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Neue Allianz : Die Industrie schürft selbst nach Rohstoffen

Wertvoller Rohstoff: In diesem Tagebau in China werden Seltene Erden abgebaut. Bild: DPA

Die deutsche Wirtschaft rüstet im Kampf um wichtige Rohstoffe auf: Um den Zugang zu wichtigen Ausgangsmaterialien zu sichern, haben große Konzerne eine „Rohstoffallianz“ gegründet. In anderen Ländern zieht man gleich - oder ist zum Teil schon weiter.

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          Die deutsche Wirtschaft hat einen wichtigen Schritt dahin unternommen, sich selbst Zugang zu Rohstoffen auf der Welt zu sichern. Frühere Ankündigungen, selbst auf dem international hart umkämpften Rohstoffmarkt tätig zu werden, sind nun konkret geworden: In Berlin wurde die „Rohstoffallianz“ als Gesellschaft mit beschränkter Haftung ins Handelsregister eingetragen.

          Rohstofffonds von bis zu 1 Milliarde Euro geplant

          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          Die von großen Konzernen getragene und mit Hilfe des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) aus der Taufe gehobene Gesellschaft will die Versorgungssicherheit der gesamten deutschen Industrie verbessern. Dazu soll sie sich weltweit daran beteiligen, Rohstoffvorkommen zu erschließen und zu vermarkten. Zugleich will sie Abnehmer bestimmter Rohstoffe bündeln und so eine eigene Nachfragemacht erzeugen. Schon 2013 wolle man über konkrete Engagements berichten, hieß es am Dienstag. Geplant ist auch ein Rohstofffonds im Umfang von bis zu 1 Milliarde Euro.

          Geschäftsführer der Gesellschaft ist der frühere Eon-Energie-Vorstand Dierk Paskert, ihr Spiritus Rector ist BDI-Vizepräsident Ulrich Grillo, der auch Vorstandschef der Duisburger Grillo-Werke ist, einem führenden Unternehmen der Zinkmetallurgie und Schwefelchemie. Vor allem im Zusammenhang mit Lieferengpässen bei Seltenen Erden, die aktuell fast alle aus China stammen, war immer mehr über Versorgungsengpässe debattiert worden. Seltene Erden beispielsweise werden unter anderem für Handys und in der Batterietechnologie benötigt, die wiederum in der Elektromobilität wichtig sind.

          Die Wirtschaft will sich selbst helfen

          Die Bundesregierung ist als Folge dieser Debatte mit der Mongolei und Kasachstan bereits „Rohstoffpartnerschaften“ eingegangen, um deutschen Unternehmen den Zugang zu begehrten Basisstoffen zu ebnen. Die Allianz lobt solche Aktivitäten. Gerne nimmt sie auch außenwirtschaftliche Förderinstrumente des Bundes in Anspruch, will aber keine direkte Kapitalhilfe. „Darum haben wir nie nachgefragt.“ Die Regierung ihrerseits hatte mehrfach klargestellt, dass die Sicherung der Rohstoffversorgung Angelegenheit der Wirtschaft sei.

          Die Rohstoffallianz will sich in erster Linie den Zugriff auf Rohstoffe sichern. Wie das geschehe, hänge vom konkreten Fall ab. Denkbar sei die Beteiligung an Bergwerken, Minen oder deren Betreibergesellschaften oder nur der Besitz von Verwertungsrechten an deren Produktion. Als Beispiele für Rohstoffe, für die man Interessenten in „Clustern“ bündeln wolle, wurden Seltene Erden, Kokskohle, Graphit oder Wolfram genannt. Aus solchen „Clustern“ sollen sich Projekte ergeben, die von den Beteiligten finanziert werden. Die Rohstoffallianz will selbst Geld verdienen. In Japan und Korea gebe es ähnliche Einrichtungen – wenn auch mit großem staatlichen Einfluss – seit Jahrzehnten. Auch in Europa bauen Länder wie Frankreich, die Niederlande oder Österreich derzeit vergleichbare Strukturen auf.

          Auf der Jagd

          Es ist eine illustre Runde, die die Rohstoffallianz GmbH aus der Taufe gehoben hat. Die zehn Gründer kommen im wesentlichen aus Auto-, Chemie- und Metall- und Schwerindustrie: Der Kupferproduzent Aurubis, die Chemiekonzerne BASF, Bayer, Wacker Chemie, Evonik und Rockwood Lithium, der Autozulieferer Bosch, die Stahlkonzerne Georgsmarienhütte, Stahlholding Saar, Thyssen-Krupp. BMW und Daimler stehen als weitere Mitglieder fest. Gerade sie seien Beleg dafür, dass Konzerne immer mehr darauf achteten, dass auch ihre Zulieferer nicht von der Rohstoffversorgung abgehängt würden. Mit mehr als 20 Interessenten würden Gespräche geführt. Dass es den Initiatoren der Allianz ernst ist, zeigt der Umstand, dass sie die Gesellschaft mit einem Eigenkapital in Millionenhöhe ausgestattet haben.

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