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Taxi-Konkurrent : Uber macht?

Uber-Kunden brauchen Geduld: „Es dauert bestimmt länger, aber ich bin unterwegs. Bitte stornieren Sie nicht.“ Bild: Waldner, Amadeus

Der amerikanische Fahrdienst Uber ist in Deutschland noch klein – und sorgt mit seinem aggressiven Auftreten doch für viel Wirbel. Wie gefährlich kann er den Taxis einmal werden? Ein Blick ins Heimatland Amerika lässt es erahnen.

          Sonntag Nachmittag im New Yorker Stadtteil Brooklyn, weit weg von der nächsten U-Bahn-Station, kein Taxi in Sicht. Zum Glück gibt es den Fahrdienst Uber. Ein Blick auf das Smartphone zeigt, dass reichlich Uber-Autos in der Nähe sind. Es gibt die Auswahl zwischen schwarzen Limousinen und der billigeren Variante UberX, die vergleichbar ist mit Uber Pop in Deutschland. Aber beim Bestellen kehrt schnell Ernüchterung ein, denn Uber hat wieder einmal auf „Surge Pricing“ umgestellt. Dabei werden Preise wegen großer Nachfrage um einen bestimmten Faktor angehoben, in diesem Fall 1,75. Plötzlich kommt doch ein Taxi vorbei, also wird das Uber-Auto schnell abbestellt. Der Fahrer dürfte fluchen.

          Britta Beeger

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Szenenwechsel nach Frankfurt. Wer hier mit Uber fahren will, braucht Geduld. Im Gallusviertel ist gerade Mittags kein Auto unterwegs, also kommt der Fahrer extra aus dem Norden der Stadt. Die Smartphone-App verspricht seine Ankunft in acht Minuten, doch er ruft gleich an: „Es dauert bestimmt länger, aber ich bin unterwegs. Bitte stornieren Sie nicht.“ Nach 22 Minuten biegt er schließlich um die Ecke. Etwas mehr als drei Kilometer lang ist die Fahrt zur Frankfurter Goethe-Universität. Der Fahrer ist bester Laune und erzählt von den teuren Wünschen seiner Tochter, derentwegen er überhaupt für Uber unterwegs ist. Doch diese Fahrt dürfte sich für ihn wegen der langen Anfahrt kaum gelohnt haben: Acht Euro werden am Ende fällig, 20 Prozent Provision gehen an Uber. Auch der Fahrer wundert sich: „War denn wirklich kein anderes Auto in der Nähe verfügbar?“

          Um kaum einen anderen Vertreter der amerikanischen Technologiebranche gibt es derzeit so viel Wirbel wie um Uber. „Taxischreck“ wird das Unternehmen aus San Francisco genannt, was sein angriffslustiger Mitgründer und Vorstandsvorsitzender Travis Kalanick sicher als Ehrung versteht, denn es zeigt, dass er einer ganzen Branche Angst einjagt. Uber steht an der Spitze einer breiteren Bewegung von Unternehmen, die traditionelle Geschäftsmodelle aus den Angeln heben, so wie es auch der Zimmervermittlungsdienst Airbnb in der Tourismusindustrie tut. Sowohl Uber als auch Airbnb wurden in diesem Jahr mit einem zweistelligen Milliarden-Dollar-Betrag bewertet, als sie Geld von Investoren einsammelten.

          Taxibetriebe werden nirgends komplett verdrängt

          Was Uber anrichten kann, lässt sich eindrucksvoll in der Heimatstadt des Unternehmens nachvollziehen. Die Verkehrsbehörde in San Francisco meldete unlängst, dass die Taxis der Stadt zuletzt 65 Prozent weniger Fahrten im Monat hatten als noch vor zwei Jahren, und führte dies auf Uber und konkurrierende Dienste wie Lyft zurück. Das heißt aber keineswegs, dass Uber eine Stadt nach der anderen im Handstreich erobert und die etablierten Taxibetriebe überall an die Wand drängt. Vielerorts behaupten sich Taxis neben Uber bisher noch gut. New York etwa wird zwar für Uber zu einem immer wichtigeren Markt, aber auch das Geschäft der Taxis ist stabil geblieben. New Yorker sind zumindest im zentralen Stadtteil Manhattan recht gut mit Taxis versorgt und somit womöglich nicht so dringend auf Alternativen angewiesen.

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