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Ökostrom-Umlage : Haushalte zahlen, Unternehmen sparen 

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Energiefresser Stahlwerk: Große energieintensive Betriebe haben durch das Erneuerbaren-Energien-Gesetz eine niedrigere Stromrechnung als letztes Jahr. Bild: dpa

Während die Strompreise für Privatkunden in die Höhe schnellen, konnten energieintensive Betriebe ihre Kosten sogar senken. Sie wollen auf dem internationalen Markt konkurrenzfähig bleiben.

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          Die Preise für private Stromkunden sind seit Sommer 2008 um 38 Prozent gestiegen, für die Industrie dagegen lediglich um 13 bis 15 Prozent. Energieintensiv produzierende Unternehmen haben ihre Strombezugskosten sogar minimal um 1 Prozent senken können. Das geht aus dieser Zeitung vorliegenden Antworten der Bundesregierung an die Fraktion der Grünen hervor, in denen sie sich auf Angaben des Statistischen Bundesamtes stützt.

          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          Die Industrie profitiere davon, dass sie nur zum Teil zur Förderung der erneuerbaren Energien herangezogen werde und davon, dass der Börsenpreis für Strom sich seit 2008 nahezu halbiert habe, analysierten die Grünen. Die privaten Haushalte seien die Hauptleidtragenden, weil sie die volle Ökostrom-Umlage bezahlen müssten. Sie profitierten vom niedrigen Börsenpreis kaum, weil die Versorger die Preissenkungen nur zum Teil weiterreichten.

          Die Großhandelspreise seien seit 2008 um rund 5 Cent je Kilowattstunde gefallen. Gleichzeitig sei die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) um 5 Cent gestiegen, sagte die Vorsitzende des Bundestags-Umweltausschusses, Bärbel Höhn (Grüne). Bei den Privathaushalten sei nur der preissteigernde Faktor angekommen. „Hier kann man den Verbrauchern nur raten, stärker die Preise der unterschiedlichen Anbieter zu vergleichen.“

          Vergleich mit Ausland nur bedingt zulässig

          Sie bekräftigte die Forderung, die Industrie stärker zur Finanzierung der Energiewende heranzuziehen. Momentan subventionierten die Verbraucher „den Stromverbrauch im Braunkohleabbau oder in Schlachthöfen mit rund 5 Milliarden Euro im Jahr“. Nächstes Jahr werde es „trotz der gesetzlichen Reformen nicht besser aussehen“.

          Von der niedrigeren EEG-Umlage profitieren weite Teile der energieintensiv produzierenden Industrie: Erzeuger von Chemie, Papier, Keramik, Baustoffen, Stahl und Nichteisenmetallen. Sie beschäftigen 830000 Leute. Die Industrie bestreitet nicht, dass sie von den niedrigeren Preisen an der Strombörse profitiere. Doch weist sie darauf hin, dass dies auch für ihre Wettbewerber im Ausland gelte.

          Der Vergleich mit den privaten Stromkunden sei deshalb für ihre Wirtschaftlichkeit irrelevant und führe in die Irre. Die Familienunternehmer haben gerade in einer Studie ausrechnen lassen, dass auch nach der im August in Kraft getreten Reform der Ökostromförderung weitere Milliardenkosten auf die Stromkunden zukämen. Die EEG-bedingten Mehrkosten bewegten sich in einer Spanne zwischen 114 und 187 Milliarden Euro – zusätzlich zu den bisher angefallenen Finanzierungskosten „und ohne dabei auch nur ein Gramm mehr CO2 einzusparen“.

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