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Weniger Windows, mehr Office : Schwaches PC-Geschäft trifft Microsoft

  • Aktualisiert am

Microsoft-Chef Steve Ballmer Bild: dapd

Der digitale Trend geht zu mobilen Geräten: Microsoft verkauft weniger Windows 7, andere Produkte konnten das ausgleichen. Der Umsatz steigt um 13 Prozent, der Gewinn fast um ein Drittel.

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          Der Softwarekonzern Microsoft hat die schwächelnden Verkäufe von neuen Computern gut weggesteckt. Die starke Nachfrage nach der Bürosoftware Office 2010, der Spielekonsole Xbox 360 und der dazugehörigen Bewegungssteuerung Kinect glichen die geringere Nachfrage nach dem Betriebssystems Windows 7 im dritten Geschäftsquartal (bis März) mehr als aus.

          Der Umsatz von Microsoft stieg um 13 Prozent auf 16,4 Milliarden Dollar (11,1 Milliarden Euro). Der Gewinn verbesserte sich sogar um 31 Prozent auf 5,2 Milliarden Dollar. „Wir haben starke Zahlen vorgelegt in einem gemischten Umfeld für PC“, sagte Finanzchef Peter Klein am Donnerstag am Firmensitz in Redmond im amerikanischen Bundesstaat Washington.

          Windows wird meist zusammen mit einem neuen PC ausgeliefert. Seit dem Siegeszug von Tablet-Computern und Smartphones halten sich viele Privatkunden aber zurück, insbesondere bei Notebooks. Microsoft drängt deshalb mit Macht auch in die neuen mobilen Geräte und hat sich dazu mit dem weltgrößten Handyhersteller Nokia verbündet. Dessen Smartphones werden bald vom mobilen Betriebssystem Windows Phone 7 angetrieben.

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          Anders als die Privatkunden setzen die Firmen für ihre Büros aber weiter auf den klassischen PC mit Windows. Die Unternehmen - auch die kleinen und mittelständischen - erneuerten anhaltend ihre IT, stellte Finanzchef Klein fest. Dieser Trend werde auch im kommenden Geschäftsjahr anhalten, das im Juli beginnt, prognostizierte er.

          Im dritten Geschäftsquartal gingen die Umsätze mit Windows um 4 Prozent auf 4,4 Milliarden Dollar zurück. Dagegen legte die Business-Sparte, zu der auch das Office-Paket gehört, um 21 Prozent auf 5,3 Milliarden Dollar zu. Mittlerweile wirft der Zweig auch mehr Gewinn als Windows ab. Die Unterhaltungssparte verbesserte ihren Umsatz sogar um satte 60 Prozent auf 1,9 Milliarden Dollar; allerdings sind die Geräte nicht annähernd so profitabel wie Software.

          Der Gewinn verbesserte sich auch dank einer einmaligen Steuergutschrift um fast ein Drittel. Analysten hatten diesen Zahlen weitgehend erwartet. Nachbörslich gab die Microsoft-Aktie mehr als zwei Prozent nach.

          „Es gibt die Sorge, dass der PC-Markt zum Erliegen kommt“, sagte Analyst Colin Gillis von BGC Financial. Das sei aber angesichts der Verkaufszahlen von Windows 7 übertrieben. Das Betriebssystem wurde seit der Einführung vor 18 Monaten 350 Millionen Mal verkauft und ist damit das erfolgreichste überhaupt.

          „Microsoft ist für mich kein Wachstumstitel mehr“

          Viele Investoren sind aber skeptisch, ob Microsoft seine dominante Rolle bei Betriebssystemen verteidigen kann. So wurden im ersten Quartal dieses Jahres ein Prozent weniger Personalcomputer verkauft. Viele neuere Geräte, etwa das iPad von Apple oder Tablet-PCs und Mobiltelefone mit dem Betriebssystem Android von Google kommen zudem ohne Software von Microsoft aus. Die Angst, das der Branchenprimus den Anschluss verpasst, sorgte im vergangenen Jahr für einen Kursverlust an der Börse von 15 Prozent, während der Nasdaq-Index 16 Prozent zulegte. Dabei übertrifft der Konzern regelmäßig die Erwartungen der Wall Street (siehe Microsoft macht Rekordumsatz).

          „Microsoft ist für mich kein Wachstumstitel mehr“, sagte Channing Smith vom Capital Advisors Growth Fund. Es handele sich dennoch um ein attraktives Papier. Die Bilanzen des Unternehmens seien unerreicht.

          Problemfeld bleibt das Onlinegeschäft mit der Suchmaschine Bing. Der Verlust steigerte sich leicht auf 726 Millionen Dollar aus. „Bei unserer Kooperation mit Yahoo liegt noch einige Arbeit vor uns“, sagte Finanzchef Klein. Zusammen versuchen die beiden Unternehmen, die Vormachtstellung von Google bei der Internetsuche zu brechen.

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