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Neue Häuser 2013 : Lichtblick im Quartier

Schmuckstück: die Frankfurter Küche der Architektin. Bild: Kretzer, Michael

Eine kleine Brache, die als unbebaubar gilt, eine Nachbarschaft, die schwierig ist - die Frankfurter Architektin Marie-Theres Deutsch hat das nicht abgehalten, dort ein fabelhaftes Haus zu bauen.

          Alt-Sachsenhausen - darauf muss man erst einmal kommen. Das kleine Quartier mit seinen Gässchen und den vielen historischen Häusern südlich des Mains gilt den Frankfurtern seit Jahrzehnten als schlechte Adresse. Die meisten meiden das Kneipenviertel, das dank Flatrate-Saufangeboten und rauschend gefeierten Junggesellenabschieden in der Stadt den zweifelhaften Ruf eines Mini-Ballermanns am Main genießt. Auch Marie-Theres Deutsch wäre es von sich aus kaum eingefallen, dort nach einem geeigneten Ort für ihr Vorhaben zu suchen, ein Haus für sich und Freunde zu bauen. Und Marie-Theres Deutsch ist keine zimperliche Frau.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          In Frankfurts verrufenem Bahnhofsviertel zum Beispiel hat die Architektin schon gewohnt, als der Stadtteil den meisten noch als abstoßend galt und nicht wie heute als angesagt. Zuletzt lebten sie und ihr Lebensgefährte Babo Graf von Harrach aber in einem der schicken Mehrfamilienhäuser des noch jungen Westhafen-Viertels. Dem Main, ihrer großen Liebe, ganz nahe. Doch der Fluss vor der Haustür reichte zum Wohlbefinden nicht. In der schönen neuen Welt des Westhafens war es dem Paar zu langweilig. „Das ist alles doch sehr glatt“, sagt die 58-jährige Planerin.

          Merkwürdigkeiten und Tücken

          Also machten sie sich auf die Suche nach einen Flecken in der Stadt, wo sie bauen könnten - für sich und, wenn es sich einrichten ließe, für ein befreundetes Ehepaar, die Künstler Helke und Thomas Bayrle. Schließlich wurde die Architektin auf jenes Trümmergrundstück in der Paradiesgasse in Alt-Sachsenhausen aufmerksam. Über Jahrzehnte hatte es als unbebaubar gegolten, weil dort drei Fluchtwege aus einer im Nachbarhaus ansässigen Kneipe mündeten. Die nur 143 Quadratmeter große Brache wäre den vier Freunden vermutlich entgangen, hätte nicht jemand im Jahr 2008 im Stadtplanungsamt Marie-Theres Deutsch einen Tipp gegeben. Wissend, dass die Planerin sich von einem alles andere als gediegenen Milieu nicht sofort abschrecken lässt. Die Verhandlungen über den Grundstückskauf haben Deutsch und Graf von Harrach später in den Kneipen Alt-Sachsenhausens geführt, wo sie die Eigentümer aufgespürt hatten.

          Die Merkwürdigkeiten und Tücken hatten am Ende vielleicht auch einen gewissen Reiz. In jedem Fall sahen die vier Bauherren die Vorzüge der Lage. „Immerhin sind wir ja wieder ganz dicht am Main“, sagt Graf von Harrach. „Über Langweile kann man hier nicht klagen“, scherzt Deutsch mit Blick auf die Nachbarschaft.

          Was die beiden aber auch fasziniert, ist die Geschichte des Quartiers. Denn das Grundstück liegt an einem vormittelalterlichen Handels- und Pilgerweg, der unmittelbar in die Furt mündete. Hier und in der Großen Rittergasse hatten einst adelige Familien residiert, denen die Freie Reichsstadt Frankfurt das Wohnrecht verweigerte. Gleich um die Ecke steht der letzte Wehrturm der Stadtmauer, die das mittelalterliche Sachsenhausen umgab. Ihn hat man saniert, einen nur wenige Meter entfernt stehenden gotischen Wohnturm nicht. Während dieser kostbare steinerne Zeitzeuge zerfällt, bemüht sich die Stadt derzeit am Nordufer zwischen Dom und Römerberg, die im Krieg niedergebrannte Altstadt nachzuzeichnen. „Und hier stoßen sie überall auf Geschichte“, sagt Marie-Theres Deutsch.

          Ausgefeilte Innen-und Außendämmung

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