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Ofo, Mobike & Co. : Die China-Räder kommen

Die Fahrräder zum Ausleihen stehen in Beijing gefühlt an jeder Ecke, hier vom Anbieter Ofo. Bild: Reuters

Im Reich der Mitte finden sich bereits jetzt bunte Leihfahrräder an jeder Ecke. Jetzt sollen sie auch den Rest der Welt erobern.

          Das Fahrgefühl erinnert an das „Puky“-Dreirad aus Kindertagen, die elektronische Entriegelung hakt und meist ist einer der Reifen gerade platt: zu sagen, die Meinungen über die Millionen Leihfahrräder in den chinesischen Innenstädten seien geteilt, wäre ein Euphemismus.  

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          In Gelb, Orange, Grün, Blau und mindestens vier weiteren signalgrellen Farben stehen die Räder seit gut einem Jahr in den urbanen Zentren des Reichs der Mitte an gefühlt jeder Ecke. Meist kosten sie nur ein paar Cent in der Minute, geliehen werden sie per Smartphone. Doch ihre rasant wachsende Popularität in sämtlichen Altersschichten der chinesischen Transportgesellschaft erklärt vor allem ein Vorteil: die bunten Gefährte können just dort abgestellt und wieder verriegelt werden, wo ihr Fahrer gerade abzusteigen wünscht.

          Wie die Anbieter Ofo, Mobike und rund ein Dutzend weitere später einmal mit den Billigrädern Geld verdienen wollen, ist bisher nicht geklärt. Für die Wagniskapitalgeber rund um die Welt scheint diese Frage allerdings zweitrangig zu sein: vergangenen Monat sammelte Mobike wieder einmal in einer neuen Finanzierungsrunde 600 Millionen Dollar von seinen Investoren ein, was den Wert des Fahrradverleihers auf sagenhafte 3 Milliarden Dollar katapultiert hat. Wichtige Teilhaber an Mobike sind der chinesische Internetkonzern Tencent, der vor allem durch seine allgegenwärtige Smartphone-App Wechat bekannt ist, die mittlerweile 700 Millionen Nutzer hat. Auch die kalifornischen Wagniskapitalgeber von Sequoia sind mit an Bord.

          Chinesische Fahrradverleiher nehmen Kurs aufs Ausland

          Nun vermeldet Konkurrent Ofo, der Anbieter mit den quietschgelben Rädern, seinerseits einen neuen Geldregen: 700 Millionen Dollar hat das Unternehmen in seiner jüngsten Finanzierungsrunde erhalten. Unter anderem von Chinas bekanntestem Unternehmen, dem Internethandelshaus Alibaba aus dem südchinesischen Hangzhou. Zuvor hatte sich unter anderem bereits Didi Chuxing an Ofo beteiligt, dem einstigen China-Rivalen des Fahrdienstleisters Uber, der die Amerikaner vom potentiell größten Markt der Welt verdrängt hat. Heute wird Ofo von seinen Investoren auf 2 Milliarden Dollar Wert taxiert.

          Längst nehmen die chinesischen Fahrradverleiher mit den Milliarden-Dollar-Bewertungen Kurs auf das Ausland. In 20 Ländern wolle man die Räder bis zum Ende des laufenden Jahres anbieten, hat Ofo angekündigt. Rund um den Erdball sollen dann 20 Millionen der gelben Billigräder zum Leihen verfügbar sein. Zum gegenwärtigen Stand belaufe sich die Zahl der Räder auf nur 6,5 Millionen, teilt Ofo mit. Zu finden sind diese bisher in 150 Städten, die bis auf wenige Ausnahmen alle in China liegen.

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