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Kommentar : Respekt für Marissa Mayer

  • -Aktualisiert am

Yahoo-Chefin Marissa Mayer bekommt Zwillinge. Ist eine Spitzenkarriere mit der Familie vereinbar? Für Marissa Mayer schon. Diese Position hat sie sich selbst erarbeitet.

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          Ist eine Spitzenkarriere mit der Familie vereinbar? Indra Nooyi, Vorstandsvorsitzende des amerikanischen Getränke- und Lebensmittelkonzerns Pepsico und Mutter zweier erwachsener Töchter, hat daran vor einiger Zeit ihre Zweifel geäußert. In bemerkenswerter Offenherzigkeit erzählte sie in einem Interview von ihren Schuldgefühlen, als sie wegen ihrer Arbeit Momente im Leben ihrer Kinder verpasste. „Ich denke nicht, dass Frauen alles haben können“, hieß ihr ernüchterndes Fazit.

          Ganz andere Töne schlägt dagegen Marissa Mayer an, die Vorstandsvorsitzende des Internetkonzerns Yahoo. Sie übernahm den Posten im Jahr 2012, als sie schwanger war, und kündigte bei ihrem Antritt an, sie wolle nur eine ganz kurze Auszeit nehmen. Tatsächlich war sie zwei Wochen nach der Geburt ihres Sohnes Macallister wieder Vollzeit im Büro und vermittelte den Eindruck, es sei ein Leichtes, die Doppelbelastung als Mutter und Top-Managerin unter einen Hut zu bringen. „Das Baby ist viel einfacher, als jeder vorher getan hat. Ich denke, ich hatte wirklich Glück.“

          Jetzt bekommen Mayer und ihr Mann, ein Investor, wieder Zuwachs, diesmal sogar gleich doppelt in Form von Zwillingen. Wieder will sich Mayer davon in ihrer Arbeit kaum bremsen lassen. Sie kündigte an, an die neue Schwangerschaft und die kommende Geburt genauso heranzugehen wie bei ihrem ersten Kind. Soll heißen: Durcharbeiten und bald wieder ins Büro zurückkehren.

          Finanziell komfortable Position

          Manche mögen Mayer als Vorbild sehen, andere als abschreckendes Beispiel für eine Frau, der Karriere über alles geht. In jedem Fall taugt sie nur bedingt als Messlatte für andere Frauen. Mayer ist in einer finanziell sehr komfortablen Position und hat weitaus mehr Ressourcen als die meisten anderen Frauen zur Verfügung. Das zeigt sich daran, dass sie nach der Geburt ihres Sohnes neben ihrem Büro bei Yahoo auf eigenen Kosten ein Babyzimmer einrichten ließ. Eine solche Option dürften die meisten anderen Yahoo-Mitarbeiterinnen nicht haben.

          Aber dass Mayer in der Position für solche Arrangements ist, hat sie sich selbst erarbeitet. Sie ist damit im Silicon Valley ohne Zweifel eher die Ausnahme als die Regel, denn Frauen sind in der Branche noch immer stark unterrepräsentiert, wie aus den regelmäßig veröffentlichten Zahlen zur Zusammensetzung der Belegschaft von Technologieunternehmen hervorgeht. Dennoch hat es Mayer aus eigener Kraft in eine Position geschafft, in der sie viele Freiheiten hat. Sie balanciert Familie und Kinder nach ihren eigenen Bedingungen, und dafür verdient sie Respekt – aller Kompromisse zum Trotz, wie sie die Pepsico-Chefin angesprochen hat.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

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