https://www.faz.net/-gqe-80ri1

Smartwatch „Pebble“ : Wie ein David gegen Apple kämpft

Das neueste Modell Pebble Time erscheint im Sommer diesen Jahres. Bild: Pebble

Das Startup Pebble hat seit zwei Jahren eine Smartwatch auf dem Markt - und hat sie zu den beliebtesten der Welt gemacht, gegen Konkurrenten wie Samsung. Wie kann sich die Uhr gegen Apple & Co. behaupten?

          3 Min.

          Der Zeitpunkt war clever gewählt: Genau zum Mobile World Congress Ende Februar, als sowieso alle Welt auf neue Technologie schaute, stellte das noch junge Unternehmen Pebble Technology sein neuestes Werk vor: Eine Smartwatch mit Farbdisplay, auf den Namen Pebble Time getauft. Das klingt ganz unspektakulär, aber obwohl noch nicht einmal auf dem Markt, reißen die Kunden sich um die neue intelligente Uhr. Teilweise brachen die Internetserver für die Bestellseite zusammen, innerhalb von zwei Wochen fanden sich durch Crowdfunding 67.000 Menschen, die bisher mehr als 17 Millionen Dollar gaben. Das besondere: Pebble Technology ist kein großes Unternehmen, sondern erst vier Jahre jung. Und gefördert wird es zwar auch von Wagniskapitalgebern, aber vor allem durch Crowdfunding.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Bei dieser besonderen Form des Geldsammelns geben viele Leute eher kleine Beträge. Als Belohnung erhalten sie dann ein Dankeschön - etwa eine Tasse oder ein T-Shirt - , für größere Beträge dann auch das ganze Produkt, in dem Fall die Pebble. Doch warum musste sich Eric Migicovsky, der CEO von Pebble Technology, Geld durch Crowdfunding besorgen? Als er das Unternehmen im Jahr 2011 gründete,  fand er mit Tim Draper vom Wagniskapitalgeber Draper Fisher Jurvetson nur einen Geldgeber mit einer Anschubfinanzierung in Höhe von 375.000 Dollar. Doch danach gab es eine Flaute – niemand wollte die Idee unterstützen.

          Apple Keynote : Das sind die Alternativen zur Apple Watch

          Nur aus Verzweiflung heraus entstand die Pebble

          Migicovsky erklärte später, er sei davon nicht überrascht gewesen, denn für Hardware sei es schwieriger, Wagniskapitalgeber zu finden als für Software. Und so entschied sich Migicovsky aus einem Akt der Verzweiflung heraus, sein Projekt auf der größten Crowdfunding-Plattform Kickstarter einzustellen. Die restliche Geschichte ist schnell erzählt: Die ersten 100.000 Dollar wurden innerhalb von zwei Stunden gesammelt, am Ende standen 10,3 Millionen Dollar zu Buche, die von  knapp 70.000 Menschen gegeben wurden, um die Uhr zu realisieren - ein neuer Rekord für Crowdfunding.

          Damit war die Pebble einer der Antreiber für den Boom von Smartwatches. Bisher wurden 1 Million der Smartwatches verkauft, allein geschätzte 700.000 Stück im Jahr 2014. Damit ist das Start-Up bisher die Nummer 2 auf dem Smartwatch-Markt, lediglich der Multimilliardenkonzern Samsung verkaufte im Vorjahr mehr Smartwatches. Doch zum Vergleich: Während die Koreaner 625.000 Menschen beschäftigen, hat das amerikanische Unternehmen Pebble lediglich 130 Angestellte. Selten war der oft bemühte sprachliche Vergleich von David gegen Goliath passender. Und nun wird Apple seine Smartwatch vorstellen.

          Die Pebble ist unterlegen - und doch besser

          Auf den ersten Blick ist die Pebble ihrem Konkurrenten in jeder Hinsicht unterlegen. Zwar zeigt sie auch Nachrichten und E-Mails an und man kann mit ihr den MP3-Player auf dem Handy steuern. Aber der Bildschirm löst lediglich mit 144 mal 168 Pixel auf und hat nur ein schwarz-weiß Display. Auch fehlen Fitnesssensoren oder ein Touchscreen und ähnlicher Schnickschnack. Doch was wie ein Nachteil scheint, entwickelte sich für die Uhr zum Vorteil. Sie hat dadurch eine Akku-Laufzeit von einer Woche, während die Konkurrenten nur einen Tag bieten. Und das Display, welches auf der selben Technologie beruht wie E-Book-Reader (E-Ink), ist deshalb auch bei hellster Sonneneinstrahlung lesbar im Gegensatz zu den Konkurrenten.

