https://www.faz.net/-gqe-8llr6

Neue Mobilität : Obama will das Potential selbstfahrender Autos nutzen

Ein autonom fahrendes Auto von Uber im Test in Pittsburgh. Bild: AFP

Die amerikanische Regierung veröffentlicht Richtlinien für Hersteller von Roboterfahrzeugen. Von einem deutschen Autobauer kommt derweil eine mahnende Stimme.

          3 Min.

          Autonomes Fahren wird auf Amerikas Straßen mehr und mehr zur Realität. Der Bundesstaat Kalifornien zum Beispiel hat fast einem Dutzend Unternehmen erlaubt, selbstfahrende Autos zu testen, darunter Google, Ford und Daimler. In der Stadt Pittsburgh sind seit vergangener Woche Roboterautos des Fahrdienstes Uber im Einsatz.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Freilich hat ein tödlicher Unfall mit einem Modell des Elektroautoherstellers Tesla vor wenigen Monaten auch Sicherheitsrisiken autonomer Systeme beleuchtet. Auch Regulierungsfragen sind eine Hürde, denn die Branche sieht sich bislang einer Vielzahl von Vorschriften einzelner Bundesstaaten gegenüber.

          Jetzt greift die Regierung in Washington ein. Präsident Barack Obama hat ein klares Bekenntnis zu autonomen Systemen abgegeben, und das Verkehrsministerium hat Richtlinien für Autohersteller bei der Entwicklung von Roboterfahrzeugen veröffentlicht. Das Ministerium hat dabei Autorität für die Regulierung selbstfahrender Autos für sich reklamiert und einen Rahmen dafür geschaffen, wie es sich die Verantwortung mit den Bundesstaaten teilen will. Es handelt sich vorerst nicht um verbindliche Vorgaben, sondern um freiwillige Richtlinien.

          Für Autohersteller hat das Ministerium eine Art Checkliste entworfen. Unternehmen werden aufgefordert, Angaben über die Funktionsweise ihrer autonomen Systeme mit Blick auf 15 verschiedene Fragestellungen zu machen. Dazu gehört, wie die Technologien getestet werden, was im Falle ihres Versagens geschieht, was nach einem Unfall passiert oder wie Datenschutz gewährleistet wird. Auch ethische Erwägungen sollen erklärt werden, also zum Beispiel, wie ein Auto mit Blick auf Situationen programmiert wird, in denen ein Unfall unausweichlich ist, aber zu entscheiden ist, in welche Richtung sich das Fahrzeug bewegt und auf welches Hindernis es stößt.

          Regierung sieht großes Potenzial in automatisierten Fahrzeugen

          Die Richtlinien sind dazu gedacht, Sicherheitsrisiken zu minimieren und einen verlässlichen Rahmen von Vorschriften zu schaffen, aber auch Flexibilität zu erlauben und eine Überregulierung eines Gebiets zu vermeiden, das derzeit rapide technische Fortschritte macht. Die Regierung lässt dabei keinen Zweifel daran, dass sie grundsätzlich ein erhebliches Potential im autonomen Fahren sieht und die Technologie fördern will. „Automatisierte Fahrzeuge haben das Potential, jedes Jahr Zehntausende von Leben zu retten“, schreibt Obama in einem Gastbeitrag für die Zeitung „Pittsburgh Post-Gazette“.

          Solche Autos hätten auch das Zeug dazu, das Leben von Senioren und von Menschen mit Behinderung zu verändern, die nicht in der Lage seien, selbst zu fahren. Sie könnten außerdem dabei helfen, Stauungen zu vermeiden und die Luftverschmutzung zu reduzieren. Umso wichtiger sei es aber, ein Regelwerk zu schaffen. „Amerikaner sollten wissen können, dass sie heute sicher sind, während wir die Technologien von morgen entwickeln und einsetzen.“ Obama hat im Januar schon angekündigt, dass die Regierung innerhalb der nächsten zehn Jahre vier Milliarden Dollar für Forschung und Entwicklung rund um autonomes Fahren ausgeben will.

          Erklärvideo : Wie funktionieren selbstfahrende Autos?

          Audi warnt vor mangelnder Kontrolle bei aktivierter Autopilot-Funktion

          Fast gleichzeitig mit der neuen Initiative der Regierung kam eine mahnende Stimme aus der Autoindustrie, ausgerechnet vom deutschen Hersteller Audi, der selbst auf dem Gebiet sehr aktiv ist. Dessen Amerika-Chef Scott Keogh schrieb in einem Gastbeitrag für das „Wall Street Journal“: „Wir müssen der Versuchung widerstehen, zu übertreiben, und wir müssen ehrlich bleiben, wo die Grenzen der Technologie liegen.“ Autohersteller würden die gegenwärtigen Systeme übermäßig anpreisen und verfrüht suggerieren, dass Autos mit Funktionen für automatisiertes Fahren sich tatsächlich selbst steuern können.

          Der Beitrag las sich nach einem Seitenhieb auf den Wettbewerber Tesla, der wegen seiner sogenannten „Autopilot“-Funktion nach einem tödlichen Unfall in die Kritik geraten ist. Der Fahrer eines „Model S“ von Tesla starb, nachdem das Auto auf einen Lastzug geprallt war. Er hatte den Autopiloten aktiviert, und offenbar haben weder er noch das System den Lastzug registriert. Erst in der vergangenen Woche wurde ein weiterer tödlicher Unfall in China bekannt, bei dem der Autopilot ebenfalls eine Rolle gespielt haben könnte.

          Tesla mahnt seine Kunden zwar, auch bei Aktivierung des Autopiloten die Kontrolle über das Auto zu behalten und die Hände am Steuer zu lassen. Kritiker meinen allerdings, aller solcher Warnungen zum Trotz verführe die Technologie Fahrer dazu, sich in falscher Sicherheit zu wiegen. Der Audi-Manager schrieb, vom Verhalten der Branche werde es abhängen, ob Verbraucher autonome Fahrsysteme akzeptieren. Umfragen zeigten, dass viele Amerikaner bislang der Meinung seien, selbstfahrende Autos würden den Straßenverkehr weniger sicher machen.

          Weitere Themen

          Alle wichtigen Fakten zum BER Video-Seite öffnen

          Langer Anlauf, lange Eröffnung : Alle wichtigen Fakten zum BER

          Die Eröffnung wurde immer wieder verschoben, und die Kosten explodierten – der neue Berliner Flughafen sorgte über Jahre für Negativschlagzeilen. Mit neun Jahren Verspätung geht der Flughafen „Willy Brandt“ vor den Toren der Hauptstadt nun in Betrieb.

          Topmeldungen

          Eine Frau mit einer Packung Eier – im Hintergrund das Kapitol in Havanna

          Corona-Krise auf Kuba : Schlimmer als die Pandemie

          In Kuba setzt die Regierung strenge Maßnahmen gegen Corona ein. Noch härter als die Pandemie trifft die Menschen jedoch die Lebensmittelkrise. Das Land schlittert in eine immer schwierigere Situation.
          Wahlkämpferisch: Donald und Melania Trump am Freitag bei einer Veranstaltung in Tampa, Florida.

          Wahl in Amerika : Gespaltene Staaten

          Aus dem zivilisierten Wettstreit um die politische Macht zwischen Rot und Blau ist in den Vereinigten Staaten ein radikaler Kampf um alles oder nichts geworden; das liegt nicht nur an Donald Trump. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.