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Web-Wunder (9) : Internethandel ist keine Lizenz zum Gelddrucken

Im Netz werden fast so viele Bücher verkauft wie im Laden Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Vom Internet hat sich der Handel viel versprochen. Nun zeigt sich, daß der Facheinzelhandel sich wieder zurückgezogen hat. Gewinner des technischen Fortschritts sind die Versandhäuser.

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          Der Bildschirm des häuslichen Computers wird immer öfter zum Schaufenster. Was ausgestellt wird, bestimmt aber - im Gegensatz zum Schaufenster im Handel - der Kunde.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Er hat die Wahl und nutzt sie: Knapp sieben Millionen Deutsche holen sich mindestens einmal im Monat die Internetseite des Buchhändlers Amazon auf ihren heimischen Bildschirm.

          Fast vier Millionen Menschen informieren sich hierzulande mindestens einmal im Monat bei Tchibo oder Otto über neueste Angebote im Internet, und mehr als eine Million Nutzer klicken die Internetseite des Medienhauses Weltbild an. Das Internet ist aus dem Handel nicht mehr wegzudenken.

          Viele haben vor Branchenriesen kapituliert

          Innerhalb von sieben Jahren ist der Gesamtumsatz des Handels über das Internet von gut einer auf fast fünfzehn Milliarden Euro gestiegen. Hinzu kommen mehr als drei Milliarden Euro Umsatz, die von Privat an Privat - meist auf dem Internet-Marktplatz Ebay - abgewickelt werden. Das ist bei einem gesamten Einzelhandelsumsatz in Deutschland von 362 Milliarden Euro allerdings nicht viel.

          Für die Masse der deutschen Händler hat sich durch das Internet an ihren Verkaufsgepflogenheiten denn auch nichts geändert. Im Gegenteil: Nicht wenige Händler haben nach anfänglichen Versuchen das Geschäft im Internet wieder aufgegeben, da sie gegen die Branchengrößen wie Ebay, Amazon, Otto oder Quelle keine Chance haben.

          Allerdings lassen sich immer noch nicht alle Produkte im Netz vertreiben. Noch schnell die Lebensmittel für die nächste Party bestellen und dann schlafen gehen und anderntags nach der Arbeit die Zutaten für das Menü zu Hause vorfinden - hört sich gut an, hat sich aber schnell als fixe Idee entpuppt.

          Plattform für Werbung

          Die E-Commerce-Aktivitäten des Lebensmittelhandels sind fast auf Null zurückgefallen. Selbst der Einstieg der Hamburger Otto-Gruppe in das Geschäft wurde sang- und klanglos wieder eingestellt. „Auf dem Land sind wegen der langen Transportwege die Kosten zu hoch, und in der Großstadt hat es keinen Reiz, Waren zu bestellen, wenn man selbst auf dem Nachhause-weg an drei Supermärkten vorbeikommt“, kommentiert Olaf Roik, E-Commerce-Experte des HDE Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels, die Gründe für diese Entwicklung.

          Die Zahl der Internetauftritte von Einzelhändlern sinkt daher seit dem Höhepunkt der Jahre 1999/2000 kontinuierlich. Inzwischen haben nur noch 50.000 der insgesamt 420.000 deutschen Einzelhändler einen eigenen Internetauftritt vorzuweisen. Darin sind auch all jene Händler, die ihre Ware über Ebay anbieten. Dieser harte Kern aber bearbeite seine Seiten immer professioneller, bescheinigt ihm Roik.

          Abgesehen von den Ebay-Händlern ist das Internet für den stationären Einzelhandel heute überwiegend eine Plattform zur Anbahnung der Käufe im eigenen Geschäft - also zur guten Werbung. „Wenn man langfristig Umsatz und Gewinn daraus generieren will, muß man den Auftritt professionell gestalten und pflegen“, sagt Roik. Von allein laufe nichts; Internethandel sei schließlich keine Lizenz zum Gelddrucken.

          Versandhandel hat profitiert

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