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Moovel-App : Wie Daimler digital mobil macht

Ein Nutzer testet die App am Stuttgarter Schlossplatz. Bild: Moovel

Ein schwäbisches Unternehmen wagt den Schritt in den amerikanisch dominierten Internet-Markt: Die Moovel-App liefert nicht nur Fahrpläne, sondern beschafft auch gleich die passenden Fahrscheine.

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          Von „Weltpremiere“ ist die Rede: Nirgends gebe es bisher eine App, die für den Weg von A nach B alle Verkehrsmöglichkeiten nennt und auch gleich Fahrscheine beschafft. Außer in Stuttgart, wo Moovel mit einem solchen Angebot startet. „Das Smartphone wird zum Dreh- und Angelpunkt der Mobilität werden“, sagt Robert Henrich, Geschäftsführer der Moovel Group GmbH, die zum Daimler-Konzern gehört.

          Susanne Preuß
          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Während das für andere Lebensbereiche schon selbstverständlich geworden sei, bleibe das Smartphone bisher bei der Mobilität häufig noch in der Information stecken. Oder, sofern es mobile Tickets gebe, sei die Funktion häufig nur auf einen Verkehrsverbund beschränkt. Moovel dagegen vereint Information und Transaktion in einer App. Wer etwa vom Flughafen in die Innenstadt will, bekommt angezeigt, wie viel ein Taxi, ein Mietwagen, eine U-Bahn-Fahrt oder ein Leihfahrrad kosten würde, wie lange die Fahrten dauern, welche Kombination am schnellsten oder billigsten wäre. Entscheidet sich der App-Nutzer für eine der Varianten, kann er die Tickets über Moovel sofort buchen.

          So einfach und selbstverständlich das Geschäftsmodell aus Kundensicht klingt, so schwierig ist die Sache, sagt Henrich. Jedes der Verkehrsmittel hat einen anderen Eigentümer und verwendet eine andere Technik. Selbst wenn ein Verkehrsverbund wie in Stuttgart eine funktionierende App inklusive Buchungsmöglichkeit hat, ist die Anbindung an Mietwagenflotten, Fernbuslinien, Taxizentralen eine Herausforderung. Mit dieser Pionierarbeit bereitet Moovel auch der Konkurrenz den Weg. Aber Henrich hat damit kein Problem: „Ich wäre eher besorgt, wenn es keine Nachahmer gäbe“, sagte er bei der Vorstellung der neuen App-Funktionen in Stuttgart. Er glaubt, dass Moovel den Vorsprung einige Jahre halten kann. Mit dem Mietwagensystem Car2Go, dessen Chef er mal war, sei das auch gelungen.

          Eine Provision für jedes Ticket

          Moovel habe schon von mehreren 100 Regionen auf der ganzen Welt Daten, berichtet Henrich. Nach dem Start in Stuttgart soll die App im nächsten Jahr zunächst in anderen deutschen Städten und dann international eingeführt werden. Eine Schwierigkeit besteht darin, dass vielerorts der Verkehr noch ganz in der analogen Welt verhaftet ist, wie Baden-Württembergs grüner Verkehrsminister Winfried Hermann sagte: „Die Busse mussten mit Sendern ausgerüstet werden, damit wir Echtzeit-Informationen haben“ – schließlich nütze es wenig, wenn laut Fahrplan ein Bus fährt, dieser aber im Stau steckt und daher eine U-Bahn schneller wäre.

          „Ein schwäbisches Unternehmen begibt sich in den amerikanisch dominierten Internet-Markt“, freute sich der Verkehrsminister und sprach von einer weitsichtigen Innovation des Daimler-Konzerns. Für den Stuttgarter Autokonzern steht tatsächlich die strategische Komponente im Vordergrund: „Daimler geht es darum, die Zukunft der Mobilität zu gestalten“, sagte Henrich. Das Gesamtsystem müsse ins digitale Zeitalter überführt werden.

          Gleichzeitig hat Moovel durchaus ein Geschäftsmodell: Für jeden Ticket-Verkauf wird eine Provision fällig, die laut Henrich beim Öffentlichen Nahverkehr deutlich niedriger ausfalle als etwa bei Mietwagenfirmen. Ziel sei es, möglichst alle Anbieter in der App zu vereinen: „Wir betrachten das ausschließlich aus Kundenperspektive. Daher schließen wir keinen aus, auch keinen Konkurrenten“, sagte er. „Moovel ist ein offenes, wachsendes Ökosystem.“ In Deutschland beschäftigt Moovel aktuell 70 Mitarbeiter. In Amerika, wo Moovel mit zwei Standorten – in Austin und Portland – mit insgesamt 80 Mitarbeitern tätig ist, liegt der Schwerpunkt des Unternehmens beim Ticketing: So werden etwa die Fahrkarten für den öffentlichen Nahverkehr von Chicago von der Daimler-Gesellschaft erstellt – ein laut Henrich sehr stark wachsendes Geschäft.

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