https://www.faz.net/-gqe-7ztnb

Google, Tesla, Apple : Die Auto-Attacke aus dem Silicon Valley

  • -Aktualisiert am

Sieht niedlich aus und fährt von selbst: das Google-Auto Bild: dpa

Google, Tesla und jetzt auch Apple: Internetunternehmen drängen in den Automarkt. Unsere Industrie sollte sich Sorgen machen.

          Wenn es daran ging, die Gefährdung traditioneller Industriezweige durch freche Internetunternehmer aus Kalifornien zu debattieren, konnten sich die deutschen Autohersteller bisher immer ziemlich entspannt zurücklehnen. Andere Branchen mochten zittern, aber dass ein paar dahergelaufene Programmierer in Kapuzenpullis den Auto-Ingenieuren ihren in Jahrzehnten gewachsenen technischen Vorsprung streitig machen könnten, schien undenkbar.

          An dieser Sicht der Dinge festzuhalten, dürfte in Zukunft noch schwieriger werden als bisher. Waren es bisher nur Googles Experimente mit Roboter-Autos und die Elektro-Luxusschlitten von Tesla, die den Autobauern Kopfzerbrechen bereiteten, verdichten sich seit ein paar Tagen die Hinweise darauf, dass die Autohersteller bald einen mächtigen neuen Mitbewerber im Kampf um ihre qualitätsbewussten Kunden haben werden: den Internetkonzern Apple. Laut Berichten der englischen „Financial Times“ (FT) und des amerikanischen „Wall Street Journal“ (WSJ) arbeiten Entwickler des Konzerns schon seit gut einem Jahr an einem elektrischen Auto.

          In Online–Foren war über diese Pläne seit Längerem spekuliert worden. Schon vor Jahren hieß es, einer der großen Träume des verstorbenen Apple-Gründers Steve Jobs sei es gewesen, durch die Entwicklung eines Apple-Autos die amerikanische Autoindustrie zu revolutionieren und wieder zum Weltmarktführer zu machen. In jüngster Zeit wollten mehrere Kommentatoren ein mysteriöses Vehikel ähnlich einem Minivan mit Dachaufbauten in der Nähe der Firmenzentrale gesichtet haben. Mitarbeiter der Elektroauto-Firma Tesla hatten angeblich Angebote erhalten, sich dem Apple-Team anzuschließen.

          1000 Leute fürs Entwickler-Team

          Apple hat sich bisher nicht offiziell dazu geäußert, aber die neuesten Berichte legen nahe, dass Jobs’ Nachfolger sich daran gemacht haben, seinen Traum in die Tat umzusetzen. Laut WSJ hat Apple unter dem Codenamen „Titan“ mehrere Hundert Entwickler abgestellt, um ein Apple-Auto zu bauen. Leiter des Teams ist demnach Steve Zadesky, der auch an der Entwicklung von iPhone und iPad federführend beteiligt war, und von Apple-Chef Tim Cook die Erlaubnis bekommen hat, bis zu 1000 Leute in sein Entwickler-Team zu holen.

          Verbaut Apple seine CarPlay-Software bald im eigenen Auto?

          Leitende Manager des Konzerns waren offenbar mehrmals in Österreich, um mit dem Werkbetreiber Magna Steyr über Fertigungsverträge zu verhandeln. Auch der ehemalige Daimler-Chefentwickler für Nordamerika, Johann Jungwirth, soll an dem Projekt beteiligt sein. Daimler hatte Jungwirths Ablösung im Dezember bekanntgegeben; laut seinem LinkedIn-Profil arbeitet er derzeit für Apple.

          Von der Marktreife ist das Apple-Auto, so es denn entwickelt wird, sicherlich noch meilenweit entfernt. Einige Experten vermuten, dass Apple gar kein eigenes Auto entwickeln will, sondern nur einen Prototypen baut, um Angebote wie CarPlay zu verbessern. Diese Technik ermöglicht es, das iPhone mit dem Bordcomputer zu verbinden und ist auch schon in mehreren Autos deutscher Hersteller verbaut.

          Sollte Apple tatsächlich ein eigenes Auto bauen, könnte die Entwicklung mehr als zehn Jahre in Anspruch nehmen, zumal der iKonzern keine eigenen Werke für die industrielle Fertigung hat und die Rekrutierung von genügend Ingenieuren sich in Amerika durchaus als Problem erweisen könnte: Selbst in der digitalen Welt ist ein Auto ein komplexeres Produkt als ein Mobiltelefon.

          Anfang des Jahres präsentierte Daimler diesen Prototypen eines selbstfahrenden Autos in Las Vegas.

