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E-Call Service : Bei Unfällen rufen Autos künftig selbst den Notruf an

Die EU will mit der Neuregelung die Zahl der Verkehrstoten reduzieren, weil Rettungskräfte schneller am Unfallort eintreffen. Bild: dpa

Wenn es auf der Straße kracht, setzen neue Autos bald selbst einen Hilferuf an eine nahe gelegene Rettungsstelle ab. Ab Herbst nächsten Jahres soll jedes neue Auto mit dem System ausgestattet werden.

          Lange hat es gedauert, doch jetzt läuft der Countdown. Seit gut neun Jahren steht der „E-Call Service“ auf der Tagesordnung der Europäischen Kommission. Von Oktober nächsten Jahres an sollen nun laut einer Regelung der Europäischen Union (EU) alle neuen Personenkraftwagen sowie leichte Nutzfahrzeuge mit dem System ausgestattet sein. Es sieht vor, in den Fahrzeugen Sensoren einzubauen, die automatisch erkennen, wenn ein Unfall geschieht. Im Unglücksfall setzt das Auto per Funkverbindung über die Notrufnummer 112 von selbst einen Hilferuf an eine nahe gelegene Rettungsstelle ab. Die Hilfskräfte erhalten die Position des Autos sowie die Richtung, in die es unterwegs war. Das Ziel der EU ist, die Zahl der Verkehrstoten zu reduzieren, weil Rettungskräfte schneller am Unfallort eintreffen.

          Nach Angaben der Kommission sind zum Beispiel im Jahr 2012 rund 28000 Menschen auf Europas Straßen ums Leben gekommen. Dies sei auch eine wirtschaftliche Last, die die europäische Gesellschaft jedes Jahr 130 Milliarden Euro koste, argumentieren die Brüsseler Politiker unter anderem. Wenn irgendwann alle Autos in Europa mit E-Call ausgestattet sind, könnten bis zu 2500 Menschenleben gerettet werden. Während zum Beispiel der Verband der Deutschen Automobilindustrie das System begrüßt, weil es für mehr Sicherheit auf den Straßen sorgen könne, kommt von Datenschützern Kritik. Sie sorgen sich darum, dass ein Chip, der an staatliche Stellen funkt, sich auch dafür eignen könnte, Autofahrer zu überwachen.

          E-Call wird nur im Notfall aktiv

          Die Kommission verweist darauf, dass es sich bei E-Call um ein „schlafendes System“ handelt, das erst bei einem Notfall aktiv wird. Den Automobilclub ADAC, die Verbraucherzentrale Bundesverband, das deutsche Kraftfahrzeuggewerbe sowie die Versicherungswirtschaft trieb Anfang Oktober eine andere Sorge um. Sie forderten die EU-Institutionen auf, Autohersteller zum Einbau einer offenen Schnittstelle zu verpflichten. Dies ließe den Autofahrern die Freiheit zu entscheiden, an wen sie im Notfall Daten übermitteln, also zum Beispiel auch an Kfz-Betriebe oder Automobilclubs. Ansonsten entstünde bei den Autoherstellern ein Datenmonopol.

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