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Stundenlang im Stau : Handwerksbetriebe leiden unter deutschen Straßen

  • -Aktualisiert am

Auch in Frankfurt staut es sich an vielen Stellen gewaltig: Die Hanauer Landstraße etwa wurde komplett gesperrt. Bild: Helmut Fricke

Ein Handwerksbetrieb verliert jede Woche im Schnitt mehr als sieben Stunden Arbeitszeit durch die marode deutsche Verkehrsinfrastruktur. Das kostet richtig Geld.

          Staus, kaputte Fahrbahnbeläge, gesperrte Brücken: die teilweise marode Verkehrsinfrastruktur in Deutschland ist nicht nur ein lästiges Ärgernis auf der langen Reise in den Sommerurlaub – sie kostet die Betriebe hierzulande auch richtig Geld. Exemplarisch zeigt das eine noch unveröffentlichte Umfrage des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) unter knapp 5900 Betrieben, die der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorab vorlag. Demnach sieht jeder dritte Handwerksbetrieb seine Geschäfte durch den unzureichenden Zustand der Straßen beeinträchtigt. Jede Woche kosten Straßenmängel die Betriebe im Schnitt 7,4 Stunden Zeit.

          Knapp die Hälfte der Handwerker nennt Baustellen als Hauptursache für ihre Zeitverluste, 40 Prozent verweisen auf überlastete Straßen, Brücken oder Tunnel und ein gutes Drittel auf den schlechten Zustand der Fahrbahnen, der zum langsamen Fahren zwinge.

          Behinderungen sind der Normalzustand

          Gerade erst hat die Vollsperrung der Rheinbrücke auf der Autobahn 1 bei Leverkusen wieder einmal deutlich gemacht, wie marode die Infrastruktur in vielen Regionen ist. Von Donnerstagabend bis zu diesem Montagmorgen war die Brücke, die eine Hauptverkehrsader der Region ist, wegen dringender Sanierungsarbeiten voll gesperrt. In einer Seilverankerung hatte sich ein 40 Zentimeter langer Riss gebildet.

          Das befürchtete Verkehrschaos blieb zwar aus; die Polizei sprach von den „obligatorischen“ drei bis vier Kilometern Stau am Kreuz Leverkusen. Dass aber solche Behinderungen mittlerweile offenbar als Normalzustand betrachtet werden, zeigt das Ausmaß des Problems.

          Im Handwerk verteilen jedenfalls nur knapp 28 Prozent der Betriebe die Schulnoten eins oder zwei für die Straßen, auf denen sie häufig unterwegs sind; jeweils knapp 15 Prozent vergeben dagegen ein „ausreichend“ oder „mangelhaft“.

          „Die Betriebe bezahlen ihre Leute dafür, dass sie im Stau stecken“

          Der Trend, so sieht es zumindest das Handwerk, geht nach unten: Gut 42 Prozent sehen in den vergangenen zehn Jahren eine Verschlechterung des Straßenzustands, nur knapp 24 Prozent eine Verbesserung. Wenig überraschend: Gewerbe, die eher weite Wege zurücklegen müssen, sind unzufriedener mit der Verkehrsinfrastruktur als Handwerker, die nur wenig fahren müssen – sie haben eben mehr Möglichkeiten, die Misere zu besichtigen.

          So selten kommt es zudem gar nicht vor, dass Handwerker weite Strecken zurücklegen müssen: Auch wenn gut 30 Prozent vor allem innerorts unterwegs sind, gaben in der Umfrage immerhin 12,5 Prozent an, hauptsächlich auf Autobahnen zu fahren, 18 Prozent auf Landstraßen.

          Als Köln 2015 zur Stauhauptstadt Deutschlands wurde, hatte die Kölner Handwerkskammer ausgerechnet, wie teuer das Verkehrschaos für die Unternehmen ist. „Jeden Handwerksbetrieb kostete das im Schnitt 15.000 Euro im Jahr wegen schlechter Infrastruktur und Verkehrslenkung“, sagt ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer, der aus Hürth bei Köln stammt. „Die Betriebe zahlen ihre Leute dafür, dass sie im Stau stecken“, sagt Wollseifer. Das sei ein bedeutender wirtschaftlicher Schaden. „Wir müssen Straßen und Schienenwege schneller reparieren und ausbauen.“

          Das sieht die Bundesregierung im Prinzip genauso. Anfang August billigte das Kabinett den 174 Seiten dicken Bundesverkehrswegeplan. Rund tausend Projekte sind darin aufgeführt, alle wichtigen Verkehrsinvestitionen bis zum Jahr 2030. 270 Milliarden Euro will Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) insgesamt investieren – 96 Milliarden Euro mehr als im Vorgängerplan aus dem Jahr 2003.

          Fast die Hälfte der Mittel soll in den Straßenbau fließen, 41 Prozent in den Schienenverkehr und gut 9 Prozent in die Wasserwege. Stärker als früher hat dabei der Erhalt der vorhandenen Infrastruktur Priorität – 70 Prozent des Geldes soll in den Bestand gesteckt werden.

          Das wäre auch ganz im Sinne der Handwerksbetriebe, von denen der Umfrage nach fast 60 Prozent den Schwerpunkt auf Reparatur statt Neubau legen wollen. Profitieren möchte die Branche von all den Investitionen natürlich auch: „Wir brauchen Organisations- und Finanzierungsmodelle, die den Mittelstand miteinbeziehen“, sagt ZDH-Präsident Wollseifer. „Es darf nicht passieren, dass Milliarden für Straßenbau an der mittelständischen Bauwirtschaft vorbeifließen.“

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