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Wikipedia wird zehn : Das demokratisierte Lexikon

Wikipedia gehört zu den zehn meistbesuchten Internetseiten der Welt - und feiert nun Geburtstag Bild: dpa

Beim Start im Januar 2001 klang das Konzept abenteuerlich. An diesem Samstag aber wird Wikipedia zehn Jahre alt und ist eine der populärsten Internetseiten der Welt. Die Anfälligkeit für Fehler hat den Aufstieg nicht aufgehalten.

          In der Internetbranche herrscht in diesen Tagen wieder einmal Goldgräberstimmung: Das soziale Netzwerk Facebook ist in einer von Goldman Sachs geführten Finanzierungsrunde mit 50 Milliarden Dollar bewertet worden, die Schnäppchenplattform Groupon hat 950 Millionen Dollar von Investoren bekommen. Daneben nehmen sich die Summen, um die es beim Online-Lexikon Wikipedia geht, bescheiden aus.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wikipedia hat gerade 16 Millionen Dollar von Spendern eingesammelt, um seinen Betrieb in diesem Jahr finanzieren zu können. Das ist das Ergebnis des jährlichen Spendenaufrufs, mit dem sich Wikipedia-Gründer Jimmy Wales in einer Anzeige auf der Seite an seine Nutzergemeinde wendet. Das Geld kommt vor allem durch kleine Beträge von Privatpersonen zusammen, also nicht von professionellen Investoren. Diese überschaubaren Dimensionen spiegeln freilich nicht die gewaltige Bedeutung von Wikipedia wider.

          Das Online-Lexikon gehört zu den zehn meistbesuchten Internetseiten der Welt. Es hat die Art und Weise revolutioniert, wie Menschen sich Wissen beschaffen und für andere verfügbar machen – und damit klassische Enzyklopädieanbieter wie Brockhaus in eine Existenzkrise gestürzt.

          Jährlich startet Gründer Jimmy Wales einen Spendenaufruf, um Wikipedia zu finanzieren

          Wikipedia: 270 Sprachen, 17 Millionen Artikel

          An diesem Samstag wird Wikipedia zehn Jahre alt. Beim Start im Januar 2001 klang das Konzept zunächst abenteuerlich: Ein Gratis-Lexikon im Internet, das von den Nutzern selbst geschrieben wird. Jimmy Wales hatte sich vorher an einem traditionelleren Lexikonprojekt namens Nupedia versucht, das ebenfalls kostenlos im Internet angeboten wurde, dabei aber auf ausgewiesene Experten zurückgriff. Als er damit nur langsam vorankam, verfolgte er die viel radikalere Idee, den Entstehungsprozess für die Inhalte des Lexikons zu demokratisieren. Jeder, der sich berufen und kompetent fühlt, kann Einträge verfassen und verändern. Ohne jede Entlohnung.

          Recht schnell fand sich eine Armee von Freiwilligen, die Wikipedia bestücken – sei es, weil sie das als Dienst an der Gesellschaft verstehen, sei es aus purem Vergnügen oder aus einem Geltungsbedürfnis heraus. Die Zahl der Autoren geht inzwischen in die Millionen, und mit ihr ist Wikipedia rasant gewachsen und hat sich auf der ganzen Welt verbreitet. Heute gibt es Wikipedia in mehr als 270 Sprachen, auf den Seiten finden sich insgesamt 17 Millionen Artikel. Allein in der englischen Version sind es 3,5 Millionen, in der deutschen Fassung 1,2 Millionen.

          Der Haken an dem Mitmachprinzip ist freilich, dass Wikipedia dadurch anfällig für Fehler ist. Autoren können aus Unkenntnis, Jux oder auch aus bösem Willen falsche Informationen auf den Seiten plazieren – oder politische und religiöse Ansichten unterbringen. Kontrolliert werden sie nur von anderen Autoren und den Nutzern. Wikipedia hat über die Jahre hinweg immer mehr Mechanismen eingeführt, um dies so gut wie möglich zu verhindern.

          Zu jedem Zeitpunkt ist Unfug auf den Seiten zu finden

          So wachen etablierte Wikipedia-Nutzer als sogenannte Administratoren über die Inhalte, bei Einträgen zu besonders sensiblen Themen können Änderungen nicht von jedem Nutzer vorgenommen werden. Trotzdem ist es immer wieder zu öffentlichkeitswirksamen Patzern gekommen. Noch in schlechter Erinnerung ist der Fall Karl-Theodor zu Guttenbergs, der nach der Ernennung zum Wirtschaftsminister im Februar 2009 zu seinen zehn richtigen Vornamen noch einen falschen – Wilhelm – angedichtet bekam.

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