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Web-Wunder (11) : „Internetauktionen sind ein Riesenthema für die Einkäufer“

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Der elektronische Einkauf im Netz gilt als Wunderwaffe. Die Beschaffungskosten in Unternehmen lassen sich so um bis zu 20 Prozent senken. Elektronische Marktplätze haben sich jedoch nicht durchgesetzt.

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          Covisint, Transora, CPG Markets - die einst klangvollen Namen der Branchenmarktplätze im Internet sind fast vergessen.

          „Öffentliche Marktplätze im Internet sind heute fast ein Schimpfwort geworden. Dabei ist die Idee, einen idealen Markt mit vollkommener Transparenz zu schaffen, eigentlich gut. Aber die konservativen Einkäufer sind auf das neue Medium nicht eingestiegen“, blickt Peter Bernard vom amerikanischen Beschaffungsspezialisten Ariba auf die Blütezeit der New Economy zurück. Die Einkäufer wollten ihren Konkurrenten natürlich nicht zeigen, zu welchen Konditionen sie ihre Vorprodukte beschaffen.

          Seit dem Jahr 2000 gilt der elektronische Einkauf im Netz als Wunderwaffe, um die Kosten im Unternehmen zu senken. Fünf Jahre später ist aus der Fiktion Wirklichkeit geworden - auch ohne öffentliche Marktplätze. Statt dessen haben sich andere Beschaffungsinstrumente durchgesetzt. „Alle Großunternehmen nutzen heute Internetkatalogsysteme, damit die Mitarbeiter selber bestellen können“, sagt Ronald Bogaschewsky, Professor an der Universität Würzburg und Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME).

          Enorme Sparpotentiale

          Da für einen Bleistift nicht mehr umständlich Formulare ausgefüllt, weitergereicht, eingetippt und abgeheftet werden müssen, haben die elektronischen Bestellsysteme vor allem die Verwaltungskosten im Einkauf gesenkt. Auch die Recherche in Online-Lieferantenpools ist nach einer Studie des Marktforschungsunternehmens Berlecon Research in vielen Unternehmen üblich. „Allerdings haben kleine Unternehmen noch großen Nachholbedarf. Ihnen war die Software bisher meist zu teuer“, hat Bogaschewsky beobachtet. Erst in den vergangenen beiden Jahren haben auf den Einkauf spezialisierte IT-Anbieter wie Healy Hudson, Wallmedien oder Onventis diese Zielgruppe im Visier.

          Das Engagement der kleinen und mittleren Unternehmen komme zu spät, kritisiert der BME-Vorsitzende Jürgen Marquard: „Mehr als die Hälfte aller Industrieunternehmen in Deutschland hat auch im Jahr 2005 noch keine Erfahrung mit elektronischen Ausschreibungen oder Auktionen gesammelt. Das ist völlig unverständlich angesichts der bestehenden Sparpotentiale“.

          Die Großunternehmen sind schon zwei Schritte weiter. Um neben den Verwaltungskosten auch die Preise der eingekauften Produkte zu senken, hat sich dort das Instrument der Auktion etabliert. „Auktionen sind ein Riesenthema für die Einkäufer - auch wenn das oft heimlich geschieht“, sagt Bogaschewsky. Auf mehr als 200 Milliarden Euro schätzen Fachleute das Transaktionsvolumen in den Versteigerungen allein in Deutschland. Auktionen sind vor allem bei international tätigen Konzernen wie Linde, BMW, Tchibo, Heidelberger Druck und der Deutschen Telekom sehr beliebt.

          Low Cost Country Sourcing

          „Der Kostendruck ist inzwischen so groß, daß die Unternehmen an Auktionen nicht mehr vorbei können. Denn die Einkaufspreise lassen sich damit bis zu 20 Prozent senken“, sagt Andreas Bernhard vom Frankfurter Einkaufsspezialisten Portum. Allerdings nehmen an den Versteigerungen heute keine unbekannten Lieferanten mehr teil, die früher in den öffentlichen Marktplätzen für manch böse Überraschung gesorgt haben. „In den Auktionen treten heute die bekannten Qualitätsanbieter gegeneinander an“, sagt Bernhard.

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