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Werbung nicht gekennzeichnet : Angebliche Testseiten im Internet abgemahnt

Wer eine neue Matratze kaufen möchte, sucht im Internet oft vorher nach Erfahrungsberichten. Bild: dapd

Wer nach Haushaltsgeräten sucht, stößt schnell auf Produkttests. Doch viele Anbieter sind unseriös und alles andere als neutral. Die Wettbewerbszentrale geht nun dagegen vor.

          2 Min.

          Wer plant, sich ein neues Bügeleisen, einen Kühlschrank oder eine Matratze zu kaufen, sucht im Internet häufig zunächst nach Erfahrungsberichten oder Tests. Besonders bei Produkten, die Kunden nur über das Internet bestellen und nicht vorher selbst ausprobieren, sind solche Einschätzungen wichtig. Im Internet gibt es deshalb zahlreiche Seiten, die solche Tests anbieten.

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Hendrik Wieduwilt

          Redakteur der Wirtschaft in Berlin, zuständig für „Recht und Steuern“.

          Ein Kunde landet also womöglich auf den Seiten der Stiftung Warentest – doch im Internet gibt es auch reichlich rechtswidrige Angebote, die mit vermeintlichen Tests nur täuschen und dadurch ihre Umsätze erwirtschaften. Die Wettbewerbszentrale in Bad Homburg hat jetzt 14 von ihnen abgemahnt. Es ist ein im Internet seit Jahren verbreitetes Geschäftsmodell: Wer etwa in einem Blog über ein Produkt schreibt, verlinkt noch zu einem Händler, wie etwa Amazon. Als Service, falls der Leser das Produkt direkt kaufen möchte. Doch auch der Händler profitiert, denn er verdient an diesem Link eine Provision. Manchmal, wenn der Kunde etwas kauft, manchmal schon durch den Klick selbst. Das nennt sich Affiliate Marketing, und es hat den Haken, dass die Provision natürlich einen Anreiz setzt, das Produkt besonders positiv darzustellen.

          Werbung nicht ausreichend gekennzeichnet

          Auf den kritisierten Seiten warben die Anbieter nun mit „Matratzen Test“ oder „Waschmaschinen Test“. Teilweise wurde das Wort „Test“ als Bestandteil des Website-Namens benutzt, weil das die Position bei Googles Suchtreffern verbessern kann. Der Eindruck also: Hier beugen sich neutrale Tester über die Produkte.

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          Die Wettbewerbszentrale moniert allerdings, dass die Seiten das Affiliate Marketing nicht oder nicht ausreichend kennzeichnen. Die „Testseiten“ hätten häufig den Eindruck erweckt, die Produkte selbst untersucht zu haben, teilen die Wettbewerbshüter mit, manchmal wurden sogar „Testsieger“ gekürt. Doch was ein Test ist, legt das Recht fest: „Für die Werbung mit einem Test ist Voraussetzung, dass der Test objektiv, sachkundig und repräsentativ durchgeführt wurde“, heißt es.

          Testseiten hängen zusammen

          Die Anbieter müssten über ihr Affiliate-Programm informieren, fordert die Wettbewerbszentrale. Es sei „erforderlich, die Information über die Teilnahme am Affiliate-Programm an deutlich sichtbarer Stelle bereitzuhalten, ebenso wie das dahinterstehende Geschäftsmodell an deutlich sichtbarer Stelle zu erläutern“. 12 der angeschriebenen Anbieter haben bereits erklärt, ihre Seiten nicht mehr wie bislang anzubieten.

          Auch auf Nachfrage geben die Wettbewerbshüter nicht bekannt, wen sie abgemahnt haben, einzig, dass es mehrere Beschwerden von unterschiedlichen Stellen gab und die erste schon im letzten Jahr auflief. Vor allem im Markt mit dem Online-Verkauf von Matratzen ist der Markt hart umkämpft. So liegen dieser Zeitung mehrere Abmahnungen vor, die das Unternehmen Bett1.de auch gegen solche vermeintlichen Vergleichsportale erwirkt hat. So wurde etwa der Internetseite matratzen-tests.com schon im November 2016 vorgeworfen, irreführend geworben zu haben. Das Impressum der Seite weist dieselbe Person als Verantwortlichen aus etwa für die Seiten matratzen-tests.org und matratzen-test24.org. Auch das Landgericht Berlin hatte in einem Urteil das Geschäftsmodell solcher Testseiten grundlegend in Frage gestellt.

          Der Kreativität im Geschäft mit Suchtreffern ist groß. Bezahlte Anzeigen wie sie etwa von Google mit dem Programm Adwords vermittelt werden, haben unterschiedliche Preise. Wenn Händler viel verkaufen, etwa kurz vor Weihnachten, werden Anzeigen teurer, die ganz oben in der Suche gelistet werden. Zum Marketing im Onlinehandel hat sich zur klassischen Suchmaschinenoptimierung längst auch Suchmaschinenwerbung hinzugesellt. Das mag Kunden mitunter verwirren. Und treibt die Suche nach einer soliden Einschätzung vor einem Kauf an: Der Matratzentest von Stiftung Warentest ist einer der meist abgerufenen überhaupt.

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