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Streit : Bund an Bahn: Kein Gewinn um jeden Preis

Bei der Deutschen Bahn soll aufgeräumt werden. An Bahn-Chef Rüdiger Grube werden klare Forderungen gestellt. Bild: dpa

Ergebniszahlen, Pünktlichkeit, W-Lan: Zwischen Bund und Deutscher Bahn kriselt es. Der Verkehrsminister fordert Verbesserungen. Bahn-Chef Grube spielt den Ball zurück.

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          Im Verhältnis zwischen der Deutschen Bahn und ihrem Eigentümer Bund steht nicht mehr alles zum Besten, seit die Bilanz nicht mehr so glänzt wie früher. Nach der Hauptversammlung im Frühjahr las Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) dem Bahn-Chef Rüdiger Grube die Leviten, er forderte bessere Ergebniszahlen, pünktlichere Züge und mehr W-Lan bis zum Jahresende.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Diese Vorgaben waren unmissverständlich zu verstehen als Zielvorgaben für Grube – und gleichzeitig Mindestbedingungen für die zum Jahresende anstehende Entscheidung des Aufsichtsrats über die Verlängerung seines Vertrages. Auch nach dieser Ansage blieben Unstimmigkeiten nicht aus. So war Dobrindt ungehalten über Grube, der darauf beharrte, die W-Lan-Nutzung in Zügen nur eingeschränkt kostenfrei zu gewähren.

          Grube seinerseits missfiel die Ausgestaltung der Eisenbahnregulierung durch die Koalition. Erst in allerletzter Minute vor Verabschiedung des Gesetzes im Bundestag konnten neue Rechnungen die Bahn-Führung überzeugen, dass die eindeutige Begünstigung des Nahverkehrs bei den Trassenpreisen nicht zu Lasten des Fernverkehrs gehen werde.

          Bei der Digitalisierung scheiden sich die Geister

          Mit diesen gemischten Erinnerungen im Gepäck und mit viel Gesprächsbedarf begaben sich Dobrindt und Grube vor dem Wochenende auf einen gemeinsamen ICE-Ausflug nach Hamburg, genauer gesagt nach Maschen, dem größten Rangierbahnhof Europas.

          Dobrindt ließ sich auf dem Führerstand einer Güterlok die Feinheiten der Zugbildung erklären – und musste lernen, dass die Digitalisierung im Güterverkehr noch ausbaufähig ist: Manuelle Zugkupplungen am schweren Gerät sind noch üblich, die Dokumentation für das Eisenbahnbundesamt erfolgt auf Papier, nicht elektronisch.

          Bei der Digitalisierung überschneiden sich die Interessen des Ministers und des Managers am meisten. Im Hinblick auf W-Lan in ICE-Zügen will sich Grube keine Nachlässigkeit mehr nachsagen lassen. 100 Millionen Euro investiert die Bahn nach jüngsten Angaben; dabei will sie bis zum Jahresende auch veraltete Mobilfunk-Repeater in Zügen erneuern.

          Sparpreise sollen mehr Kunden anlocken

          Auch bei der Pünktlichkeit pirscht sich Grube an Dobrindts Vorstellungen heran. Der Juli sei der „Wendepunkt“, hofft der Bahn-Chef. Nach Monaten mit ständig abnehmenden Pünktlichkeitswerten seien im laufenden Monat mehr als vier von fünf Fernzügen pünktlich am Ziel angekommen. So gut war die Bahn im ganzen Jahr noch nicht. Im Gesamtjahr die Marke von 80 Prozent zu übertreffen bleibt also schwer.

          Grube gibt sich dennoch optimistisch. Dobrindt hört von ihm, das neue Baustellenmanagement sei ein Schlüssel zum Erfolg. Die störendsten der täglich 750 Baustellen habe die Bahn einfach anders organisiert, erklärt Grube. Auch bessere Ergebniszahlen soll es geben. Zur Bilanz des ersten Halbjahres, die der Bahn-Vorstand am Mittwoch veröffentlichen will, sagt er: „Lassen Sie sich positiv überraschen.“

          Im Fernverkehr will die Bahn durch den Einsatz neuer Züge ihre Kostenstruktur verbessern – und durch Sparpreise mehr Fahrgäste in die Züge locken. Nach den Herbstferien soll es neue Sonderangebote geben, damit die Bahn gegen Auto und Fernbus mithalten kann. Wird die Bahn zum Winter die Preise erhöhen? Grube sagt: „Die Zeit der großen Preiserhöhungen ist vorbei, wie die vergangenen beiden Jahre gezeigt haben, als wir im Fernverkehr die Preise weitgehend stabil gehalten haben.“

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