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Beliebtes Handyspiel : Wie pfiffige Geschäftsleute den Pokémon-Hype nutzen wollen

Menschenauflauf: Das Handyspiel Pokémon Go lockt viele junge Menschen nach draußen. Bild: AFP

Wenn alle Welt verrückt nach dem neuen Handyspiel Pokémon ist, profitieren davon nicht nur das Entwicklerstudio Niantic und der Spielehersteller Nintendo. Was so ein Hype alles auslöst.

          3 Min.

          Nun hat auch Deutschland das Pokémon-Fieber vollends erreicht. War es in der letzten Woche nur mit Tricks möglich, auch hierzulande an das Handyspiel zu gelangen, kann man seit gestern auch für Android und iOS-Geräte ganz offiziell nach den kleinen japanischen Monstern jagen. Der große Ansturm auf die App führt auch jetzt noch immer zu Serverproblemen bei der Entwicklerfirma Niantic. Wer sich neu anmelden will, muss derzeit fast immer den Weg über die Authentifizierung mit einem Google-Konto gehen - die zweite Anmeldeform als sogenannter „Pokémon-Trainer“, die via E-Mail funktioniert, ist gnadenlos überlastet.

          Jonas Jansen
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Einige warnen schon davor, dass das neue Handyspiel „alles verkörpert, was am heutigen Kapitalismus schief läuft“ wie Timothy Lee auf dem Internetportal Vox schreibt. Sein Punkt: Während man sich früher mit Freunden zum Kino oder zum Essen verabredet hat, verbringe man heute nur noch Zeit am Smartphone und gibt sein Geld höchstens virtuell aus - profitieren würden davon nur ein kleiner Teil, nämlich die ohnehin privilegierten Technologiefirmen.

          Allerdings übersieht Lee einen wichtigen Punkt: Ausgerechnet das von ihm kritisierte Spiel bringt die Nutzer nach draußen und hält sie in Bewegung. Wer also statt wie früher nur drinnen zu sitzen nun Kilometer durch Parks oder Stadtteile schlendert, bringt der lokalen Wirtschaft vielleicht mehr. Weil er ein Eis kauft beim Italiener, sich mit Getränken eindeckt am Kiosk (weil die unerwartete Reise erwartbar länger werden wird) oder sich gleich mit Freunden draußen verabredet um sich vielleicht in einer der vielen Arenen im Wettstreit zu messen - und dabei vielleicht Bier zu trinken oder zu grillen.

          Millardenumsatz prognostiziert

          Trotzdem verdient sich Nintendo mit dem Spiel natürlich eine goldene Nase: Das Analysehaus App Annie schätzt angesichts der großen Nachfrage in den App-Stores, dass der Umsatz mit Pokémon pro Jahr bei gut einer Milliarde Dollar liegen könnte - falls Nintendo das Bezahlmodell erweitert und die Serverprobleme in den Griff bekommt. Weitere Geschäftsmodelle sind denkbar, wie etwa Wearables, also Technik, die man am Körper trägt. So soll in Zukunft ein Armband die Spieler mit Vibration daran erinnern, wenn ein Pokémon in der Nähe ist. Dann würden vielleicht nicht mehr so viele Menschen mit dem Handydisplay vor der Nase durch die Straßen streunen.

          Gut ausgestattet: Manche nehmen sich sogar einen richtigen Pokéball mit für das virtuelle Spiel.
          Gut ausgestattet: Manche nehmen sich sogar einen richtigen Pokéball mit für das virtuelle Spiel. : Bild: AFP

          Größere Unternehmen versuchen auch, die Aufregungswelle mitzureiten, manchmal wirkt es etwas bemüht. Exxon Mobil etwa verschenkt Tankgutscheine an Pokémon-Spieler, die Tiere an Esso-Tankstellen fangen. Die KfW-Bankengruppe weist auf Twitter darauf hin, dass es auch bei ihnen Spielinhalte zu finden gibt.

          Gleichzeitig können vom Hype um Pokémon auch lokale Geschäfte profitieren. Manche Bars werben bereits damit, dass sich auf ihrem Gelände die sogenannten Pokéstops finden lassen, also Orte, an denen man Zubehör für das Spiel erhalten kann. Einige Geschäfte kleben sogar schon Zettel ins Schaufenster, dass doch bitte nur ihre Kunden bei ihnen auf Pokémon-Fang gehen sollen.

          Solange die Sucht nach dem Spiel noch anhält, wollen es auch Privatpersonen monetarisieren: Ein junger Vermieter aus Frankfurt etwa hat seine Wohnungsanzeige mit dem Hinweis versehen, dass es bei ihm in der Nähe einen Pokéstop gibt.

          Und dann ist da noch der Berliner Marjan Maletin, der in den Kleinanzeigen des Onlineauktionshauses Ebay folgende Nachricht geschrieben hat: „Ich biete euch die Möglichkeit, entspannt durch die Gegend gefahren zu werden, um ohne Ablenkungen Pokémon fangen zu können. Wir können durch ganz Berlin und Umland fahren, die Route und die Ziele bestimmt ihr selbst.“

          Kostenpunkt: 20 Euro pro Stunde. Wer sich mit Freunden zusammentut, teilt sich den Preis. Erst an diesem Donnerstagmittag ist die Anzeige online gegangen, ein Anruf beim Anbieter entlarvt das Geschäftsmodell allerdings schnell. Denn: ohne Taxilizenz darf man das nicht einfach so machen, das sagt Maletin sogar selbst. Er sei im Büro auf die Idee gekommen und habe es halb aus Scherz, halb aus Neugierde einfach mal eingestellt. Es habe sich aber noch kein Kunde gemeldet. Inzwischen wurde die Anzeige sogar gelöscht, weil andere Nutzer ihn mit dem Hinweis auf ein Gewerbe gemeldet haben.

          Für einen Taxidienst könnte das trotzdem zumindest derzeit ein Geschäftsmodell sein. Denn Pokémon fangen kann nur, wer sich auch bewegt. Das inspiriert pfiffige Internetnutzer schon zu Tricks. „Zählt das als Schummeln?“, fragt etwa ein Pokémon-Go-Spieler, der seine Drohne mit seinem Handy und einem Computer gekoppelt hat und davon Fotos ins Netz gestellt hat. Er jagt nun bequem vom Garten aus nach den virtuellen Fabeltieren.

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