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EU-Kommission : Streit um kostenloses Interrail-Ticket

Besonders die konservative EVP hatte sich im EU-Parlament für ein kostenloses Interrail-Ticket für Jugendliche eingesetzt. Bild: dpa

Einen Monat lang mit der Bahn kreuz und quer für Europa – und das für lau? Der EU-Kommission sind die Pläne zu teuer. Der Initiator hält jedoch an der Idee fest.

          Der Fraktionsvorsitzende der konservativen EVP-Fraktion im Europäischen Parlament, Manfred Weber (CSU), hält auf seinem Vorstoß für ein kostenloses Interrail-Bahnticket für jeden 18 Jahre alten EU-Bürger fest. „Die Idee ist alles andere als tot“, sagte Weber in Brüssel. Er werde alles daran setzen, dass sie zumindest im kommenden Jahr umgesetzt werde. Die Kommission stellte in Brüssel ihre Pläne für die Umsetzung des Vorstoßes vor.

          Hendrik Kafsack

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Von der Idee eines kostenlosen Interrail-Tickets ist dabei nicht viel übriggeblieben. Nach einem komplizierten Auswahlverfahren sollen nun nur noch zwischen 5000 und 7000 Jugendliche im Alter von mehr als 16 Jahren in den Genuss eines Zuschusses von bis zu 500 Euro für Reisen in der EU kommen. Sie sollen dafür verschiedene Verkehrsmittel kombinieren. Nach Ansicht der Kommission soll das eine einmalige Aktion bleiben.

          Ein Grund für die Zurückhaltung der EU-Kommission sind die hohen Kosten. Ein kostenloses Interrail-Ticket für alle 18 Jahre alten Europäer hätte bis zu 2,3 Milliarden Euro gekostet. Das wären immerhin anderthalb Prozent des gesamten Budgets der EU gewesen. Zur Verfügung hat die Kommission nun mit 2,5 Millionen Euro nur etwas mehr als ein Tausendstel dieser Summe gestellt.

          Nicht mehr als 200 Gramm CO2 je Person und Reisekilometer

          Weber hatte die Idee des kostenlosen Interrail-Tickets im vergangenen September als Antwort auf das Brexit-Votum auf die politische Agenda gesetzt und dafür Unterstützung der meisten Fraktionen im Europaparlament bekommen. An der Umsetzung der Idee durch die Kommission übte er scharfe Kritik. „Wir wollen kein neues Bürokratiemonster“, sagte er. „Die Kommission vergibt eine große Chance.“ Zum 60. Jahrestag der Unterzeichnung der Römischen Verträge hätte die Kommission ein Aufbruchsignal setzen können.

          Aus „Interrail für alle“ hat die Kommission nun ein Mini-Programm mit einem Volumen von 2,5 Millionen Euro gemacht: Zwischen 5000 und 7000 Jugendliche vom 16. Lebensjahr an können in diesem Sommer Zuschüsse zwischen 350 und 500 Euro – je nachdem, ob sie auf dem Festland oder einer Insel wohnen – für eine Reise innerhalb der EU bekommen. Aus jedem Mitgliedstaat sollen mindestens 60 Schüler davon profitieren.

          Ausgewählt werden sie auf Basis von Projekten, die Schulklassen bei der Schulplattform E-Twinning einreichen. Bevorzugt werden sollen soziale Projekte und Klassen, die zuvor nicht auf Klassenfahrt waren. Die Reise können die Schüler anschließend auch einzeln antreten. Sie müssen aber mehrere Verkehrsmittel nutzen und dürfen nicht mehr als 200 Gramm CO2 je Person und Reisekilometer emittieren. Einfach in den Flieger zu steigen ist unmöglich, da dafür 285 Gramm angesetzt sind. Für Inselbewohner und Reisen zu Partnerschulen gibt es aber Ausnahmen. Möglich ist es etwa, „30 Kilometer mit einer kleinen Fähre (258 Gramm), gefolgt von 420 Kilometern mit dem Zug (14 Gramm), und dann 40 Kilometer mit dem Bus (68 Gramm) zu fahren“, rechnet die Kommission vor. Das ergäbe 33,35 Gramm je Kilometer und Reisenden. Auflagen gibt es außerdem für das Verhältnis von Reisedauer und Aufenthalt am Reiseziel. Vor allem aber soll das Projekt eine einmalige Sache zur Feier zum dreißigsten Geburtstag des Austauschprogramms „Erasmus“ sein.

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