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E-Autos : Die Tankrechnung per Smartphone bezahlen

  • -Aktualisiert am

Bisher sind die Betreiber der Ladesäulen nicht dazu verpflichtet, Kunden ohne eine längerfristige Bindung Fahrstrom zu verkaufen. Bild: dpa

Die Bundesregierung will einen bundesweit einheitlichen Zugang zu Ladesäulen für alle E-Autos erzwingen. Dabei sollen Smartphones eine wichtige Rolle spielen.

          Besitzer von Elektroautos sollen künftig einfacher die Batterien ihrer Fahrzeuge auftanken und die Rechnung dann per Smartphone begleichen können. Sie sollen dafür jede im öffentlichen Raum aufgestellte Ladesäule nutzen dürfen, auch wenn sie vorher mit dem Betreiber der Stromzapfsäule keinen dauerhaften Liefervertrag eingegangen sind. Das sieht eine neue Verordnung des Wirtschaftsministeriums vor.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Die von der EU angestoßenen Vorgaben sollen möglichst bald in Kraft treten – allerdings müssen Bundeskabinett und Bundesrat noch zustimmen. Nicht zuletzt soll auf die Weise die Lade-Infrastruktur nutzerfreundlicher werden. Dies und vor allem fehlende Ladesäulen gelten wegen der mangelnden Reichweite der Batterieautos (und neben ihren hohen Anschaffungskosten) als große Hindernisse auf dem Weg zu einer Million klimafreundlicher E-Autos bis zum Jahr 2020 auf deutschen Straßen.

          Mit der Verordnung will die Bundesregierung sicherstellen, dass der Fahrer eines Elektroautos die Batterien seines Wagens überall „punktuell“ aufladen kann. Der Nutzer müsse „laden können, ohne dass mit dem Ladepunktbetreiber ein langfristiger Vertrag bestehen muss“.

          Letzteres sei aber heute in der Regel der Fall. Meist bestehe ein Vertrag mit dem Elektrizitätsanbieter, bei dem der Fahrer auch den Strom für seine Wohnung beziehe. Der Kunde bekomme für sein E-Auto dann eine Plastikkarte mit integriertem Transponder. Der schaltet die Ladesäule dann frei.

          Einheitliche Authentifizierung

          Diese RFID-Technik wird zum Beispiel auch von Hotels als Zimmerschlüssel verwendet. Allerdings unterschieden sich die Karten je nach Betreiber oder Kommune. So kann es passieren, dass der Fahrer eines Elektroautos zwar eine Ladesäule findet, diese aber nicht nutzen kann.

          Bisher sind die Betreiber der Ladesäulen auch nicht dazu verpflichtet, Kunden ohne eine längerfristige Bindung Fahrstrom zu verkaufen. Nachdem die Stecker für die Autos schon normiert sind, geht es nun also darum, den allgemeinen Zugang auch durchzusetzen.

          Vor allem bei elektrisch abgewickelten Käufen kommt es darauf an, dass der Zahler sich ausweist. Eine einfache, bundesweit einheitlich geltende Form der Authentifizierung an öffentlichen Ladepunkten gebe es bislang nicht, beklagt das Ministerium. „Dadurch wird eine ungehinderte kommunen- und länderübergreifende Nutzung von Elektromobilität erschwert beziehungsweise ausgeschlossen.“

          QR-Code auf der Ladesäule

          Unkompliziert ist die Bezahlung insofern nur dort, wo der Kunde die Rechnung bar an der Kasse oder am Automaten begleicht, etwa am Parkautomaten. Für die Bezahlung mit einer Karte bedarf es eines Lesegerätes mit Authentifizierung, etwa durch einen Pin-Code.

          Ausdrücklich erwähnt die Verordnung nun webbasierte Systeme. Der Zugang könne in Form einer App oder einer mobilen Website für Smartphones ermöglicht werden. Man könne zum Beispiel „über einen auf der Ladesäule aufgebrachten QR-Code allen Nutzern einen leicht erreichbaren und komfortablen Zugang ermöglichen“. Der ganze Prozess könnte per Smartphone abgewickelt werden.

          Verbraucherfreundlich soll auch die Vorgabe sein, dass für die Nutzung des webbasierten Bezahlsystems „den Fahrzeugnutzern keine gesonderten Kosten für die Einräumung der Zahlungsmöglichkeit mittels der App in Rechnung gestellt werden“.

          „Enorm wichtig für die Akzeptanz“

          Insbesondere müsse eine App kostenlos angeboten werden, sofern es alternativ keine kostenlos erreichbare Website gebe. Auch solle das über das webbasierte System zur Auswahl angegebene Zahlungsmittel ein gängiges sein. Genannt werden Kreditkarten, gängige Online-Bezahldienste wie PayPal, Giropay, Paydirect und Sofortüberweisung.

          Die Strombranche lobt den Vorschlag. Damit würden „weitere Weichen für die Zukunft des Gesamtsystems Elektromobilität“ gestellt, sagte der Chef des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Stefan Kapferer. Spontanes Nachladen des Fahrzeugs außerhalb des Geschäftsgebietes des Stammversorgers werde einfacher.

          „Dieser kundenfreundliche Zugang vereinfacht die Abrechnung für den einzelnen Ladevorgang und ist für die Akzeptanz bei den Fahrern enorm wichtig.“ Das ist eine wesentliche Grundlage für die weitere Verbreitung von klimafreundlicher Mobilität in Deutschland.

          300 Millionen für E-Mobilität

          Tatsächlich ist es um deren Verbreitung nicht so gut bestellt, wie die Regierung sich das wünscht. Am Jahresanfang waren 25.500 reine „Elektroautos“ sowie 19.000 Hybrid-Autos auf deutschen Straßen unterwegs. Auch die von der Regierung zum Anschub ausgelosten Prämien von bis zu 4000 Euro je Auto werden nur zögernd nachgefragt.

          Für die rückwirkend per Mitte Mai gewährte Hilfe hat das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle nur um die 1200 Anträge erhalten. Der Bund kalkuliert mit einer Förderung von 300.000 E-Autos.

          Die Prämie ist Teil des im Mai beschlossenen Förderprogramms E-Mobilität. Dazu gehört auch der Aufbau einer Lade-Infrastruktur mit bundesweit 15.000 Säulen. Bis 2020 gibt der Bund dafür 300 Millionen Euro aus. Zwei Drittel davon sind für Schnellladesäulen vorgesehen, etwa an Tankstellen und Autohöfen neben Autobahnen, Einkaufs- und Sportzentren, Carsharing-Stationen oder Bahnhöfen und Flughäfen. Laut BDEW waren Ende vorigen Jahres bundesweit 2567 Ladestationen mit 5836 Ladepunkten in Betrieb.

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