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Smartphone-Anwendungen : Wie eine App zum Erfolg wird

Alles so schön bunt: App sind zu einem Milliardengeschäft geworden. Bild: dpa

Ist eine App im Urteil der Nutzer einmal durchgefallen, ist kaum noch etwas zu retten. Schon vor dem Start werden die kleinen Programme deshalb umfassend getestet – und auch danach gibt es viel zu analysieren.

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          Es dauert oft nur ein paar Sekunden, schon ist das kleine Programm auf das Smartphone runtergeladen. Und dann kann es losgehen: Ob man nun chatten, sich eine Pizza bestellen, Schuhe kaufen oder Musik hören will - ist eine App gut gemacht, kann sie das Leben leichter machen. Doch wie viel Arbeit dahintersteckt, genau das zu erreichen, sieht man ihr oft nicht an.

          Britta Beeger
          Redakteurin in der Wirtschaft und zuständig für „Die Lounge“.

          „Seit der Erfindung des App Stores von Apple ist der Markt rasant gewachsen. Die Unternehmen sind aber lange nicht damit hinterhergekommen, Qualität zu liefern“, sagt Jan Wolter, Mitgründer und Geschäftsführer des Europa-Geschäfts von Applause. Sein Unternehmen will genau dabei helfen: Es testet schon vor der Veröffentlichung, ob eine App technisch stabil ist - also ob sie nicht abstürzt und keine Fehlermeldungen produziert -, ob sie benutzerfreundlich ist und ob die Daten der Nutzer vor Hackern geschützt sind. Rund 175.000 Tester hat Applause in mehr als 200 Ländern. Unter den inzwischen mehr als 2000 Kunden sind bekannte Namen: So greifen etwa der Internetkonzern Google, der Online-Versandhändler Amazon und die Videostreamingplattform Netflix auf die Dienste zurück.

          Milliardenumsätze mit Apps

          Dass mit Applause und anderen Anbietern mal eine eigene Industrie rund um die Zusatzprogramme für das Smartphone entstehen würde, war 2007 noch nicht zu erahnen. Als Apple in San Francisco sein erstes iPhone präsentierte, waren darauf nur wenige Apps vorinstalliert. Erst mehr als ein Jahr später eröffnete Steve Jobs den App Store - und seitdem gibt es kein Halten mehr. 1,4 Millionen Apps hat er heute im Angebot, mehr als 85 Milliarden Apps haben Nutzer bislang runtergeladen - und das sind nur die Zahlen für den App Store von Apple. Der Konkurrent Google Play hat ebenfalls mehr als 50 Milliarden Downloads zu verzeichnen. 99 Milliarden Dollar Umsatz sollen bis zum Jahr 2019 mit Apps umgesetzt werden, schätzt das britische Marktforschungsunternehmen Juniper Research. Entsprechend wichtig ist es für Unternehmen, hier präsent zu sein - und die Nutzer von ihrem Angebot zu überzeugen.

          Bild: F.A.Z.

          „Viele fallen erst auf die Nase, erhalten für eine App schlechte Bewertungen und kommen dann zu uns“, sagt Wolter von Applause. Doch ist eine App im Urteil der Nutzer einmal durchgefallen, ist es schwer, sie noch zu einem Erfolg zu führen. „Dann wird sie von anderen erst gar nicht runtergeladen“, sagt Wolter. Applause testet Apps deshalb schon vor dem Start auf verschiedenen Geräten wie etwa Smartphones, Tablets und Smartwatches, auf verschiedenen Betriebssystemen wie Apples iOS oder Googles Android, in verschiedenen Ländern und unterschiedlichen Sprachen. Selbst große und auf der ganzen Welt tätige Unternehmen wie Google können solch umfangreiche Prüfungen selbst nicht leisten, weil sie nicht die Ressourcen dafür haben und weil sie betriebsblind sind für die Probleme, die in der Praxis auftauchen.

