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Neue Bewertungskriterien : Ratingagentur stuft 15 Großbanken weltweit herab

  • Aktualisiert am

Standard & Poor’s sieht bei den vier größten amerikanischen Banken höhere Risiken Bild: dpa

Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat die Kreditwürdigkeit von 15 der weltweit größten Finanzinstitute herabgestuft. Vor allem Banken aus den Vereinigten Staaten waren betroffen.

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          Die Änderung der Bewertungskriterien bei Standard & Poor’s (S&P) für Banken hat erste Konsequenzen. Die Agentur stufte am Dienstag weltweit 15 Institute herab, weitere Neubewertungen werden in den kommenden Monaten folgen. Zwanzig Banken-Ratings bleiben unverändert, zwei Institute wurden hochgestuft.

          Standard & Poor’s hatte Anfang November angekündigt, den Veränderungen in der Bankenwelt bei den Ratings verstärkt Rechnung zu tragen. Den Ausgang für die Veränderungen in der Bankenlandschaft sieht die Agentur vor allem bei den Regierungen, etwa bei der Unterstützung für strauchelnde Institute oder beim regulatorischen Umfeld.

          So hatte die Agentur in der Vergangenheit Ratings angehoben, wenn es sich abzeichnete, dass das Institut im Krisenfall gerettet werden würde. Außerdem spielte für die Ratings die Bonitätsbewertung des jeweiligen Landes eine größere Rolle. Seit der Herabstufung der Vereinigten Staaten im Sommer ist auch das Abstufungsrisiko für die amerikanischen Banken höher.

          Höheres Risiko im Investment-Geschäft

          Unter den neuen Kriterien mussten zahlreiche amerikanische Institute Abstufungen hinnehmen, darunter die vier größten des Landes J.P. Morgan Chase, Bank of America, Citigroup und Wells Fargo. Darüber hinaus wurden auch die Bewertungen der Investment-Banken Goldman Sachs und Morgan Stanley herabgesetzt, was S&P mit dem höheren Risiko des Investment-Geschäfts im Vergleich zum traditionellen Bankgeschäft begründete. Ebenfalls abgestuft wurde Bank of New York Mellon. Die Bewertung von Deutscher Bank und Credit Suisse hingegen blieb unverändert, die Ratingagentur senkte allerdings den Ausblich von stabil auf negativ.

          Die Kurse der betroffenen Geldhäuser fielen im nachbörslichen Handel zum Teil deutlich. Für sie könnte die Herabstufung finanziell erhebliche Folgen haben. Denn bei der Aufnahme von neuem Kapital müssen sie wegen des mutmaßlich höheren Risikos nun möglicherweise auch höhere Zinsen zahlen. Genaue Begründungen für die Einschätzungen im Einzelnen würden am Mittwoch geliefert, hieß es.

          Für die Citigroup ist der Schritt der Agentur nicht nachvollziehbar. „Das revidierte Rating gibt nicht korrekt die signifikanten Fortschritte wider, die die Citigroup über die vergangenen drei Jahre gemacht hat“, beklagte ein Sprecher. Andere Banken hatten jedoch schlimmeres erwartet. Angesichts der Möglichkeiten, die S&P zur Verfügung stünden, sei Bank of America noch relativ gut weggekommen, sagte ein Unternehmens-Insider.

          Abgestuft außerhalb der Vereinigten Staaten wurden bislang noch Barclays und HSBC Holdings. Die Bewertung der niederländischen Rabobank wurde gleich um zwei Stufen auf „AA“ zurückgenommen. Zwei chinesische Banken wurden hochgestuft (Bank of China, China Construction Bank), zwanzig Banken unverändert belassen.

          S&P will mehr Transparenz schaffen

          Die Ratings sollen transparenter werden, teilte S&P mit. Man erhoffe sich eine bessere Vergleichbarkeit der Banken weltweit. Bei der Durchführung der Änderungen habe man keine Rücksicht nehmen können auf die derzeitigen Marktverwerfungen, sagte Craig Permelee, Managing Director bei S&P.

          Die Ratingagenturen waren im Zuge der weltweiten Finanzkrise des Jahres 2008 massiv kritisiert worden: Sie wurden für die Insolvenz der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 mitverantwortlich gemacht, welche die Finanzkrise auslöste. Ihnen wurde vorgeworfen, mit zu guten Ratings über die Schieflage der Bank hinweggetäuscht zu haben.

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