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Gemischte Bahn-Bilanz : Langstrecke gut, Regionalverkehr schlecht

Güterbahnhof in Bischofsheim bei Mainz Bild: dpa

Die Deutsche Bahn verliert Marktanteile im Regional- und im Güterverkehr. Andererseits fahren immer mehr Menschen IC oder ICE. Das beschert der Bahn gute Zahlen.

          Die Bahn sieht sich als Gewinner der Verkehrsentwicklung im vergangenen Jahr. Mit einem Plus von vier Prozent in der Verkehrsleistung im Personenverkehr entwickelte sich die Schiene deutlich besser als der Verkehrsmarkt insgesamt, der 2016 um 1,7 Prozent wuchs. Im Luftverkehr lag das Wachstum auch überdurchschnittlich bei 3,2 Prozent. Die Eisenbahnen zogen dabei Vorteile aus dem besseren Wetter und der geringeren Zahl von Streiks.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Die Deutsche Bahn hebt in ihrem neuen, am Montag veröffentlichten Wettbewerbsbericht außerdem hervor, in der Statistik zahle sich ihr verbessertes Fernverkehrsangebot aus. Im Personenverkehr steigerte die Schiene ihren Marktanteil von 8 auf 8,3 Prozent. „In einem wachsenden Markt ist es der Schiene gelungen, der Straße Marktanteile abzunehmen. Jetzt müssen wir die Trendwende auch im Güterverkehr schaffen“, sagte Bahn-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla anlässlich der Vorstellung der Wettbewerbskennzahlen 2016. „Meine Aufgabe als Infrastrukturvorstand sehe ich darin, mehr Verkehr auf die Schiene zu bringen.“

          Bundesregierung senkt Trassenpreise

          Doch da gibt es schlechte Nachrichten: Der Güterverkehr auf der Schiene falle weiter zurück, stellte Pofalla fest. In Deutschland sinke sein Marktanteil, und auch die Mehrzahl der großen europäischen Güterbahnen müsse kämpfen. „Die aus Klimaschutzgründen dringend angezeigte Verlagerung gelingt so nicht“, sagte Pofalla. Eine Ausnahme in Europa bildete im vergangenen Jahr lediglich die Schweizer SBB Cargo, die um fast 10 Prozent wachsen konnte. Bei DB Cargo schlug dagegen ein Minus von 3,8 Prozent zu Buche. In Deutschland sank die Verkehrsleistung der Güterbahnen 2016 um 0,4 Prozent; ihr Marktanteil schrumpfte zugleich von 18 auf 17,6 Prozent. Die Straße liegt mit 71,4 Prozent Marktanteil in der Fracht immer noch weit vorn.

          Der kürzlich veröffentlichte Masterplan Schienengüterverkehr der Bundesregierung sieht nun eine deutliche Senkung der Trassenpreise vor, die für die Unternehmen einen erheblichen Teil ihrer Kostenbelastung ausmachen. Die Deutsche Bahn sieht darin einen „wesentlichen Hebel zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit“. Eine große Wirkung verspricht sie sich überdies aus der Angleichung und Kontrolle der sozialen Standards für Schiene und Straße in Europa, wie sie im Rahmen des Mobilitätspakets der EU-Kommission diskutiert werden.

          421 Bahnunternehmen im deutschen Netz

          In Deutschland steigt derweil der Marktanteil der Bahn-Wettbewerber: Sie kommen im Güterverkehr gegenüber DB Cargo inzwischen auf 40,9 Prozent (2015: 39,1 Prozent). Im Nahverkehr konnten die Konkurrenten im vorigen Jahr ebenfalls deutlich zulegen. Ihr Anteil gegenüber den Regionalunternehmen der Deutschen Bahn stieg in einem wachsenden Markt von 29,2 auf 32,9 Prozent.

          Am Wachstum der Schiene im Personenverkehr trägt der Fernverkehr der Deutschen Bahn einen wesentlichen Anteil. 2016 gelang der Sparte mit 139 Millionen Fahrgästen in den ICE- und IC-Zügen ein neuer Rekord. „Auch die europäische Schiene hat im Personenverkehr gute Zuwächse erreicht“, heißt es im Wettbewerbsbericht. „Sie profitierte wie der gesamte Verkehrsmarkt von steigender Beschäftigung, steigenden Einkommen und sinkenden Kraftstoffpreisen.“ In diesem Jahr werde sich die Entwicklung voraussichtlich fortsetzen.

          Unterdessen nimmt der Betrieb auf dem Netz zu: Mit einer Steigerung um 1,3 Prozent auf knapp 1,1 Milliarden Trassenkilometer konnte die Deutsche Bahn 2016 trotz der schwächelnden Güterbahnen einen neuen Trassenrekord verbuchen. Fast ein Drittel der Betriebsleistung entfällt dabei auf die Wettbewerber der DB. Zurzeit fahren insgesamt 421 Bahnunternehmen im deutschen Netz. Frank Miram, im Bahnkonzern Leiter Wirtschaft, Politik und Regulierung, sagte am Montag: „Ein so wettbewerbsfreundliches Umfeld wünschen wir uns überall in Europa. Die Schiene hat die besten Wachstumschancen, wenn die Märkte offen sind und der Wettbewerb lebhaft ist.“

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