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Autonomes Fahren : Wer haftet, wenn das Auto von selbst fährt?

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Autonom gefahren und auf der Seite gelandet: Ein Roboterwagen von Taxischreck Uber in Arizona Bild: FRESCO NEWS/Mark Beach

Einige Fachleute wollen den Fahrzeughersteller zur Kasse bitten. Die Allianz und BMW sehen das anders.

          Auch bei automatisch gesteuerten Autos will Europas größter Versicherer Allianz an der Haftung des Halters bei Unfällen nicht rütteln. In einem am Montag veröffentlichten gemeinsamen Positionspapier sprachen sich Allianz Worldwide Partners und der Münchener Autobauer BMW dafür aus, dass sich der Halter auch künftig gegen Fehler des Fahrers und mögliche technische Defekte des Autos versichern müsse. Erst in zweiter Linie solle dann zwischen dem Kfz-Versicherer und dem Autobauer geprüft werden, ob letzterer für eine Fehlfunktion zahlen müsse.

          Die Haftungsfrage beim autonomen Fahren wird derzeit in der Versicherungsbranche heftig diskutiert. Zwar wird erwartet, dass die Unfallhäufigkeit deutlich sinkt, wenn Fahrfehler als Ursache wegfallen. Wenn die automatische Steuerung versagt, sehen einige Experten aber die Haftung beim Hersteller. Die Produkthaftung sei jedoch lückenhaft, erklärte der Verkehrsrechtsexperte Benjamin von Bodungen auf einem Kongress der Fachzeitschrift „auto, motor und sport“.

          Vor allem praktische Gründe für Halterhaftung

          Ein Hersteller könne immer vortragen, dass ein bestimmtes Risiko vom Stand der Technik zum Entwicklungszeitpunkt noch nicht absehbar war. „Wenn ich das Haftungsrisiko minimieren möchte, muss ich auf das Fahrgeschehen achten“, ergänzte er. Damit werde das autonome Fahren aber unattraktiver.

          Nach Ansicht der Allianz sprechen vor allem praktische Gründe für eine Beibehaltung der Halterhaftung. „Kommt es zu einem Unfall, erhalten dann sowohl der Fahrzeughalter als auch Unfallgeschädigte zügig Hilfe, und zwar ohne die Unsicherheiten, die eine langwierige gerichtliche Auseinandersetzung mit der verantwortlichen Partei mit sich bringen würde“, sagte Claudius Leibfritz, der für das weltweite Kfz-Geschäft bei der Allianz verantwortlich ist.

          „Wir sind uns einig, dass der Grundsatz sich auch für teil- und vollautomatisierte Fahrzeuge eignet, und wir unterstützen eine entsprechende globale Standardisierung“, erklärte Elmar Frickenstein, der bei BMW für das Autonome Fahren zuständig ist.

          Auch die HUK Coburg sprach sich dafür aus, die geltende Halterhaftung beizubehalten. Im Gespräch sei derzeit ein Gesetzentwurf, der eine Verdoppelung der Haftungssumme auf zehn Millionen Euro bei Personenschäden vorsehe. Die Grenze sollte nach Ansicht der Versicherung jedoch auf bis zu 100 Millionen Euro erhöht werden, forderte HUK-Vorstand Klaus-Jürgen Heitmann auf dem Kongress in Stuttgart.

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