https://www.faz.net/-gqe-8z5h1

Ein Jahr nach dem Hype : Wer spielt eigentlich noch Pokémon Go?

Auf Monsterjagd: Pokémon-Go-Spieler in Tokio Bild: AP

Vor einem Jahr zog das Smartphone-Spiel Millionen in seinen Bann. Mittlerweile ist die Begeisterung abgeflacht. Doch die Entwickler profitieren auch ohne Hype von der Monsterjagd.

          3 Min.

          Sie sind nicht mehr so leicht zu finden wie noch im Hochsommer des Jahres 2016, aber sie sind noch da: Pokémon-Jäger streifen auch heute noch durch Deutschlands Städte. In Gruppen etwa auf Facebook verabreden sie sich zur gemeinsamen Jagd, tauschen Tipps und spannende Plätze aus und informieren sich, wenn es Neuigkeiten zu dem Smartphone-Spiel Pokémon Go des japanischen Spieleherstellers Nintendo gibt, das rund um die Welt mehr als 750 Millionen Mal heruntergeladen wurde. In jeder größeren Stadt in Deutschland gibt es solche Gruppen noch, nur sind sie nicht mehr so sichtbar. Wurde auf dem Höhepunkt des Hypes um das Smartphone-Spiel in Düsseldorf sogar eine Brücke für Autofahrer gesperrt, weil sich so viele Monsterjäger auf ihr tummelten, muss man inzwischen schon sehr genau hinschauen, um die meist mit Smartphones und mobilen Ladestationen ausgestatteten Spieler zu entdecken.

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Auch wenn der große Rummel vorbei ist, profitieren die Macher knapp ein Jahr nach dem Start der App noch heute von den treuen Spielern. Denn obwohl der Download kostenlos ist, fließen für das amerikanische Entwicklerstudio Niantic und die Pokémon Company, an der Nintendo mehr als 30 Prozent hält, noch jeden Monat Millionen Dollar an Einnahmen aus dem Spiel. Nach Daten des Marktforschungsinstitutes Sensor Tower waren es im Mai knapp 12 Millionen Dollar Umsatz. Trotz dieser Zahlen stehen die Entwickler unter einem gehörigen Erwartungsdruck: Als die japanischen Monster vor knapp einem Jahr in die App Stores kamen, brachen sie gleich alle Rekorde: Innerhalb von 60 Tagen wurde das Programm mehr als 500 Millionen Mal heruntergeladen, im Juli kamen jeden Tag Umsätze von 18 Millionen Dollar zusammen. Die Marke von einer Milliarde Dollar Umsatz hat Pokémon Go längst überschritten.

          Nur geringer Anteil an den Umsätzen im App Store

          Allerdings ist es nicht leicht für Entwickler, Nutzer an die Apps zu binden. Nur wenige Programme wie die von Facebook, Snapchat oder Whatsapp schaffen es, regelmäßig über Monate immer wieder geöffnet zu werden. Trotz steigender Smartphone-Nutzung öffnen die Besitzer jeden Monat im Schnitt nur 30 verschiedene Apps. Die Aufmerksamkeitsspanne für die Programme schwindet schnell.

          Vor allem Spiele kämpfen damit, dass Nutzer irgendwann gelangweilt sind und weiterziehen. Der Technik „Augmented Reality“ (AR), also der erweiterten Realität, bei der virtuelle Inhalte in die reale Umgebung projiziert werden, wurde auf dem Höhepunkt des Hypes um Pokémon auch für andere Spiele eine große Zukunft vorhergesagt. Allerdings sind im Spielemarkt große Innovationen mit AR bislang ausgeblieben, viel mehr Ideen als japanische Monster an Brunnen oder Denkmälern auftauchen zu lassen, gab es bislang nicht. Die Spielebranche konzentriert sich viel mehr auf die komplett virtuelle Realität, mit den sogenannten VR-Brillen tauchen Spieler in fremde Welten ein, dagegen kommen AR-Anwendungen eher in anderen Branchen zum Einsatz.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Impeachment-Anhörungen : Trumps Schattendiplomat

          Gordon Sondland muss sich auf ein regelrechtes Verhör gefasst machen. Von dem amerikanischen Botschafter bei der EU erhoffen sich die Demokraten Aussagen, mit denen sie Donald Trump der Erpressung und Bestechung überführen können.

          Bei Vortrag angegriffen : Weizsäcker-Sohn in Klinik getötet

          Fritz von Weizsäcker, Sohn des früheren Bundespräsidenten, ist von einem Angreifer in Berlin bei einem Vortrag erstochen worden. Der Täter wurde festgenommen, über sein Motiv besteht noch Unklarheit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.