          Doch auch die Pebble hatte Kinderkrankheiten, da wäre zum Beispiel die Lieferzeit: Noch im September 2012 sollte die erste Smartwatch damals herauskommen, doch wegen des großen Erfolges erschienen die ersten intelligenten Uhren von Pebble erst im Januar 2013. Die Verzögerung wurde damit begründet, dass ursprünglich nur 1000 Uhren gebaut werden sollten, es am Ende aber 85.000 Uhren waren. In Deutschland erschienen sie wegen Problemen mit dem CE-Zeichen sogar erst im September 2013.

          Das Display macht auch in allen schwarz-weiß Fassungen Probleme und zeigt manchmal nur Grieß an. Kinderkrankheiten eines jungen Unternehmens, doch mit der Pebble Time muss das Start-Up nun zeigen, dass es den Kinderschuhen entwachsen ist und wirklich für das Konzert der großen Spieler bereit ist. Denn als die Pebble im Jahr 2013 erschien, war sie quasi alleine auf dem Markt. Nun gibt es aber viele Konkurrenten, um mit Samsung, Sony und jetzt auch Apple nur wenige zu nennen. Pebble setzt bei seinem neuesten Modell auch da an, wo das alte Modell aufhörte: Es hat ebenfalls ein E-Ink-Display, allerdings nun in farbig und mit 64 Farben. An der Akkulaufzeit soll sich mit 7 bis 10 Tagen nichts ändern.

          Damit macht Pebble das, was auch eines der Erfolgsgeheimnisse von Apple war: auf den Nutzer hören. Zumindest bisher wollen die Pebble-Nutzer offensichtlich nicht viel technischen Schnickschnack, sondern eine Uhr, die etwas mehr kann als eine normale Armbanduhr und dabei auch noch eine gewisse Akkulaufzeit hat. Auch beim zweiten Punkt hat Pebble von Apple gelernt: dem Marketing. Denn Pebble selbst bewirbt sein Produkt mit „Großartige Smartwatch ohne Kompromisse“, dazu sind witzige Videos bereit gestellt und jede noch so kleine Selbstverständlichkeit wird als Feature verkauft. Das dritte Erfolgsgeheimnis ist zum Schluss der Preis: 150 Dollar kostete das erste Smartwatch-Modell. Selbst das modernste Modell mit Gorilla-Glas und einem Stahlgehäuse kostet im Moment lediglich 250 Dollar. Zum Vergleich: Bei Apple wird es das günstige Modell wohl erst ab 350 Euro geben.

          Trotzdem: Apple ist überzeugt vom Markstart seiner Uhr und möchte allein 5 bis 6 Millionen Stück zum Marktstart an den Mann bringen – damit wären das so viele Uhren, wie alle anderen Hersteller im Vorjahr verkauft haben.

          Selbst wenn man Fitnessarmbänder und Smartwatches zusammen rechnet, hält sich die Pebble sehr gut.
          Selbst wenn man Fitnessarmbänder und Smartwatches zusammen rechnet, hält sich die Pebble sehr gut. : Bild: FAZ.NET/Statista - Lizenz: CC BY-ND 3.0

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Sie oder er? Robert Habeck und Annalena Baerbock auf dem digitalen Bundesparteitag der Grünen

          Grüne im Managervergleich : Habeck oder Baerbock?

          Noch ist es geheim: Erst am Montag wollen die Grünen bekanntgeben, wen sie für die Kanzlerkandidatur ins Rennen schicken. Aber wer von beiden hat das Zeug dazu? Ein Blick auf die wichtigsten Managereigenschaften.

          Livestream : Was sagen Spahn und Wieler zur aktuellen Corona-Lage?

          Die Zahl der Neuinfektionen nähert sich abermals der Marke von 30.000 und auch die bundesweite Inzidenz steigt am Donnerstag deutlich. Bundesgesundheitsminister Spahn und RKI-Präsident Wieler informieren über das Infektionsgeschehen.

          Attila Hildmann : Für ihn sind alle Feinde Juden

          Attila Hildmann ist vor der Justiz in die Türkei geflohen. Dort lässt er seinem Antisemitismus nun freien Lauf. Vorher nutzte er noch Codewörter, die auch bei manchen Querdenkern und Corona-Leugnern beliebt sind.
          „Querdenker“-Demonstration in Stuttgart

          Corona-Klagen : Das Geschäft mit den Maskenmuffeln

          Verbraucheranwälte haben eine neue Goldgrube entdeckt: Mit Verfahren gegen Masken- und Testpflicht an Schulen lässt sich ordentlich Kasse machen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.