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Zeitungsmarkt : Kalter Krieg im Blätterwald

Die Zukunft? Bild: dpa

Es ist die Furcht vor der Gratiszeitung, die deutsche Verlage nicht ruhen läßt - Tageszeitungen, die sich, für den Leser kostenlos, ausschließlich über Anzeigenerlöse finanzieren. Die großen Zeitungshäuser sind in Habachtstellung.

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          Kürzlich, so wird in Branchenkreisen berichtet, verließ ein geschätzter Journalist die "Bild"- Zeitung, und Chefredakteur Kai Diekmann war wieder einmal alarmiert: Geht der zu Schibsted? Nicht nur in der Hamburger Zentrale von Deutschlands größter Boulevardzeitung geht seit vielen Monaten ein Gespenst um. Es ist die Furcht vor der Gratiszeitung, die deutsche Verlage nicht ruhen läßt - Tageszeitungen, die sich, für den Leser kostenlos, ausschließlich über Anzeigenerlöse finanzieren. In Habachtstellung verharren die großen Zeitungshäuser zwischen Stuttgart und Hamburg, die derzeit gut die Hälfte ihrer Umsätze aus Vertriebserlösen verbuchen, um eine eventuelle Deutschland-Offensive der beiden skandinavischen Gratiszeitungspioniere Metro und Schibsted zurückzuschlagen. Es geht um Abschreckung - "das ist wie damals im Kalten Krieg", witzelt ein Verlagsmanager.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          "Wir müssen besser werden", bimst "Bild"-Chef Diekmann seiner Mannschaft ein. Sollten die Gratisblätter wirklich kommen, müsse "Bild" dem zahlenden Leser mehr bieten können als die Kostenlos-Konkurrenz. Die Betriebsamkeit beim wichtigsten Medium des Axel Springer Verlages ist kein Zufall. "Bild" ist der mit Abstand bedeutendste Gewinnbringer für Deutschlands größtes Zeitungshaus, und Boulevardtitel, die vom Straßenverkauf leben, würde eine Gratiszeitungsoffensive vermutlich unmittelbarer treffen als Abonnementblätter.

          Wachsende Nervosität

          Eine wachsende Nervosität beobachtet der Medienwissenschaftler Piet Bakker von der Universität Amsterdam aber nicht nur bei Springer. Bakker, ein glühender Verfechter des Gratiszeitungs-Geschäftsmodells, betreibt eine Homepage (http://users.fmg.uva.nl/pbakker/freedailies/), auf der er akribisch über die globalen Aktivitäten der Gratis-Zeitungsverlage informiert. "Die Zahl der Zugriffe auf meine Seite aus deutschen Verlagen ist sprunghaft gestiegen", erzählt der Niederländer.

          Bild: F.A.Z.

          Aus der Luft gegriffen sind die Befürchtungen der Verlage nicht. Vor allem Schibsted hat in Deutschland in den vergangenen Monaten bei den Verlagen die Runde gemacht, um Partner für die Einführung eines Gratisblattes zu finden. Angeblich soll mittlerweile aber auch die Stuttgarter Holtzbrinck-Gruppe ("Tagesspiegel", "Handelsblatt"), der bisher ein gesteigertes Kooperationsinteresse nachgesagt wurde, Schibsted einen Korb gegeben haben.

          Auch bei den Verkehrsbetrieben großer Städte sind die Norweger vorstellig geworden. Denn verteilt werden die Blätter üblicherweise vor allem in U-Bahnhöfen. Aus Schibsted-Präsentationen bei Verkehrsbetrieben geht hervor, daß der Verlag den Aufbau eines deutschlandweiten Gratiszeitungsnetzes erwägt. In der ersten Phase seien Blätter in Berlin, dem Ruhrgebiet, Hamburg, Stuttgart, Köln Frankfurt, München und Düsseldorf geplant, heißt es da. Später sollen Nürnberg, Bremen, Münster und Karlsruhe folgen.

          „Wir wollen diesen Unsinn verhindern“

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