https://www.faz.net/-gqe-90dfy

Dieselgipfel : Allenfalls ein Erste-Hilfe-Paket

Bild: Greser & Lenz

Die Autohersteller sind sich der ernsten Lage allmählich bewusst. Doch das, was sie angeboten haben, ist wenig. Ob der Diesel eine Zukunft hat, entscheiden jetzt die Kunden. Ein Kommentar.

          Auf die Autokunden kommt es an. Wie sehr das Ansehen des Dieselmotors und das Vertrauen in die Werthaltigkeit und Klimaverträglichkeit der Fahrzeuge durch die illegalen und legalen Manipulationen der Abgaswerte gelitten haben, bestätigen neue Absatzzahlen pünktlich zum Rettungsgipfel in Berlin. Der Marktanteil des Diesels liegt bei den Neuzulassungen hierzulande nur noch bei gut 40 Prozent, das sind sieben Punkte weniger als vor einem Jahr. Kein Wunder, solange die Halter Fahrverbote fürchten müssen.

          Heike Göbel

          Verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik, zuständig für „Die Ordnung der Wirtschaft“.

          Der ernsten Lage sind sich die Autohersteller allmählich bewusst geworden. Auch in der Politik vermehrt sich die Erkenntnis, dass niemandem gedient ist, wenn die führende deutsche Branche durch überzogene Vorgaben ins Hintertreffen gerät. Klima- und Gesundheitsschutz kosten viel Geld, das erst einmal erwirtschaftet werden muss.

          Doch das, was die Autoindustrie am Mittwoch angeboten hat, ist allenfalls ein Erste-Hilfe-Paket. Die Konzerne wollen „freiwillig“ und für die Halter kostenlos den Stickoxidausstoß der jüngeren und jüngsten Dieselgeneration durch ein Softwareupdate um ein Viertel senken, um die Luftqualität zu verbessern. Mehr als fünf Millionen Autos könnten damit auf ein „deutlich verbessertes Emissionsniveau“ gebracht werden, verheißt die Branche.

          Zudem wollen die Unternehmen den Besitzern älterer Dieselfahrzeuge Umstiegsprämien in vier- oder fünfstelliger Höhe zahlen. Die erheblichen Kosten könnte die Industrie dank hoher Gewinne verkraften, zumal wenn es ihr mit dieser Investition in die Kunden und den guten Willen der Politik gelänge, die Dieseltechnologie so lange zu halten, bis der Übergang auf Antriebe der Zukunft geschafft ist.

          Dass dies gelingt, muss man leider bezweifeln. Es kommt, wie gesagt, auf den Kunden an. Die Kosten der Unternehmen sind ihm gleichgültig, er macht seine eigene Rechnung auf. Die beginnt und endet fast auch schon mit der Frage, ob er mit dem Auto, das er kauft oder unter Inkaufnahme von Unbequemlichkeit nachrüsten lässt, tatsächlich weiter freie Fahrt in den Innenstädten hat. Ins Kalkül zieht er auch den Wiederverkaufswert, der nicht nur von freier Fahrt abhängt, sondern von den generellen Zukunftsaussichten, die der Technologie noch gegeben werden. Garantien bekommt der Kunde hierfür nicht. Der Diesel-Verfall sollte Politik und Wirtschaft mahnen, nicht auch noch das Vertrauen in den Benziner zu untergraben.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Offizieller Wahlkampfauftakt : Groß, größer, Trump

          Donald Trump wird im Wahlkampf 2020 auf volle Lautstärke drehen und seine Bilanz in die Waagschale werfen. Es bleibt aber abzuwarten, ob dazu auch ein Krieg am Golf gehört.

          Amerikanische Staatsanleihen : China verkauft im großen Stil

          China war jahrelang der größte Abnehmer amerikanischer Staatsanleihen. Doch der Bestand ist auf das niedrigste Niveau seit zwei Jahren gesunken. Das löst Befürchtungen über eine neuerliche Eskalation im Handelskonflikt aus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.