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Web-Wunder (11) : „Internetauktionen sind ein Riesenthema für die Einkäufer“

  • -Aktualisiert am

Diese Anbieter sind jetzt bereit, ihre Preise an das internationale Niveau anzupassen. Dieser steigende Wettbewerbsdruck, den vor allem Anbieter aus Osteuropa oder China ausgelöst haben, wird die strategische Rolle des Einkaufs in den Unternehmen drastisch erhöhen, hat eine Studie der Economist Intelligence Unit im Auftrag des Softwareanbieters SAP ergeben. „85 Prozent des Unternehmen sind der Ansicht, die Einkaufsstrategien werden sehr wichtig oder sogar entscheidend sein, um die Wettbewerbsvorteile eines Unternehmens auszuweiten“, haben die Forscher mit einer Umfrage unter mehr als 300 großen Unternehmen herausgefunden.

Das große Thema der Einkäufer heißt daher LCCS. Hinter der Abkürzung für Low Cost Country Sourcing steht der Einkauf in Ländern mit deutlich niedrigeren Produktionskosten als in Deutschland. „Diese Tendenz stellt alles andere in den Schatten“, sagt Bogaschewsky. Deutsche Einkäufer werden zwar heute bei der Suche nach dem besten Lieferanten am häufigsten noch in Deutschland fündig. Mehr als die Hälfte aller Güter beschaffen deutsche Einkäufer noch im Inland, hat eine Studie des Supply Management Instituts an der European Business School (Ebs) herausgefunden.

Bleiben deutsche Lieferanten wettbewerbsfähig?

Allerdings wird China bis zum Jahr 2010 Deutschland als wichtigste Bezugsquelle für direkt produktionsrelevante Güter ablösen, hat die Umfrage ergeben. Dies werde vor allem zu Lasten der europäischen Nachbarländer Italien, Frankreich und Großbritannien gehen. Der deutsche Anteil wird nach Ansicht der befragten Einkaufsleiter in dieser Produktgruppe kaum sinken. „Die Diskussion über die Outsourcing-Welle ist in Deutschland möglicherweise übertrieben. Die deutschen Lieferanten scheinen mittelfristig international wettbewerbsfähig zu bleiben“, schreiben die Ebs-Fachleute, was Bogaschewsky für eine ausgesprochen optimistische Einschätzung hält.

„Die Auslagerung wird unsere Wirtschaft durcheinanderwirbeln und massive Probleme auf dem Arbeitsmarkt hervorrufen“, sagt er. Die Internetunternehmen hätten die Suche nach Lieferanten aus diesen Ländern als Geschäft erkannt. Ein Handel mit diesen Unternehmen auf Marktplätzen erscheint aber kurz- und mittelfristig illusorisch, denn die elektronischen Transaktionen finden heute quasi nur noch zwischen einem festgelegten Stamm an Einkäufern und Lieferanten statt, die sich alle gut kennen. „In jeder Industrie sind etwa zwei Marktplätze übriggeblieben. In Deutschland haben insgesamt weniger als 50 Marktplätze überlebt“, schätzt Bogaschewsky.

In der Automobilbranche gehören Supplyon und Newtron zu den Überlebenden der New Economy, in der Chemiebranche ist es das französische Unternehmen CC-Hubwoo. Im Handel hat World Wide Retail Exchange den Ausleseprozeß überlebt. Auch Synertrade, ein Zusammenschluß aus dem französischen Unternehmen Synerdeal und dem Münchner Anbieter Trade2B, ist mit einem Handelsvolumen von rund 7 Milliarden Euro in diesem Jahr gut im Geschäft.

Etabliert hat sich auch das Lieferantennetzwerk von Ariba, auf dem mehr als 120.000 Anbieter aus 115 Ländern vertreten sind. Das Transaktionsvolumen wird nach Ariba-Schätzungen in diesem Jahr rund 70 Milliarden Dollar betragen. Ein wichtiger Teil des Geschäftes mit der Beschaffung fließt heute an die großen Softwarehäuser wie SAP oder Oracle, die das Thema unter dem Schlagwort des „Supplier Relationship Management“ (SRM) vermarkten.

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