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Airbus überarbeitet E-Pläne : Der Traum vom elektrischen Fliegen

Aus Sicht von Airbus ist der E-Fan in einer Sackgasse gelandet. Einen Nachfolger soll es trotzdem geben. Bild: AFP

Der europäische Konzern Airbus setzt sich ehrgeizigere Ziele mit fliegenden Autos und autonomen Lufttaxis. Für ein groß angekündigtes Modell ist dabei aber kein Platz mehr.

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          Vor weniger als zwei Jahren pries Airbus das kleine Elektroflugzeug namens E-Fan noch als historische Errungenschaften an. Die Pioniere von heute und damals seien „durch einen Traum vereint“, formulierte die Kommunikationsabteilung, nachdem der vollelektrisch betriebene Zweisitzer im Juli 2015 erstmals den Ärmelkanal überflog – so wie 1909 der französische Flugpionier Louis Blériot auf der mehr oder weniger gleichen Strecke.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Nun schiebt Airbus die Maschine, die auch auf vielen Luftfahrtmessen präsentiert wurde, für immer in den Hangar. Der europäische Luftfahrtkonzern stellt die Entwicklung der Maschine ein. Das überrascht auf den ersten Blick, soll dem Fliegen mit Elektromotor doch die Zukunft gehören. Auch eine Kommerzialisierung des kleinen „E-Airbus“ mit einer Produktionsstätte in der Nähe der südfranzösischen Stadt Pau war einmal angedacht worden. Die französischen Gewerkschaften haben am Mittwoch schon protestiert. Die CGT empörte sich über „den Stopp eines innovativen und futuristischen Programms“.

          Airbus will selbstfliegendes Taxi entwickeln

          Doch der Airbus-Konzern betont, dass er in keiner Weise die Vorbereitung seiner Zukunft aufgebe, im Gegenteil. „Den E-Fan hat die Entwicklung überholt“, sagt ein Unternehmenssprecher. Allein die Batterietechnologie schreite so rasch voran, dass die neuen Modelle gar nicht mehr in den E-Fan integriert werden könnten. In der Tat erinnert die Maschine mehr an einen Segelflieger als an einen Airbus. Der europäische Konzern sei jetzt ehrgeiziger geworden, sagt der Sprecher, und denke in ganz neuen Dimensionen – sowohl für vollelektrische Antriebe als auch für Hybridantriebe in Verbindung mit einem herkömmlichen Jet-Triebwerk. Die Ersetzung des langjährigen Forschungschefs Jean Botti durch den ehemaligen Google-Manager Paul Eremenko im vergangenen Jahr dürfte die Neuorientierung beschleunigt haben.

          Airbus arbeitet nun unter anderem an einem selbstfliegenden Flugtaxi (Arbeitstitel „Vahana“), das senkrecht startet und landet. Ende 2017 soll es erstmals in der Luft getestet werden. Es soll einen Passagier oder Fracht transportieren können. Zudem tüfteln die Ingenieure an einem „City Airbus“, der eine Art Hubschrauber für den Stadtverkehr sein soll. „Anfangs“, so heißt es, werde ein Pilot das Gefährt für bis zu vier Passagiere steuern.

          E-Fan soll Nachfolger mit mehr Schubkraft bekommen

          Zudem hat Airbus eine Art fliegendes Auto in Arbeit. Das derzeit noch „Pop.Up“ genannte Konzept wurde kürzlich auf dem Automobilsalon in Genf vorgestellt. Nicht zuletzt setzt Airbus seine Kooperation mit Siemens fort. Der Konzern entwickelt Fluggeräte, die eines Tages etliche Motoren verteilt über Rumpf und Tragflächen enthalten könnten. E-Thrust heißt das Konzept, dessen Gestalt mit den heutigen Flugzeugen wenig zu tun haben könnte. Auch die Nasa und Boeing beschäftigen sich mit solchen Studien.

          Der heutige E-Fan, der in Augen von Airbus in eine Sackgasse geraten ist, soll indes auch einen Nachfolger bekommen. Doch dafür werde mehr Anschub benötigt, als die kleinen Elektromotoren heute leisten können, zumal Airbus große Maschinen herstellen will. Der E-Fan ist nur mit zwei 30-Kilowatt-Motoren ausgestattet. „Wir sehen in den nächsten drei Jahren dagegen Demonstrationsgeräte mit 2 Megawatt am Horizont“, teilt ein Airbus-Sprecher mit. Doch auch damit wäre man noch weit von der Schubkraft herkömmlicher, kerosinverbrauchender Triebwerke entfernt. Die Motoren eines A320 beispielweise haben eine Leistung von 20 bis 40 Megawatt.

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