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Immer mehr LKW : Chaos auf der Autobahn

Die Bundesregierung hatte versprochen, die Kapazitäten in der laufenden Legislaturperiode bedeutend auszubauen, und zwar um 6000 neue Parkplätze. Dieses Ziel werde erreicht, teilt das Ministerium in Berlin mit. Damit würden zum Ende dieses Jahres bundesweit rund 49.000 Lkw-Parkmöglichkeiten zur Verfügung stehen. 500 Millionen Euro sind laut Regierung dann in den Bau von Rastanlagen geflossen, in diesem Jahr allein 130 Millionen Euro. Aber die Regierung kommt nicht dagegen an, dass die Lastermassen unaufhörlich steigen. Die Zielmarken für die neuen Parkplätze seien zu tief gesetzt worden, beschwert sich deshalb die Logistikbranche. Die Zahlen aus Berlin und ein Blick auf die Straßen bestätigen das, die Parkplatznot wird immer größer. In manchen Behörden hört man fast so etwas wie Resignation: "Wir kommen mit dem Bau neuer Parkplätze nicht hinterher", sagt die Sprecherin des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr in Sachsen.

Auch Kriminalität wird zum Problem

Derweil reichen die Probleme auf deutschen Autobahnen noch weiter: Tausende Überfälle auf Lastwagen sorgen jährlich für Milliardenschäden. Die Banden kommen aus der organisierten Kriminalität. Sie tummeln sich überall im Land. Mehr als jeder neunte Fall in Europa fällt auf Deutschland, rechnet der internationale Interessenverband Tapa im Jahresbericht für seine Mitglieder vor. "Deutschland und Großbritannien sind in Europa die führenden Nationen im Transportdiebstahl", sagt Tapa-Europachef Thorsten Neumann. Ein unrühmlicher Spitzenplatz. Auf 1,2 Milliarden Euro beziffert er den Wert der Waren, die jedes Jahr in Deutschland erbeutet werden. "Der wirkliche volkswirtschaftliche Schaden liegt fünf- bis achtmal so hoch." Damit meint er indirekte Effekte wie beispielsweise den, dass der Frachtdiebstahl die Lieferketten stört und in Zeiten der "Just in time"-Strategien Lieferausfälle verursachen kann. Im Verband Tapa (Transported Asset Protection Association) haben sich Hunderte Unternehmen zusammengeschlossen, von Industrieunternehmen über Spediteure bis zu Versicherern.

Offensichtlich wird der große Autobahn-Klau von der organisierten Kriminalität vornehmlich aus Osteuropa gesteuert und funktioniert grenzüberschreitend. Das bestätigen die Polizei und das Bundesamt für Güterverkehr (BAG). Die Diebe stehlen nicht nur die Fracht, sondern oft auch Treibstoff und manchmal gleich den ganzen Laster. Letzteres passierte im Jahre 2015 nach BAG-Angaben 1605 Mal - also im Schnitt vier- bis fünfmal am Tag. Häufiger haben es die Banden aber nur auf die Fracht abgesehen: Eine Fallzahl im "hohen vierstelligen Bereich" meldet die Behörde.

Die Täter schlitzen die Planen auf oder entwenden die Ladung anderweitig. Besonders beliebt bei den Dieben: Computer, Baumaterial und Werkzeuge, Haushaltsgeräte, Möbel und Kleidung. Tatorte sind häufig ungesicherte Parkplätze, Raststätten und Autohöfe entlang der Autobahnen. Dort gibt es zwar auch besonders gesicherte Parkplätze, doch die kosten extra. Die Autobahnpolizei kennt das Vorgehen der Diebe aus der täglichen Praxis: "Die Fahrer wollen und sollen ja nachts auch schlafen, tragen wegen des laufenden Verkehrs auf der Autobahn oft Ohrenstöpsel, zudem brummen in der Nacht bei manchen Lastern die Kühlgeneratoren."

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