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Carsharing : Opel teilt die Autos seiner Kunden

  • Aktualisiert am

Zur Vorstellung seines Car-Sharing-Dienstes hat Opel ein Auto mit einem Aufkleber verziert. Bild: dpa

Viele Autohersteller sind bereits ins Carsharing eingestiegen. Jetzt startet Opel mit einem eigenen Angebot – das sich in einem entscheidenden Punkt von der Konkurrenz abhebt.

          Die meisten Autobesitzer haben wahrscheinlich schon mal mit schlechtem Gewissen daran gedacht, wie viel Zeit ihr Wagen steht und nicht fährt. Opel will jetzt Abhilfe schaffen. Mit einer App des Autoherstellers können Nutzer ab sofort ihr eigenes Auto anderen Menschen zur Verfügung stellen.

          Das Konzept ist nicht ganz neu: Anbieter wie Tamyca oder das französische Unternehmen Drivy, das kürzlich den deutschen Anbieter Autonetzer übernommen hatte, ermöglichen Fahrzeugbesitzern, ihren Wagen anderen anzubieten. Der amerikanische Hersteller Ford kündigte jüngst eine Kooperation mit Online-Plattformen wie Getaround in den USA an, die ein ähnliches Konzept verfolgen.

          Doch die meisten Autohersteller, die Carsharing anbieten, nutzen das Modell zur Vermarktung ihrer Autos. Daimler bringt auf diese Weise seinen Smart auf die Straße. BMW verleiht bislang Mini, 1er BMW und demnächst das Vorzeige-Elektroauto i3. Volkswagen testet derzeit Carsharing-Konzepte in mehreren Projekten wie zum Beispiel Quicar mit dem Golf in Hannover.

          Die App von Opel ist dagegen nicht nur an die eigene Marke gekoppelt. Zwar sind auch Opel-Händler und -Mitarbeiter eingebunden, aber auch Fahrzeuge anderer Hersteller können vermittelt werden.

          Opel spart mit seinem Ansatz viel Geld

          „Opel macht etwas anderes. Das ist ein interessanter neuer Ansatz“, sagt Peter Fuß von der Wirtschaftsberatung Ernst & Young. Im Augenblick überlege jeder Hersteller, wie er vom Trend zum Carsharing und neuen Mobilitätsideen partizipieren könne.

          Der Vorteil für Opel dürfte sein, dass das Angebot erst einmal wenig Einsatz erfordert. Insbesondere die sogenannten Freefloating-Angebote, bei denen Autos überall in einem bestimmten Gebiet abgestellt werden können, kosten die Anbieter anfangs viel Geld. Bevor überhaupt klar ist, wie viele Nutzer es gibt, müssen die Anbieter schon Fahrzeuge zur Verfügung stellen. BMW war mit DriveNow seit vergangenem Jahr zumindest in Deutschland profitabel. Daimler ist das mit car2go bislang nur in einzelnen Städten gelungen.

          Das System müsse sich erst einpendeln, erklärt ein Sprecher des Bundesverbands Carsharing. Die stationsgebundenen Anbieter, die in Deutschland immer noch die große Mehrheit stellen, müssen dagegen von Beginn an profitabel sein.

          Trotz der wachsenden Zahl von Angeboten sei der Markt aber noch nicht übersättigt. „Wir sind überzeugt, dass wir noch große Potenziale haben“, sagte der Sprecher des Carsharing-Verbands. Auch unabhängige Prognosen zeigen nach oben: Die Strategieberatung Roland Berger ging im vergangenen Jahr davon aus, dass der weltweite Markt für gemeinsam genutzte Fahrzeuge bis 2020 noch um jährlich bis zu 35 Prozent wachsen wird. TÜV Rheinland und die Kölner Beratungsgesellschaft BBE Automotive kamen in einer Anfang des Jahres veröffentlichten Studie zu dem Schluss, dass nicht alle Autofahrer ihren Wagen verschrotten werden, Carsharing aber fester Bestandteil der Mobilität werden wird. Die Zahl der Nutzer könnte sich demnach bis 2020 in Deutschland verdreifachen - auf drei Millionen.

          Genau darauf setzen Angebote wie Daimlers App Moovel. Sie vermittelt Wege: Egal ob mit dem Auto, der Bahn, Taxi oder Daimlers eigenem Carsharing-Angebot. „Es geht um Kundenkontakte“, erklärt Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. „Opel findet mit dem Angebot den Einstieg mit Mobilitätsdienstleistungen“, sagt er. Seiner Einschätzung nach kann das Hauptaugenmerk aber nicht darauf liegen, fremde Autos zu vermitteln. „Es muss darum gehen, die eigenen Fahrzeuge zu vermarkten.“

          Auf eines sollten sich Autobesitzer, die ihr bestes Stück fremden Fahrern überlassen, ohnehin nicht verlassen. Opel bietet zwar, genau wie andere Plattformen, einen zusätzlichen Versicherungsschutz an. Trotzdem sollten sich Autobesitzer vorher bei ihrer Versicherung erkundigen, ob es Probleme geben könnte, rät ADAC-Jurist Markus Schäpe. Denn es ist nicht vorauszusetzen, dass andere Autofahrer ebenso sorgsam mit dem eigenen Wagen umgehen wie man selbst.

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