          Zahl der Downloads nicht mehr das alleinige Erfolgskriterium

          Wie viele Tester in wie vielen Ländern gebraucht werden und welche Geräte sie benutzen, hängt davon ab, in welcher Breite und Tiefe eine App getestet werden soll. Im Durchschnitt dauern die Tests drei Tage - es kann aber auch mal bis zu ein Monat sein. Von 2000 Euro im Monat bis zu einem siebenstelligen Betrag im Jahr kassiert Applause dafür. Anders als bei vielen anderen Geschäftsmodellen, die viel mit freien Mitarbeitern arbeiten, verdienen die Tester von Applause nach Unternehmensangaben gut, manche bis zu sechsstellige Beträge im Jahr. „Viele unserer Tester sind gefragt und könnten auch in die freie Wirtschaft gehen, da müssen wir ihnen ordentlich was bieten“, sagt Wolter. Alle Mitarbeiter müssen allerdings eine Verschwiegenheitsklausel unterschreiben, schließlich bekommen sie Anwendungen, aber auch neue Geräte, bevor sie überhaupt auf dem Markt sind.

          Apps als Kunstobjekte : Die Kunst mit dem Klick

          Von all dem bekommt der Nutzer wenig mit. Und noch etwas anderes geschieht weitgehend im Verborgenen: Denn die Anbieter analysieren heute nicht mehr nur die Software und die Benutzerfreundlichkeit ihrer Apps. Sie werten auch aus, wie oft ein Nutzer eine App öffnet, wie viel Zeit er darin verbringt und wie oft er tatsächlich etwas kauft. Denn die Zahl der Downloads gilt heute nicht mehr als alleiniger Maßstab für den Erfolg oder Misserfolg einer App. Was würde das auch bringen, wenn auf dem Bildschirm zwar das Icon einer im Zweifelsfall kostenlosen App auftaucht, aber nie jemand reinklickt und etwas kauft?

          Spezialisiert auf diese Fragen hat sich als einer von mehreren Anbietern das Berliner Unternehmen Adjust. 2012 in Berlin gegründet, ist es nach drei Jahren schon profitabel, was für ein Start-up ungewöhnlich schnell ist. Einen mittleren bis oberen zweistelligen Millionenbetrag setzt das Unternehmen nach eigenen Angaben um und zählt ebenfalls namhafte Anbieter zu seinen mehr als 1500 Kunden, darunter den Musikstreamingdienst Spotify, den Essensbestelldienst Lieferheld, die Lauf-App Runtastic sowie den Taxi-Konkurrenten Uber. Mitgründer Christian Henschel weiß, warum es für die App-Anbieter so wichtig ist, ihre Kunden gut zu kennen: „Ein Nutzer, der beispielsweise bei einem Lieferdienst alle paar Tage etwas zu essen bestellt, ist natürlich viel wertvoller als einer, der das nur einmal im Monat tut.“ Wenn man diese Kunden kenne, könne man ihnen besondere Angebote unterbreiten, etwa in Form von Gutscheinen oder Rabattaktionen.

          Technisch funktioniert das, indem Adjust in der App einen Code hinterlegt, der die Daten auswertet. So lässt sich auch ermitteln, wie es dazu kam, dass ein Nutzer sich die App runtergeladen hat, ob er beispielsweise durch eine E-Mail oder durch eine Google-Suche darauf aufmerksam wurde. Auch das ist eine wertvolle Information, denn so lässt sich rausfinden, welche Marketingaktionen gut funktionieren und welche nicht, so dass man in diese Bereiche entsprechend investieren kann. Auf 1,3 Milliarden Smartphones ist Adjust inzwischen mit mindestens einer App vertreten - „ohne den Datenschutz zu verletzen“, wie Mitgründer Henschel sagt.

          Künftig will Adjust anhand der vorhandenen Daten noch stärker analysieren, wie eine App so verbessert werden kann, dass die Nutzer häufiger wiederkommen. Und: Vieles, was heute noch von Hand eingestellt werden muss, soll automatisch ablaufen - etwa den Kunden besondere Angebote zu unterbreiten. Nach drei Finanzierungsrunden, in denen Adjust insgesamt 12 Millionen Euro einsammelte, bräuchte es für das operative Geschäft erst mal kein frisches Geld. Trotzdem denkt es laut Henschel über eine weitere Runde nach, um schneller bessere Werkzeuge zur Analyse der Daten und zur Personalisierung des Angebotes zu entwickeln. Auch überlegt Adjust, das eine oder andere Unternehmen zu kaufen, und führt erste Gespräche. Sicher scheint: Die Dienste der Unternehmen hinter den Apps werden weiter gefragt sein.

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