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Neues Mietsystem : Elektroroller für alle!

Mit dem Roller durch die Stadt Bild: Bosch

Was Car2Go für Autofahrer ist, bietet Bosch jetzt mit Elektrorollern an: ein flexibles Mietsystem für Smartphone-Nutzer. Gestartet wird in Berlin.

          Besser konnte es für Bosch kaum laufen. Ein Taiwaner erhaschte einen Blick auf jenen Innenhof in Berlin, wo die Gogoro-Scooter für Boschs neues Projekt stehen – und ruck, zuck machte die Nachricht die Runde. Gogoro ist nicht nur irgendein Elektroroller made in Taiwan. Gogoro hat das Zeug, so eine Art Vespa der Neuzeit zu werden: Die Fahrzeuge sind praktisch, vor allem aber werden sie geliebt von ihren Besitzern - die Roller sind weniger Fahrzeug, mehr Lifestyle.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Jetzt also haben die Berliner die Chance: Wer einen kennt, der einen kennt, der darf ab sofort einen der 200 Gogoro-Roller nutzen, die Bosch in der Berliner Innenstadt verteilt hat, um hier ein neues Mobilitätsangebot unter dem Namen „Coup“ zu starten. Eine App auf dem Smartphone zeigt, wo der nächste Scooter steht.

          Die App dient als Schlüssel fürs Helmfach und die Zündung und erledigt nach der Fahrt die Abrechnung, ähnlich wie man es von Carsharing-Plattformen wie Car2Go von Daimler oder Drive Now von BMW kennt. Man nimmt den Gogoro, fährt damit so viel man will und stellt den Roller wieder ab, irgendwo im Gebiet Mitte, Prenzlauer Berg, Friedrichshain oder Kreuzberg, auf der Straße oder dem Gehweg.

          Man weiß nicht ob es klappt

          Drei Euro für 30 Minuten kostet der Spaß oder 20 Euro für einen ganzen Tag. Sobald das System halbwegs stabil läuft, darf jeder ab 21 Jahren mit Zweirad- oder Autoführerschein „Coup“ nutzen, kann sich einen Roller leihen und durch den Berliner Verkehr schlängeln. Auf über 1000 Scooter würde Bosch die Flotte dann aufstocken. Ob das klappt? Man weiß das nicht. Die Truppe in Berlin, keine 20 Leute, springt als Betreiber der Plattform quasi ins kalte Wasser, und das allein ist für einen durchorganisierten Konzern wie die Robert Bosch GmbH ein eher überraschendes Vorgehen.

          Bis nächstes Jahr gibt man dem Projekt „Coup“ Zeit sich zu entwickeln und zu bewähren, eine Sommer- und eine Winter-Saison, dann wird Bilanz gezogen: „Wir können nicht jeder Idee unendlich lang Zeit geben. Wenn es gut läuft, ist es prima, wenn nicht, dann kommt die nächste Idee dran“, sagt Markus Heyn. Er ist in der Bosch-Geschäftsführung nicht nur für den Verkauf von Teilen und Systemen an die Autokonzerne verantwortlich, sondern eben auch für all die jungen Pflänzlein, die für den Wandel von Bosch stehen. „Vernetzt“ ist das zentrale Stichwort dafür, „agil“ ein anderes.

          „Solche Sachen machen mir Spaß, daher mache ich sie gerne“, sagt Markus Heyn im Gespräch mit der F.A.Z. Er nimmt sich viel Zeit dafür, vorzugsweise in einem Umfang, der umgekehrt proportional ist zur umsatzmäßigen Größe des Geschäfts.

          Letztlich geht es ja auch nicht um einen kleinen Rollerverleih in Berlin, sondern um Grundsätzliches: Zwischen all den Stau- und Umweltproblemen erscheint eine Plattform fürs flexible Mieten von Elektrorollern wie ein Wundermittel, zumindest dort, wo man bisher schon eine gewisse Affinität zu Zweirädern hat, ist sich Heyn sicher. Viele Städte in Asien könnten als Markt in Frage kommen, aber auch in Europa gibt es einige Metropolen, wo Bosch mit „Coup“ erfolgreich sein könnte.

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