          Auch könnte es gut passieren, dass das Auto sich in eine Reihe von Apple-Projekten einreiht, die von Fans zwar begeistert erwartet, aber nie umgesetzt wurden – wie zuletzt ein vollmundig angekündigter Fernseher. Apple hat, anders als viele Konkurrenten, als aktuell wertvollstes Unternehmen der Welt ausreichend Rücklagen, um auch in wenig aussichtsreiche Experimente viel Geld zu stecken.

          Trotzdem sollte die deutsche Autoindustrie die neue Konkurrenz aus dem Silicon Valley ernster nehmen als ältere Mitbewerber wie Tesla, die es trotz anfänglicher Achtungserfolge bisher nicht geschafft haben, über einen kleinen Nischenmarkt hinaus zu wachsen. Schließlich hat Apple unter anderem bei Mobiltelefonen und Laptops gezeigt, dass der Konzern in rasantem Tempo Märkte aufrollen kann, die bisher fest in fremder Hand schienen.

          Abgesehen von den schier unbegrenzten Finanzmitteln, die Apple in die Entwicklung stecken kann, könnten die Kalifornier Konzernen wie Daimler und BMW vor allem deswegen gefährlich werden, weil sie mit einem der stärksten Markennamen der Welt eine ähnliche Zielgruppe bedienen wie die deutschen Premium-Autobauer: Menschen, die viel Wert auf schickes Design und hohe technische Standards legen und dafür auch gerne viel Geld ausgeben. Zudem setzt Apple offenbar wie die Deutschen auf teilautonomes Fahren.

          Anders als beim Internetkonzern Google, der im vergangenen Jahr ein selbstfahrendes Auto vorstellte, das gerade massentauglich gemacht wird, soll der Apple-Computer helfen, wo er kann, während der Fahrer die Kontrolle behält. Während es selbst in Amerika noch Jahre dauern könnte, bis die rechtlichen Rahmenbedingungen für Googles selbstfahrendes Auto vollständig geklärt sind, könnte das iCar also direkt losfahren, sobald es einmal fertig ist.

          Weitere Themen

          Mit Strom gegen den Strom

          Der „Vater“ des BMW i3 : Mit Strom gegen den Strom

          Bevor Ulrich Kranz mit dem i3 das erste Elektroauto für BMW auf die Straße brachte, musste der Ingenieur einige Widerstände überwinden. Heute nutzt er diese Erfahrung für ein neues Wagnis.

          „Was in Davos passiert, bleibt auch in Davos“ Video-Seite öffnen

          Weltwirtschaftsforum : „Was in Davos passiert, bleibt auch in Davos“

          Zum Start des Weltwirtschaftsforums im Schweizer Skiort Davos stellt sich die Frage: Wird es in diesem Jahr ohne Trump, May und Macron langweilig? Nein, sagen die F.A.Z.-Korrespondenten vor Ort und liefern die Begründung gleich mit.

          „Wir sind es wert!“ Video-Seite öffnen

          Mehr Geld für Staatsdienst : „Wir sind es wert!“

          Sechs Prozent mehr Gehalt und ein monatliches Plus von mindestens 200 Euro: Das ist die Forderung der rund 800.000 Tarifangestellten der Bundesländer außer Hessen. Am Montag sind die Verhandlungen gestartet.

          Topmeldungen

          Der technische Fortschritt löst auch Ängste aus

          Weltwirtschaftsforum : Die breiten Massen bleiben zurück

          Gesellschaften driften auseinander: Während in informierteren Schichten Optimismus herrscht, sind andere systemkritischer und skeptischer denn je, zeigt eine neue Studie. Auch in Deutschland.
          Starker Rückhalt: Andreas Wolff im Tor der Deutschen.

          Handball-WM : Deutschlands hart erarbeitetes Halbfinal-Glück

          Das Duell mit Kroatien ist Handball hardcore. Mit Leidenschaft und Teamwork gewinnen die Deutschen ein Drama und stehen im WM-Halbfinale. Doch eine schwere Verletzung trübt die Freude.

          Brexit-Kommentar : Mays Plan B ist Plan A

          Bei keiner wichtigen Frage änderte Premierministerin May ihre Haltung. Sie will nun wieder reden – mit den Abgeordneten und der EU. Dass es jetzt schnell gehen muss, kann sogar ein Vorteil sein.

          Personalie Patzelt : Zwischen den Fronten

          Werner Patzelt soll der sächsischen CDU helfen, ihr Wahlprogramm auszuarbeiten. Seit das feststeht, ist um ihn eine Kontroverse entbrannt – die auch alte Konflikte mit der TU Dresden wieder befeuert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.