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Kommentar : Warum mag die Börse Teslas Elektroautos?

  • -Aktualisiert am

Ein Tesla tankt in Stuttgart. Bild: dpa

Tesla ist jetzt mehr wert als alle anderen amerikanischen Autokonzerne. Spielt die Börse mal wieder verrückt?

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          Am Montag der vergangenen Woche kam es an Amerikas Aktienmarkt zu einem außergewöhnlichen Ereignis. Tesla, ein Hersteller von Elektroautos, kam mit 51 Milliarden Dollar erstmals auf einen höheren Börsenwert als alle anderen amerikanischen Autokonzerne. Freunde des Elektroautos sprechen von einer historischen Wachablösung: Das Zeitalter des traditionellen Automobils, einst in Amerika eingeläutet durch Henry Fords legendäres Model T, stehe vor dem Ende. Bei allen anderen dagegen ist die Verwunderung groß: Kann es sein, dass die Börse einfach nur wieder mal verrückt spielt?

          Den Eindruck kann man zumindest bekommen, wenn man nüchtern ein paar Zahlen vergleicht. Ford und General Motors haben 2016 beide jeweils mehr als sechs Millionen Autos verkauft, Tesla dagegen kam gerade einmal auf 76.000 Fahrzeuge. Ford und General Motors haben beide mehrere Milliarden Dollar Gewinn gemacht, Tesla dagegen musste einen Verlust von mehr als 600 Millionen Dollar verbuchen. Selbst Elon Musk, der charismatische Tesla-Gründer, twitterte daraufhin: Die Tesla-Aktie sei extrem hoch bewertet, wenn man die Vergangenheit als Maßstab heranziehe.

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          Damit zielt Musk auf den alten Anleger-Spruch, dass an der Börse die Zukunft gehandelt werde. Abseits von dieser reichlich generellen Aussage ist aber festzustellen: Der Wert, den die Anleger Tesla zubilligen, mag hoch sein – aber völlig von allen guten Geistern verlassen sind sie nicht. Denn die Börse hat sich entschieden, Tesla als ein waschechtes Silicon-Valley-Unternehmen zu betrachten. In der Tat weist Tesla einige charakteristische Merkmale auf. Die Firma hat in vielerlei Hinsicht das getan, was unter dem Schlagwort „Disruption“ in Mode ist: Man hat die Forschung im Bereich Elektroautos vorangetrieben, man hat den Fahrzeugvertrieb in Amerika durch den Direktverkauf an den Konsumenten revolutioniert.

          Allerdings ist Tesla nicht Facebook. Wenn ein soziales Netzwerk einmal steht, steigen die Kosten kaum – egal, ob dieses nun eine Million oder eine Milliarde Menschen benutzen. Bei Autos fällt dieser Effekt wesentlich geringer aus: Jedes zusätzliche Modell erfordert einen ähnlichen Einsatz von Arbeitskraft und Rohstoffen. Ob Tesla solch gewaltige Investitionen tatsächlich stemmen kann, bleibt eine Wette mit ungewissem Ausgang. Die Meinung der Börse aber steht schon fest: Sie glaubt daran.

          Dennis Kremer
          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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