https://www.faz.net/-gqe-7lvv2

Werbeblocker : Google soll 25 Millionen Dollar an Adblock Plus gezahlt haben

Adblock Plus ist der weltweit meistgenutzte Werbeblocker Bild: dpa

Werbeblocker sollen Werbung blockieren. Manche Anzeigen lässt Adblock Plus aber trotzdem durch. Und lässt sich das offenbar gut bezahlen. Zum Beispiel von Google.

          Werbeblocker haben eine klare Aufgabe: Sie blockieren Werbung im Internet. Wer sich beim Surfen durch Bilder, Animationen, Pop-Ups oder Textanzeigen gestört fühlt, lädt sich einfach das entsprechende Programm runter und schon surft er werbefrei. So lautet zumindest das Versprechen.

          Britta Beeger

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Einige Anzeigen lassen Werbeblocker aber trotz dieses Versprechens durch. So wird bei Adblock Plus, dem weltweit meistgenutzten Werbeblocker, schon seit Ende 2011 „akzeptable Werbung“ nicht mehr geblockt. Welche Werbung „akzeptabel“ ist, hat die hinter Adblock Plus stehende Firma Eyeo selbst festgelegt: Sie muss unaufdringlich sein, darf also keine Animationen, Sounds oder aufmerksamkeitserregenden Bilder enthalten.

          Um in die sogenannte Whitelist des Programms aufgenommen zu werden – also die Liste der Webseiten, deren Werbung Adblock Plus weiter anzeigt – müssen große Unternehmen zahlen: Nach Recherchen des Bloggers Sascha Pallenberg, die FAZ.NET vorab vorlagen, zahlt Google dafür 25 Millionen Dollar (18,45 Millionen Euro).

          Auch Amazon und Ebay sollen zahlen

          Schon im Juni 2013 hatte Pallenberg, Betreiber der Seite www.mobilegeeks.de, schwere Vorwürfe gegen Eyeo erhoben: Die Firma unterhalte ein „mafiöses Werbenetzwerk“ und setze die Internetseiten von Geschäftsfreunden auf die Whitelist; wer nicht zu den Geschäftsfreunden zähle, müsse sich seinen Platz auf der Liste hingegen erkaufen. Google bestätigte damals gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dass es auf der Whitelist steht und dafür zahlt. Nur wie viel Geld Google  genau an die Macher von Adblock Plus überweist, das wollte der Suchmaschinenkonzern nicht verraten.

          Nach Pallenbergs Informationen ist Google nicht das einzige Unternehmen, das für die Aufnahme in die Whitelist zahlt: Der größte Online-Händler Amazon und die Auktionsplattform Ebay sollen zusammen ebenfalls noch einmal fünf Millionen Euro überweisen. Und auch von Yahoo soll Adblock Plus Geld bekommen, in welcher Höhe ist jedoch nicht bekannt.

          Die Zahlen sind Pallenberg nach eigenen Angaben von einer ihm langjährig persönlich bekannten Quelle aus dem Umfeld von Eyeo bestätigt worden. Google und Eyeo wollten sich am Freitag zu den Zahlen nicht äußern. Eyeo teilte in einer Stellungnahme mit: „Wie wir auf unserer Webseite ausführlich erklären, zahlen einige Teilnehmer unserer Acceptable Ads Initiative eine Gebühr. Zu deren Höhe machen wir keine Angaben.“ Aus dem Umfeld des Unternehmens hieß es, die nun genannten Zahlen seien „de facto falsch“. Den Vorwurf, das Unternehmen bevorzuge seine eigenen Geschäftspartner, hatte Eyeo schon im Juni energisch zurückgewiesen. Ebay teilte am Freitag mit, es gebe keinen Vertrag zwischen Ebay und Adblock Plus oder Eyeo. Für die Aufnahme in die „Acceptable Ads“ sei „nie Geld geflossen“.

          Google entgehen Einnahmen von 887 Millionen Dollar

          Dass große Unternehmen für die Aufnahme in die Whitelist zahlen, bestreiten die Macher von Adblock Plus jedoch nicht. Für Blogs und Nachrichtenseiten ist das äußerst ärgerlich: Adblock Plus untergräbt zunächst das Geschäftsmodell von Unternehmen wie Google, aber auch von Blogs und Nachrichtenseiten – und schaltet die Seiten dann gegen Zahlung eines Geldbetrags wieder frei. Auch die F.A.Z. hat ihre Leser im April dazu aufgerufen, für FAZ.NET eine Ausnahmeregel in dem Werbeblocker einzurichten. Für Google liegt es dennoch im Interesse des Unternehmens, für die Aufnahme in die Whitelist zu zahlen: Wie der Blog „Business Insider„ berichtet, entgingen Google allein Jahr 2012 ganze 887 Millionen Dollar Umsatz durch geblockte Werbeanzeigen. Dagegen wären 25 Millionen Dollar ein vergleichsweise geringer Betrag. 

          Eyeo bezeichnet die Zahlungen für die Aufnahme in die Whitelist als „Aufwandsentschädigung“. Tatsächlich kann die Pflege dieser Whitelist jedoch keinen großen Aufwand bedeuten: Die Liste ist schlicht eine Aneinanderreihung von Internetseiten, Domains, Subdomains und Länderendungen. Die entsprechenden Internetseiten müssen nur kopiert und in die Liste eingefügt werden, beschreibt Pallenberg. Der Adblocker selbst sei so programmiert, dass er die jeweils aktuelle Liste in regelmäßigen Abständen auf den Rechner des Benutzers lädt.

          Viel aufwändiger scheint hingegen die Pflege der sogenannten Blacklist zu sein, der Liste also mit allen Filtern, die jedes nur erdenkliche Werbebanner im weltweiten Netz ausblenden sollen. Diese Liste ist nach Pallenberg 1,19 Megabyte groß und 39.998 Zeilen lang. Die Whitelist bringe es hingegen nur auf 231 Kilobyte und 4026 Zeilen. Pallenbergs Vermutung: Google und die anderen Unternehmen zahlen dafür, dass Adblock Plus noch mehr Werbung blocken kann, um dann wiederum noch mehr „Aufwandsentschädigungen“ zu kassieren.  „Adblock Plus ist kein Werbeblocker, es ist ein Konkurrenzblocker“, sagt er. Als nächstes soll das Unternehmen Facebook und Twitter ins Visier genommen haben.

          Weitere Themen

          China und Deutschland im Schulterschluss Video-Seite öffnen

          Neue Finanz-Kooperation : China und Deutschland im Schulterschluss

          Deutsche und chinesische Finanzunternehmen können künftig einfacher im jeweils anderen Land Fuß fassen. Das verhandelten Bundesfinanzminister Olaf Scholz und der chinesische Vize-Regierungschef Liu He am Freitag in Peking.

          Topmeldungen

          TSG Hoffenheim : Her mit dem Bayern-Hattrick!

          Zwei Siege über den FC Bayern kann sich Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann bereits in die Vita schreiben. Damit der Hattrick gelingt, müssen die Hoffenheimer jedoch einen Hinrundenfluch besiegen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.