dem Wert der ersten sechs Monate zu liegen.

          TESLA INC. DL -,001

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          Das Unternehmen blickt derweil schon auf das kommende neue Produkt. In dem Brief hieß es, Tesla freue sich auf die Enthüllung eines Lastwagens, „den nächsten aufregenden Neuzugang in unserem Portfolio“. Musk hat schon vor einigen Monaten gesagt, dass er im September einen solchen Lastwagen präsentieren will. Er hat auch schon im vergangenen Jahr einen Plan vorgestellt, aus dem hervorging, dass Tesla auch an ganz anderen Produkten wie Passagierfahrzeugen arbeitet, darunter Lastwagen und Busse.

          Insgesamt hat Tesla im vergangenen Quartal seinen Umsatz auf 2,7 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt. Dafür stieg auch der Verlust von 293 Millionen auf 336 Millionen Dollar an. Der Verlust je Aktie von 1,33 Dollar lag aber unter den von Analysten im Schnitt erwarteten 1,82 Dollar.

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