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Zukunft der Wearables : Smarte Socken und elektronische Tattoos

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Christian Hofmann vom Fraunhofer-Institut sieht Chancen, aber auch Risiken, wenn es um Wearables geht. Bild: dpa

Ein T-Shirt, das Herzrhythmusstörungen erkennt. Strümpfe, die ein Signal geben, bevor man stolpert. Ein Erlanger Forscher glaubt, dass das bald selbstverständlich ist.

          Kleidungsstücke mit eingenähten Sensoren zur Messung von Körperfunktionen werden nach Einschätzung eines Forschers in wenigen Jahren so alltäglich sein wie heute Smartphones. „Was in den neunziger Jahren die SMS war, werden in fünf bis zehn Jahren T-Shirts mit textilen Elektroden sein“, sagt Christian Hofmann vom Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) in Erlangen.

          Mit einem solchen T-Shirt seien etwa fortlaufende EKG-Messungen möglich. Erkrankungen könnten dadurch schnell erkannt werden, erklärt Hofmann im Vorfeld einer IIS-Podiumsdiskussion zu den Chancen und Risiken der sogenannten Wearables an diesem Dienstag. Am IIS wird Technik, die am Körper getragen wird, erforscht und entwickelt.

          Vorsicht vor zu vielen Sensoren

          Den Wearables werde für die Zukunft ein höheres Umsatzpotenzial zugesprochen als dem Markt mit Smartphones, betont Hofmann. Das liege vor allem daran, dass es für die Technik eine große Anzahl möglicher Produkte gebe. In der Entwicklung seien auch Socken mit Drucksensoren, die das Abrollverhalten während des Laufens registrieren. „Damit wird eine mobile Ganganalyse zum Beispiel für sturzgefährdete ältere Menschen möglich.“ Die smarten Socken sollen die Phase vor einem Sturz erkennen können und rechtzeitig ein Signal geben.

          Der Experte warnt zugleich vor der neuen Technik: „Natürlich können die Sensoren auch zur Abstumpfung der eigenen Körperwahrnehmung beitragen - nach dem Motto: Was der Sensor sagt, das gilt.“ Zu viele Sensoren könnten dazu führen, die eigenen Empfindungen zu unterdrücken.

          Ähnlich sei es bei der Nutzung von Smartphones: „Die ortsunabhängige Kommunikation mit dem Handy ist ein großer Gewinn für die Gesellschaft. Dass aber jetzt manche Leute nur noch über das Smartphone konsumieren und in sozialen Netzwerken unterwegs sind und damit abstumpfen, ist in meinen Augen ein Missbrauch eigentlich nützlicher Technologien.“ Dies könne für smarte Kleidung nicht ausgeschlossen werden. „Wenn der Anwender mehr mit dem Spielen oder dem Einrichten beschäftigt ist, als es ihm wirklich im realen Leben etwas nützt, dann ist das Wearable fragwürdig.“

          Als Beispiel für einen sinnvollen technischen Helfer im Alltag nennt Hofmann intelligente Zahnbürsten, die es bereits im Handel gibt: Sensoren registrieren dabei, welche Zähne bereits geputzt wurden. Auf dem Smartphone werden die noch nicht geputzten Stellen mittels einer App angezeigt. „Die Zahnbürste gibt mir also eine echte, objektive Rückmeldung für meine subjektive Wahrnehmung.“

          Obwohl es smarte T-Shirts noch nicht zu kaufen gibt, kann nach Angaben Hofmanns in amerikanischen Labors bereits die nächste Entwicklungsstufe bestaunt werden: Elektronische Tattoos, die mit Wasser auf der Haut angebracht werden. Sie enthalten hauchdünne elektronische Schaltkreise, die durch Körperwärme mit Energie gespeist werden und gleichzeitig Körpersignale erfassen.

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